Startseite » Vor der Festung Nikopolis – Bayezid und das Kreuzfahrerheer

Vor der Festung Nikopolis – Bayezid und das Kreuzfahrerheer

Die Schlacht bei Nikopolis in einer späteren Darstellung.

Vor Nikopolis an der Donau standen im September 1396 zwei Aufgaben im Weg eines Kreuzzugs. Die befestigte Stadt musste fallen, und Sultan Bayezid I. durfte sie nicht rechtzeitig entsetzen. Das Heer vor ihren Mauern hatte bereits einen langen Weg zurückgelegt. Französische und burgundische Ritter waren zu König Sigismund von Ungarn gestoßen, dessen südliche Grenze unter osmanischem Druck stand. Nun banden die Mauern die Angreifer an einen Ort, während Bayezid seine Verbände heranführte.

Ein Bündnis mit verschiedenen Erwartungen

Sigismund wollte die osmanische Expansion an der unteren Donau zurückdrängen. Für Ungarn war dies eine unmittelbare Grenzfrage. Bayezid hatte seine Herrschaft in Bulgarien ausgedehnt und bedrohte die Fürstentümer, die zwischen den beiden Mächten lagen. Wer dort eine Festung verlor, verlor zugleich einen Flussübergang und die Möglichkeit, Truppen zu versorgen.

König Sigismund von Luxemburg.
König Sigismund von Luxemburg.

Die weit angereisten Ritter verbanden den Feldzug stärker mit der Vorstellung eines Kreuzzugs. Ihr Unternehmen sollte auch das bedrängte Konstantinopel entlasten. An der Spitze des burgundischen Aufgebots stand Johann von Nevers, der spätere Herzog Johann Ohnefurcht. Sein Vater finanzierte die Unternehmung, während erfahrene Adlige an ihrer Führung mitwirkten. Johann selbst musste sich als junger Fürst erst bewähren.

Ein gemeinsamer Glaube schuf noch keinen einheitlichen Oberbefehl. Die einzelnen Herren brachten eigene Gefolgschaften mit und beanspruchten Einfluss auf den Einsatz ihrer Leute. Der Platz in der Schlachtordnung besaß dabei einen politischen Wert. Wer den ersten Angriff führte, konnte Ruhm für sich und sein Haus beanspruchen. Sigismunds Erfahrung mit den osmanischen Heeren gab ihm deshalb nicht automatisch die Kontrolle über die Entscheidungen seiner Verbündeten.

Die Donau als Versorgungsweg

Der Vormarsch folgte dem Fluss nach Osten. Schiffe konnten Vorräte transportieren, die ein Heer auf schlechten Landwegen nur mühsam mitgeführt hätte. Gleichzeitig mussten die Angreifer befestigte Plätze ausschalten, damit deren Besatzungen ihre Verbindung nach Westen nicht bedrohten. Der Weg nach Nikopolis war daher selbst schon ein Feldzug und keine bloße Anreise zu einer erwarteten Entscheidungsschlacht.

Die Kriegführung traf die Bevölkerung entlang dieser Route. Christliche Bewohner standen keineswegs durchweg auf Seiten der Kreuzfahrer. Auch deren Verbände plünderten und töteten. Die religiöse Begründung des Unternehmens gewährte den Menschen in den umkämpften Orten keinen verlässlichen Schutz.

Die Besatzung von Nikopolis nutzte die steile Lage der Festung und schlug die ersten Angriffe zurück. Das Kreuzfahrerheer war für eine Feldschlacht ausgerüstet und auf eine längere Belagerung schlecht vorbereitet. Nach den gescheiterten Angriffen gingen die Kreuzfahrer zur Blockade über. So blieben sie vor den Mauern gebunden, während Bayezid seine Truppen heranführte. Der Sultan unterbrach den Druck auf Konstantinopel und wandte sich gegen das Heer an der Donau. Seine Herrschaft war inzwischen groß genug, um Truppen aus verschiedenen Provinzen zusammenzuziehen. Dass diese Verbände eintrafen, machte aus der Belagerung eine offene Feldschlacht.

