
Die Flussufer und Wälle vor dem Tower von London füllten sich am Abend des 8. Juni 1688 mit unzähligen Menschen. König Jakob II.1 (1633-1701) hatte den Erzbischof von Canterbury, William Sancroft, in Gemeinschaft mit sechs seiner Bischöfe wegen aufrührerischer Verleumdung in Festungshaft setzen lassen, nachdem die Prälaten sich geschlossen geweigert hatten, die königliche Toleranzerklärung von den Kanzeln des Landes verlesen zu lassen.
Statt der beabsichtigten Disziplinierung der anglikanischen Kirchenfürsten erlebten die herbeigeeilten Offiziere ein politisches Debakel, da immense Menschenmengen die Themse säumten, um den Segen der Gefangenen zu erflehen, während die Soldaten der königlichen Garde vor den angeklagten Geistlichen niederknieten. Diese offene Verweigerung der Staatskirche signalisierte dem Monarchen den Verlust seiner wichtigsten Machtbasis, da die englische Gentry, welche als Friedensrichter die lokale Justiz verwaltete und die Steuern in den Grafschaften eintrieb, dem Prinzip des absolutistischen Herrschaftsanspruchs die praktische Gefolgschaft entzog.
Die Erosion der ländlichen Verwaltung
Die Tories verstanden sich als Schutzmacht der anglikanischen Staatskirche; den Katholizismus betrachteten sie nicht nur als religiöse Häresie, sondern als politische Gefahr für ihre eigene Machtstellung in Kirche und Verwaltung. Vor diesem Hintergrund trug die überwiegend torische Parlamentsmehrheit den legitimen Erben trotz seines katholischen Bekenntnisses, solange die Vormachtstellung der Church of England unangetastet blieb.
Die erfolgreiche Niederschlagung der Monmouth-Rebellion im Sommer des ersten Regierungsjahres täuschte die Krone über das reale Fundament ihrer Autorität, welches maßgeblich auf dem Konsens mit dem protestantischen Landadel beruhte.

Nachdem das Parlament im Oktober und November 1685 die vom Monarchen geforderte Aufhebung der religiösen Ausnahmebestimmungen verweigerte, suchte der König die gesetzlichen Schranken auf juristischem Umweg zu umgehen. Das wegweisende Urteil im Musterprozess Godden versus Hales legitimierte im Juni 1686 das königliche Dispensrecht durch die Unterschrift regierungstreuer Richter, woraufhin Jakob II. im April 1687 die allgemeine Declaration of Indulgence erließ, um katholischen Untertanen den Zugang zu öffentlichen Ämtern zu eröffnen.
Dieses Vorgehen verletzte das Rechtsbewusstsein der ländlichen Eliten, die in dem Test Act von 1673 sowie dessen legislativer Verschärfung im Jahr 1678 die entscheidende Garantie für ihre administrative Monopolstellung in den Grafschaften sahen. Anstatt den schwelenden Konflikt durch Zugeständnisse zu entschärfen, forcierte das Ministerium im Verlauf des Jahres 1688 die systematische politische Säuberung der lokalen Körperschaften, indem es den Lord Lieutenants die schriftliche Beantwortung der sogenannten „Drei Fragen“ auferlegte. Die ministerielle Forderung, dass jeder potenzielle Parlamentskandidat sich vorab schriftlich zur Rücknahme der penal laws – jener Strafgesetze gegen Katholiken und Nonkonformisten – verpflichten müsse, löste eine flächendeckende Amtsverweigerung innerhalb der etablierten Gentry aus. Die daraufhin vom König befohlene Entlassung Hunderter anglikanischer Friedensrichter blockierte die Rechtsprechung in den Grafschaften, da die hastig ernannten Nachfolger aus den Reihen der Katholiken in den Augen der ländlichen Bevölkerung weder über das nötige soziale Prestige noch über den erforderlichen Grundbesitz verfügten.
Der kontinentale Druck und die Portsmouth-Krise

Die Lähmung der lokalen Gerichte erzeugte ein explosives Klima, welches sich im Bewusstsein der englischen Öffentlichkeit rasch mit den zeitgleichen religiösen Verfolgungen auf dem europäischen Kontinent verknüpfte, wo die Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. im Oktober 1685 eine Massenflucht protestantischer Hugenotten nach England auslöste.
Die kontinuierliche Ankunft der Exilanten nährte durch die Berichte der ersten Ankömmlinge die Furcht vor einer gewaltsamen Gegenreformation, während sich bis zur Jahrhundertwende schätzungsweise die Hälfte der insgesamt etwa 40.000 bis 50.000 Flüchtlinge dauerhaft in London niederlassen sollte. Jakob II. verschärfte dieses Misstrauen tiefgreifend, als er im September 1688 versuchte, die Zuverlässigkeit seiner Streitkräfte durch die gezielte Einschleusung katholischer irischer Rekruten in das Regiment des Duke of Berwick in der strategisch bedeutsamen Festung Portsmouth zu erzwingen.
Diese Maßnahme provozierte den offenen Protest von sechs Hauptleuten, die sich weigerten, die neuen Soldaten in ihre Kompanien aufzunehmen, woraufhin die Militärführung die Offiziere vor ein Kriegsgericht stellen ließ. Der Vorfall vertiefte das prinzipielle Misstrauen in den protestantischen Rängen der Armee nachhaltig, während der Earl of Tyrconnell in Dublin parallel dazu die protestantischen Beamten aus der irischen Verwaltung drängte. Die Geburt des Thronfolgers Jakob Franz Eduard Stuart am 10. Juni 1688 zerschlug schließlich die verbliebene Hoffnung der Gentry auf eine biologische Lösung der Krise durch die Thronfolge der protestantischen Königstöchter Maria und Anne.
Die Landung in Torbay und der Zusammenbruch der Logistik

Der glanzvolle Freispruch der sieben Bischöfe am 30. Juni 1688 lieferte den entscheidenden Katalysator für den offenen Staatsstreich, indem noch am selben Abend sieben hochrangige Vertreter der Whigs und Tories die formelle Einladung an den niederländischen Statthalter Wilhelm III. von Oranien übermittelten. Wilhelm benötigte die englischen Ressourcen zur Absicherung der Vereinigten Niederlande gegen die französische Expansion im Rheinland, die im September 1688 durch den Angriff Ludwigs XIV. auf Philippsburg akut wurde. Begünstigt durch das Einsetzen des sprichwörtlichen „protestantischen Windes“, der die Flotte des königlichen Admirals Dartmouth in der Themsemündung festhielt, passierte die niederländische Armada den Ärmelkanal und vollzog am 5. November 1688 eine ungestörte Landung im südwestenglischen Torbay, während die nachstoßende englische Marine durch einsetzende Winterstürme und akuten Proviantmangel in Portsmouth blockiert blieb.
Der Vormarsch der Truppen Wilhelms III. nach Exeter legte das Ausmaß der königlichen Isolation offen, da die Verteidigungspläne der Krone vollständig auf der Kooperation der lokalen Eliten basierten, die nun schlicht die Bereitstellung von Fuhrwerken und Vorräten verweigerten. Während der Graf von Danby im Norden des Landes die Schlüsselhäfen York und Hull kampflos besetzte, kollabierte die militärische Führung des königlichen Hauptquartiers in Salisbury unter dem Eindruck gezielter Desertionen prominenter Offiziere wie John Churchill.
Der von schweren gesundheitlichen Einbrüchen geschwächte Monarch verlor das Vertrauen in die Zuverlässigkeit seiner verbliebenen Regimenter, befahl den Rückzug der Armee und floh im Dezember nach Frankreich, wobei er das Große Siegel des Reiches in der Themse versenkte, um die Einberufung eines regulären Nachfolgeparlaments zu sabotieren.
Die Verfassungsaushandlung im Konventionsparlament
Das im Januar 1689 einberufene Konventionsparlament stand vor der Aufgabe, die staatliche Ordnung ohne ein formelles königliches Mandat zu rekonstruieren. Während die Whigs die These des gebrochenen Staatsvertrags vertraten, versuchten die moderaten Tories, die Fiktion des Erbrechts durch den Vorschlag einer Regentschaft für den exilierten Stuart zu wahren. Erst die unmissverständliche Drohung Wilhelms III., das Land im Falle einer bloßen Statthalterschaft zu verlassen, erzwang am 6. Februar die historische Deklaration, dass Jakob II. durch seine Flucht abdankt und den Thron vakant hinterlassen habe.
Die Verlesung der Declaration of Right am 13. Februar 1689 besiegelte den Bruch mit der stuartschen Theorie des göttlichen Rechts. Das Dokument entzog dem Monarchen das Recht zur eigenmächtigen Suspendierung von Gesetzen, während es zeitgleich die Erhebung von Steuern an die ausdrückliche Bewilligung des Hauses band. Zudem verbot die Neuregelung die Unterhaltung eines stehenden Heeres in Friedenszeiten ohne parlamentarische Zustimmung. Über den verfassungsrechtlichen Kompromiss von Westminster hinaus hinterließ der Herrschaftswechsel jedoch eine tiefe religiöse Spaltung der anglikanischen Kirche, da insgesamt rund 400 Kleriker, unter ihnen der Erzbischof Sancroft und acht weitere Bischöfe, den neuen Treueeid verweigerten. Diese als Non-Jurors bezeichnete Gruppe bildete in den folgenden Jahrzehnten ein intellektuelles Zentrum der Opposition gegen das neue Regime, während zeitgleich im schottischen Hochland eigenständige jakobitische Unruhen ausbrachen, die sich aus den lokalen Klan-Bündnissen und der dortigen Verteidigung der bischöflichen Kirchenordnung speisten.

Zum Weiterlesen
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Harris, T. (2006): Revolution: The Great Crisis of the British Monarchy, 1685–1720. Eine analytische Untersuchung der politischen Krisenjahre unter besonderer Berücksichtigung der drei Königreiche England, Schottland und Irland.
Pincus, S. (2009): 1688: The First Modern Revolution. Eine umfassende Neudeutung der Ereignisse als fundamentale Modernisierung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft des britischen Empires.
Bildnachweis
Titel: Wilhelm III. vor London, Gemälde um 1690.
Alle Bilder gemeinfrei.
Fußnoten
- Der englische Name ist James II. ↩︎




