
König Roderich lässt sein Heer nach Süden ziehen. Im Frühjahr 711 überqueren Truppen aus Nordafrika die Meerenge zur Iberischen Halbinsel. Ihr Befehlshaber Tāriq ibn Ziyād wartet mit seinen Männern auf die Streitmacht des westgotischen Königs. Noch ist offen, ob aus dem Vorstoß ein größerer Eroberungszug wird.
Tāriq handelt im Auftrag von Mūsā ibn Nusair, dem umayyadischen Statthalter Nordafrikas. Tāriqs Heer besteht überwiegend aus Berbern. Jenseits der Meerenge trifft es auf ein Königreich, dessen Adel um die Herrschaft streitet. Roderich sitzt erst seit kurzer Zeit auf dem Thron; nicht alle führenden Familien stehen hinter ihm.
Die Schlacht im Süden

Im Sommer begegnen sich beide Heere im Süden der Halbinsel. Die Schlacht wird gewöhnlich nach dem Fluss Guadalete benannt, doch ihr genauer Schauplatz ist nicht sicher bekannt. Tāriq siegt. Roderich verschwindet aus den Berichten über die folgenden Ereignisse; wahrscheinlich stirbt er während oder kurz nach dem Kampf.
Eine christliche Chronik, die wenige Jahrzehnte später entstand, schildert auch Rivalität unter Roderichs Gefolgsleuten. Ob bestimmte Adlige in der Schlacht planmäßig die Seite wechselten, lässt sich daraus jedoch nicht sicher ableiten. Der Ausgang steht fest: Der König kann seine Truppen nicht erneut sammeln, und niemand übernimmt rasch die Führung des gesamten Reichs.
Der Weg nach Toledo
Tāriq nutzt den Sieg. Er schickt einen Teil seiner Männer nach Córdoba und zieht selbst weiter ins Landesinnere. Córdoba leistet Widerstand, fällt aber schließlich. Toledo, die Hauptstadt der westgotischen Könige, gerät ebenfalls in die Hände der Eroberer.
Damit gewinnt Tāriq mehr als einzelne Städte. Von Toledo aus hatten die Könige über die Großen des Reichs geherrscht und kirchliche Versammlungen einberufen. Nun fehlt diesem Herrschaftsgefüge sein Mittelpunkt. Der Verlust der Hauptstadt beendet allerdings nicht jeden Widerstand: In anderen Gegenden kämpfen die neuen Machthaber weiter oder treffen Absprachen mit örtlichen Herren.
712 setzt Mūsā ibn Nusair selbst mit einem weiteren Heer über. Er erobert in den folgenden Monaten unter anderem Sevilla und Mérida. Während manche Städte belagert werden, unterwerfen sich andere unter ausgehandelten Bedingungen. Die Eroberung der Halbinsel verläuft in mehreren Etappen und auf unterschiedliche Weise.
Was von 711 bleibt
Die Niederlage Roderichs entscheidet über die westgotische Königsherrschaft, aber noch nicht über das Leben jedes Bewohners. Christen und Juden leben vielfach unter den neuen Herrschern auf der Halbinsel weiter. Wer örtlich Macht behält und welche Abgaben fällig werden, entscheidet sich in den Jahren nach dem Feldzug von Ort zu Ort.
Innerhalb weniger Jahre kontrollieren muslimische Befehlshaber den größten Teil Iberiens. Aus ihrem Eroberungsgebiet entsteht al-Andalus. Wer es regiert, bleibt zunächst eine offene Frage. Tāriq und Mūsā haben das Westgotenreich überwunden; eine dauerhafte Herrschaft müssen ihre Nachfolger erst aufbauen.

Zum Weiterlesen
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Collins, R. (1989): The Arab Conquest of Spain, 710–797.* Untersuchung der Eroberung und der ersten Jahrzehnte muslimischer Herrschaft.
Vones, L. (1993): Geschichte der Iberischen Halbinsel im Mittelalter (711–1480). Reiche – Kronen – Regionen.* Überblick über die unterschiedlichen Herrschaftsräume der Halbinsel.
Bildnachweis
Titel: Schlacht bei Guadalete, Gemälde von Martinez Cubells (1845-1914).
Alle Bilder gemeinfrei.