Der Angriff vom 25. September

Am 25. September 1396 griffen die Kreuzfahrer an. Über die genauen Befehle und Wortwechsel berichten die Quellen unterschiedlich. Vor allem die westlichen Erzählungen suchen nach Verantwortlichen für die Katastrophe. Aus ihnen lässt sich kein lückenloses Gespräch im Kriegsrat rekonstruieren. Sicher ist dagegen, dass die französisch-burgundischen Kräfte früh vorgingen und ihre Bewegung nicht ausreichend mit dem übrigen Heer verbunden blieb.

Der erste Erfolg führte sie weiter in die osmanische Stellung hinein. Dort standen hinter vorgeschobenen Truppen weitere Verbände bereit. Hindernisse und das Gelände erschwerten es den schwer gerüsteten Angreifern, geschlossen vorzugehen. Die Reiter mussten ihre Ordnung halten, während sie unter Beschuss gerieten und auf frische Gegner trafen. Ein durchbrochener vorderer Abschnitt bedeutete deshalb noch keinen Sieg über das Heer des Sultans.

Bayezids Soldaten kämpften nicht sämtlich in derselben Weise. Neben den Fußtruppen in seiner unmittelbaren Umgebung standen Reiter aus den Provinzen. Ihre Versorgung beruhte vielfach auf zugewiesenen Steuereinkünften. Die entsprechenden Rechte waren mit der Pflicht verbunden, ausgerüstet zum Feldzug zu erscheinen. Hinzu kamen die Aufgebote abhängiger Herrscher. Diese verschiedenen Kräfte ließen sich nacheinander einsetzen, solange die Führung ihre Verbindung aufrechterhielt.

Zu Bayezids Verbündeten gehörte der serbische Fürst Stefan Lazarević. Seine christlichen Reiter kämpften auf osmanischer Seite. Die Schlacht verlief somit nicht entlang einer einfachen Grenze zwischen zwei Religionsgemeinschaften. Stefan erfüllte die Verpflichtungen seiner Herrschaft gegenüber dem Sultan. Sein Eingreifen half, den Widerstand der noch kämpfenden Kreuzfahrer zu brechen. Sigismund entkam über die Donau; viele seiner Verbündeten gerieten in Gefangenschaft.

Wer gefangen blieb

Bayezid I. in einer nach seinem Tod veröffentlichten Porträtfolge.
Bayezid I. in einer nach seinem Tod veröffentlichten Porträtfolge.

Bayezid ließ nach dem Sieg zahlreiche Gefangene töten. Die Überlieferung verbindet die Hinrichtungen auch mit den Gewalttaten der Kreuzfahrer während ihres Vormarschs. Damit ist die Tötung wehrloser Menschen beschrieben, nicht gerechtfertigt. Wie viele Opfer es gab, lässt sich aus den stark voneinander abweichenden Zahlen nicht zuverlässig bestimmen.

Einflussreiche Adlige besaßen bessere Überlebenschancen, weil ihre Familien hohe Lösegelder aufbringen konnten. Johann von Nevers kehrte erst nach Verhandlungen zurück. Rang und Vermögen wirkten damit bis in die Gefangenschaft hinein. Die Aussicht auf ein hohes Lösegeld konnte einen Gefangenen vor der Hinrichtung bewahren.

Nikopolis blieb in osmanischer Hand, und der Sieg festigte Bayezids Stellung an der unteren Donau. Ungarn konnte den verlorenen Feldzug nicht rasch durch einen neuen ersetzen. Die erhoffte Entlastung Konstantinopels blieb aus; die Stadt musste weiter mit einer Blockade rechnen.


Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Douglas A. Howard: A History of the Ottoman Empire*. Cambridge University Press, 2017. Ordnet Bayezids Feldzüge in die Ausdehnung der frühen osmanischen Herrschaft ein.

Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches*. C.H.Beck, 2000. Erklärt die Organisation des Heeres und die Bedeutung der Besitzungen auf dem Balkan.

Bildnachweis

Titelbild: Die Schlacht bei Nikopolis in einer späteren Darstellung. Urheber unbekannt; Wikimedia Commons; gemeinfrei.

Abbildung: König Sigismund von Luxemburg. Possibly Pisanello; Wikimedia Commons; gemeinfrei.

Abbildung: Bayezid I. in einer nach seinem Tod veröffentlichten Porträtfolge. Giovio, Paolo, 1483-1552; Wikimedia Commons; gemeinfrei.

Schreibe einen Kommentar