Auf der Halbinsel Karaburun bei İzmir scheiterten 1416 zunächst osmanische Truppen am Widerstand der Anhänger Börklüce Mustafas. So berichtet der griechische Geschichtsschreiber Dukas. Erst ein stärkeres Heer unter dem Großwesir Bayezid Pascha und Mehmeds jungem Sohn Murad, dem späteren Sultan Murad II., bezwang die Bewegung. Sultan Mehmed I. hatte den Krieg gegen seine Brüder gewonnen, doch seine Regierung stieß nun auf Gegner, deren Ansehen nicht allein aus einer Zugehörigkeit zur Dynastie stammte.
Eine Ordnung mit Verlierern
Der Bruderkrieg hatte zahlreiche Ansprüche auf Einkünfte und Ämter geschaffen. Wer einem unterlegenen Prinzen gedient hatte, konnte unter dem Sieger seine Stellung verlieren. Neue Entscheidungen über Abgaben berührten zugleich die Menschen, die sie entrichten mussten. Die Wiedervereinigung des Reiches bedeutete deshalb nicht für alle Beteiligten die Rückkehr zu einer erwünschten Ordnung.
Religiöse Gemeinschaften boten andere Formen der Zugehörigkeit. Ein Scheich konnte Schüler an sich binden, die seiner geistlichen Anleitung folgten. Derwische, also Angehörige muslimischer mystischer Traditionen, waren in Anatolien und auf dem Balkan vielfach präsent. Ihre Konvente beherbergten Reisende; ihre Beziehungen reichten über den unmittelbaren Wohnort hinaus. Die Sultane unterstützten viele dieser Einrichtungen durch Stiftungen. Eine religiöse Gefolgschaft stand daher nicht grundsätzlich außerhalb der osmanischen Gesellschaft.
Gerade ihre Reichweite konnte sie jedoch politisch gefährlich machen. Wenn ein anerkannter Lehrer die bestehende Herrschaft verwarf oder mit einem besiegten Hof verbunden war, besaß er bereits Menschen, die ihm vertrauten. Religiöse Autorität ließ sich dann nicht sauber von Streit über Besitz und Regierung trennen.
Börklüce und die Erzählung des Dukas
Dukas schreibt Börklüce eine Lehre zu, die das Teilen von Besitz und die Gemeinschaft zwischen Muslimen und Christen betonte. Seine Darstellung ist der wichtigste Zugang zu dieser Seite der Bewegung. Sie entstand allerdings erst nach den Ereignissen und enthält deutliche religiöse Erzählmuster. Der Historiker Douglas Howard zeigt, wie Dukas den Aufstand mit Anklängen an christliche Überlieferungen beschreibt.
Dukas schildert Börklüces Ziele aus der Sicht eines christlichen Autors. Seine religiösen Erzählmuster erschweren es, die Lehre des Anführers von ihrer späteren Ausgestaltung zu trennen. Eine ausgearbeitete Wirtschaftsordnung lässt sich aus diesem Bericht ebenso wenig erschließen wie eine Organisation nach Art einer modernen Partei.
Auf Karaburun begünstigte das Gelände zunächst die Verteidiger. Die Halbinsel war durch begrenzte Zugänge erreichbar. Nach Dukas wurden die ersten Angreifer zurückgeschlagen, bevor die Regierung ein stärkeres Aufgebot entsandte. Der Widerstand war damit ernst genug, um den Einsatz führender Männer des Reiches auszulösen. Die Beteiligung des Prinzen Murad verband die Unterdrückung zudem unmittelbar mit der Dynastie.
Die Niederschlagung war äußerst gewaltsam. Dukas berichtet von der Tötung zahlreicher Menschen und von Börklüces öffentlicher Hinrichtung in Ayasoluk, dem heutigen Selçuk. Andere Überlieferungen beschreiben Einzelheiten anders. Übereinstimmend bleibt, dass die Regierung den Anführer beseitigte und gegen seine Anhänger vorging. Die genaue Inszenierung seines Todes lässt sich nicht mit derselben Sicherheit bestimmen wie das Ende des Aufstands.
