Startseite » Von Kaperbriefen zur schwarzen Flagge – der Aufstieg der Karibikpiraten

Von Kaperbriefen zur schwarzen Flagge – der Aufstieg der Karibikpiraten

Karibik im 17. Jahrhundert (große Ansicht)

Im frühen 17. Jahrhundert war die Karibik ein umkämpfter Raum. Spanien beanspruchte die Region als sein Herrschaftsgebiet, doch andere Mächte drängten nach. Für England, Frankreich und die Niederlande war es verlockend, den Reichtum der spanischen Silberflotten abzugreifen. Diese Flotten, beladen mit den Erträgen der Minen von Potosí und Mexiko, segelten einmal jährlich nach Europa. Sie waren schwimmende Schatzkammern, die Gold, Silber und andere Kolonialwaren in ungeheuren Mengen transportierten.

Ein einziger Überfall konnte das Vermögen eines Kapitäns und seiner Mannschaft für immer sichern. Kein Wunder also, dass Piraten und Kaperfahrer immer wieder versuchten, diese Schiffe abzufangen. Die spanische Krone schützte ihre Flotten mit bewaffneten Geleitzügen, doch Stürme, Krankheiten und die Weite des Ozeans machten sie verwundbar. Schon ein einzelnes gekapertes Schiff konnte Schlagzeilen bis nach Europa machen.

Kaperbriefe und Freibeuter

Kaperbrief Maurits van Nassau für Johan de Moor, 1618

Damit aus waghalsigen Überfällen ein kalkulierbares Mittel der Politik wurde, vergaben die Regierungen sogenannte Kaperbriefe. Ein solches Dokument ermächtigte einen Kapitän, feindliche Schiffe aufzubringen und die Beute im Namen seiner Krone zu teilen. Wer so segelte, galt als Freibeuter: im Englischen „privateer“, im Französischen „flibustier“. In Friedenszeiten aber gab es für sie kaum legale Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele hielten sich dann mit Schmuggel oder mit Angriffen auf neutralen Handel über Wasser. Auf der Insel Tortuga etwa entstand zeitweise eine Art Piratenrepublik, die zum Sammelplatz für diese Männer wurde.

Die Silberflotten blieben dabei das lukrativste Ziel. Henry Morgan, einer der berüchtigtsten Freibeuter des 17. Jahrhunderts, konzentrierte sich zwar oft auf Hafenstädte, doch immer mit dem Wunsch, an die spanischen Metallschätze zu gelangen. Auch holländische und französische Kaperfahrer träumten von einem großen Schlag gegen die „plata flota“.

Vom Kaperkrieg zum „goldenen Zeitalter“

Der große Einschnitt kam nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1702–1713). Jahrzehntelang hatten die europäischen Mächte in Übersee fast ununterbrochen gegeneinander gekämpft. Privateers waren Teil dieser Kriegsführung, sie störten die Handelsrouten des Gegners und besserten dabei auch ihre eigenen Taschen auf. Doch mit dem Frieden von Utrecht 1713 fiel diese Einnahmequelle plötzlich weg. Tausende erfahrene Seeleute standen ohne Arbeit da.

Rediker beschreibt, wie viele dieser Männer nicht bereit waren, in den harten Alltag der Handelsflotten zurückzukehren. Niedrige Löhne, schlechte Verpflegung und brutale Disziplin machten den Dienst auf Kaufmannsschiffen unattraktiv. Manche entschieden sich deshalb, die Kriegslogik fortzusetzen. Ohne Auftraggeber und ohne nationale Bindung. Sie hissten die schwarze Flagge und erklärten sich zu Piraten.

Spanien verliert das Monopol

Die spanische Silberflotte wird gekapert, 1651

Auch die Schwäche Spaniens spielte den neuen Seeräubern in die Hände. Zwar war die Silberflotte weiterhin der Stolz der Krone, doch die Ressourcen reichten kaum noch, um Küstenstädte, Häfen und Handelswege zu sichern. Englische, französische und holländische Händler drängten immer stärker in die Karibik, legal und illegal. Für Piraten öffnete sich damit ein riesiger Spielraum, denn sie konnten jede Nation angreifen, solange sich Beute versprach.

Die Bahamas wurden zu einem bevorzugten Sammelpunkt und die Stadt Nassau entwickelte sich ab 1716 zu einem regelrechten Piratenhafen. Von dort aus zogen Banden aus, die bald nicht nur spanische, sondern auch englische und französische Schiffe überfielen.

Der Übergang ins Zeitalter der Piraten

Die Jahre zwischen 1716 und 1720 sollten später als Höhepunkt des „goldenen Zeitalters der Piraterie“ in die Erinnerung eingehen. Männer wie Benjamin Hornigold, die als Kaperfahrer angefangen hatten, erklärten kurzerhand, sie hätten den Vertrag zwischen England, Spanien und Frankreich nicht akzeptiert und setzten ihre Angriffe fort. Aus Kriegshilfskräften waren Gegner der Ordnung geworden. Bald antworteten die Kolonialmächte mit drakonischen Strafen. Doch noch einige Jahre sollten die Piraten das Bild der Karibik prägen.


Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Bildnachweis

Titel: Henry Morgan rekrutiert für einen Angriff. Buccaneers and Marooners of the Spanish Main, 1887.

Karte: Wikimedia Commons, The Lionel Pincus & Princess Firyal Map Division.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert