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1248 bis 1880 – Der Bau des Kölner Doms

Der Entschluss zum Neubau (1248)

Konrad von Hochstaden (1205-1261)

Am 15. August 1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden den Grundstein für eine neue Kathedrale. Der Anlass lag in der religiösen und politischen Stellung Kölns und in den Reliquien der Heiligen Drei Könige, die sich seit 1164 in der Stadt befanden. Der Neubau sollte die Reliquien aufnehmen, im Kirchenraum erhöhen und ihre Bedeutung hervorheben. Zugleich sollte das Bauwerk die führende Stellung des Kölner Erzbischofs unter den geistlichen Fürsten des Reichs verdeutlichen.

Der erste Dombaumeister, Meister Gerhard, orientierte sich am Kathedralbau Nordfrankreichs, insbesondere an Amiens. Der Bau begann im Osten mit dem Chor, also dem Bereich um den Hochaltar, in dem die Liturgie des Domkapitels stattfand.

Der vollendete Chor und der Stillstand (13.–16. Jahrhundert)

Kathedrale von Amiens

1322 konnte der Hochchor geweiht werden. Als Hochchor bezeichnet man den architektonisch besonders aufwendig gestalteten Chorbereich des Doms. Er blieb der einzige Teil des Bauwerks, der im Mittelalter vollständig ausgeführt wurde. Um den Chor legte man einen Kapellenkranz an, einen ringförmigen Umgang mit einzelnen Seitenkapellen für Altäre und Stiftungen. Die großen Maßwerkfenster, deren steinerne Glieder das Glas in geometrische Formen teilen, sorgten für eine starke Lichtwirkung. Das Gewölbe stützte sich über Pfeiler, Strebebögen und außen angesetzte Strebepfeiler ab, die den seitlichen Schub nach außen ableiteten und so die Raumwirkung des Chors ermöglichten.

Der anschließende Bau des Langhauses und der Westfassade kam nur schleppend voran. Zwar entstanden im 14. und 15. Jahrhundert Teile der Seitenschiffe, also der schmaleren Raumbereiche links und rechts des Hauptschiffs, und der Südturm wuchs bis auf etwa 60 Meter Höhe. Im frühen 16. Jahrhundert verschlechterten sich die finanziellen Grundlagen des Dombaus deutlich. Einnahmen aus Stiftungen, Wallfahrten und kirchlichen Abgaben gingen zurück, zugleich banden politische Spannungen und militärische Ausgaben erhebliche Mittel. Die Reformation stellte zusätzlich den Reliquienkult und damit einen zentralen Sinngehalt des Bauprojekts in Frage. Um 1528 löste sich die Bauorganisation weitgehend auf, kontinuierliche Arbeiten kamen zum Erliegen. Über mehr als 300 Jahre blieb der Dom unvollendet und bestimmte als Großbaustelle das Erscheinungsbild von Köln.

Wiederentdeckung und Vollendung im 19. Jahrhundert

Im frühen 19. Jahrhundert rückte der Dom erneut in den Mittelpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit. Kunsthistoriker, Architekten und Vertreter des preußischen Staates griffen mittelalterliche Bauformen als Vorbild auf und betrachteten den Dom als Zeugnis einer gemeinsamen deutschen Vergangenheit. Ein im 14. Jahrhundert angefertigter Fassadenplan, der im frühen 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde, machte es möglich, die Westfassade nach den ursprünglichen Vorgaben auszuführen.

1842 begann der Weiterbau unter preußischer Schirmherrschaft. Die beteiligten Architekten hielten am historischen Entwurf fest, nutzten jedoch moderne Baumethoden. Der eiserne Dachstuhl verbindet überlieferte Formen mit den technischen Möglichkeiten des Industriezeitalters. 1880 wurden die Türme fertiggestellt und der Dom feierlich eingeweiht.

Ein Bau ohne Abschluss

Mit der Vollendung begann eine neue Phase der Baugeschichte. Witterungseinflüsse, Umweltbelastungen und Kriegsschäden machten den Dom zu einem Objekt kontinuierlicher Erhaltungsarbeit. Bis heute arbeiten Steinmetze, Restauratoren und Bauingenieure dauerhaft an Sicherung und Instandhaltung.

Der Dom ist ein über Jahrhunderte gewachsenes Bauvorhaben. Seine Geschichte zeigt, wie unterschiedliche Generationen denselben Bauplan weiterführten, unterbrachen und wieder aufnahmen, bis sie ihn unter veränderten historischen Bedingungen vollendeten.


Zum Weiterlesen

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Beuckers, K. G. (2004): Der Kölner Dom. Baugeschichte und Bedeutung einer gotischen Kathedrale.
Wolff, A., Schock-Werner, B. (2015): Der Dom zu Köln. Seine Geschichte und seine Kunstwerke.

Bildnachweis

Alles eigene Bilder oder gemeinfrei.

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