Bedreddin war bereits Teil der Regierung gewesen

Scheich Bedreddin besaß eine andere Laufbahn. Er war ein gelehrter Jurist und hatte dem Prinzen Musa als Kazasker gedient, als oberster Richter des Heeres. Das war ein hohes Regierungsamt. Bedreddin kann daher nicht einfach als Gegner jeder staatlichen Ordnung beschrieben werden. Er hatte selbst an einer osmanischen Herrschaft mitgewirkt, die Mehmed 1413 beseitigte.
Nach Musas Niederlage lebte Bedreddin in İznik unter eingeschränkten Bedingungen. Später gelangte er in den westlichen Schwarzmeerraum und auf den Balkan. Dort sammelten sich Anhänger um ihn. Quellen, die der siegreichen Dynastie nahestanden, verbanden diese Bewegung mit Männern, die unter Musa Vorteile erhalten hatten. Nach dieser Deutung verteidigten Bedreddins Unterstützer zugleich verlorene politische und wirtschaftliche Ansprüche.
Sein Enkel schilderte die Ereignisse dagegen in einer Heiligenbiographie als Folge von Missverständnissen. In dieser Darstellung erschien Bedreddin als frommer Gelehrter, dessen Absichten die Regierung falsch ausgelegt habe. Auch diese Entlastung verfolgt ein erkennbares Interesse. Sie bewahrt das Ansehen des Vorfahren und deutet sein Handeln aus der Sicht seiner Verehrer.
Zwei Bewegungen, mehrere Überlieferungen
Die osmanische Chronik Aşıkpaşazades stellt eine enge Verbindung zwischen Bedreddin und Börklüce her. Sie behandelt ihre religiösen Ansprüche als Vorwand für politischen Ehrgeiz. Dukas setzt andere Schwerpunkte; Bedreddins Familienüberlieferung wiederum verteidigt den Scheich. Aus diesen Texten lässt sich nicht ohne Weiteres eine zentral gelenkte Erhebung mit einem gemeinsamen Befehlsplan zusammensetzen.

Die Berichte verweisen auf Überschneidungen zwischen religiösen Netzwerken und den Gefolgschaften ehemaliger Herrscher. Wer wem konkrete Anweisungen gab, bleibt dagegen unsicher. Die von Aşıkpaşazade behauptete gemeinsame Führung gehört zu seiner Erklärung der Aufstände und ist durch die anderen Berichte nicht unabhängig bestätigt.
Bedreddin wurde gefangen genommen und in Serres hingerichtet. Die Datierung seines Todes ist in der Forschung umstritten; häufig wird 1416 genannt, daneben 1420. Seine gelehrten Schriften blieben erhalten und wurden weiterhin gelesen. Gerade diese Fortwirkung lässt sich nicht auf die Niederlage einer bewaffneten Gruppe reduzieren. Der Staat hatte den möglichen Gegenherrn beseitigt, aber nicht die Erinnerung an einen Lehrer, auf dessen Namen sich unterschiedliche Anhänger berufen konnten.
Zum Weiterlesen
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Douglas A. Howard: A History of the Ottoman Empire*. Cambridge University Press, 2017. Vergleicht die gegensätzlichen Erzählungen über Börklüce und Bedreddin ausführlich.
Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches*. C.H.Beck, 2000. Beschreibt die Stellung der Derwische in der frühen osmanischen Gesellschaft.
Bildnachweis
Titelbild: Die Halbinsel Karaburun bei İzmir, ein Schauplatz des Aufstands von 1416. Rifat Özgüder; Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0.
Abbildung: Die heutige Grabstätte Scheich Bedreddins in Istanbul. Sureta; Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0.
Abbildung: Karte der mit Bedreddin und seinen Anhängern verbundenen Bewegungen. باسم; Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0.



