König Władysław von Polen und Ungarn fiel am 10. November 1444 vor Varna am Schwarzen Meer. Sein Angriff auf die Stellung Sultan Murads II. scheiterte, obwohl andere Teile des Kreuzfahrerheeres zuvor erfolgreich gekämpft hatten. Der Tod des Königs verwandelte die noch offene Schlacht in eine Niederlage. Wenige Monate zuvor hatten Verhandlungen einen längeren Waffenstillstand versprochen. Doch die Gegner Murads hatten den Krieg noch im selben Jahr wieder aufgenommen.
Hunyadis Vorstoß im Herbst 1443

Der ungarische Heerführer Johann Hunyadi hatte bereits Erfahrung im Kampf gegen osmanische Verbände gesammelt. Er gehörte zu den mächtigsten Männern im Königreich und konnte erhebliche eigene Mittel mobilisieren. Gemeinsam mit Władysław und dem serbischen Herrscher Đurađ Branković führte er im Herbst 1443 ein Heer südlich der Donau gegen Murads Besitzungen.
Für Branković ging es um die Wiederherstellung seiner serbischen Herrschaft. Osmanische Eroberungen hatten seine Stellung schwer getroffen. Für Ungarn stand die Sicherung der südlichen Grenze im Vordergrund. Der Kreuzzug verband diese unmittelbaren Interessen mit der päpstlich unterstützten Aussicht, die osmanische Macht auf dem Balkan grundsätzlich zurückzudrängen.
Murad musste gleichzeitig auf Entwicklungen in Anatolien achten. Das Fürstentum Karaman bedrohte seine Stellung von Osten. Die Gegner des Sultans versuchten, seine Kräfte auf verschiedenen Schauplätzen zu binden. Ein Heer, das bereits gegen einen anatolischen Nachbarn eingesetzt war, stand nicht ohne Weiteres für die Verteidigung der Balkanpässe bereit. Die Koordination solcher Angriffe konnte deshalb wichtiger sein als ein zahlenmäßiges Übergewicht an einem einzigen Ort.
Ein Feldzug wird zum Winterkrieg
Hunyadis Heer kam zunächst voran. Die osmanischen Truppen konnten den Angriff nicht sofort mit einem geschlossenen Aufgebot abfangen. Murads Regierung musste weitere Soldaten zusammenrufen. Die zuständigen Richter erhielten dabei organisatorische Aufgaben; die Mobilisierung griff über die unmittelbar verfügbaren Truppen des Hofes hinaus. Neue Kämpfer sollten durch die Aussicht auf Einkünfte oder eine militärische Stellung gewonnen werden.
Der Vormarsch der Kreuzfahrer führte jedoch in schwieriges Gelände und in eine ungünstige Jahreszeit. Die Wege über das Balkangebirge wurden im Winter schwer passierbar. Ein Heer brauchte täglich Lebensmittel und Futter, auch wenn Schnee oder Widerstand seinen Marsch verzögerten. Vorräte in den Orten entlang der Route erhielten damit eine Bedeutung, die weit über deren Größe hinausging.
Murad ließ beim Rückzug Versorgungsgüter vernichten und setzte auch Sofia in Brand. Die Maßnahme sollte dem Gegner die Nutzung der Stadt und ihres Umlands erschweren. Sie traf zugleich die eigenen Untertanen. Häuser und Vorräte, die zur Verteidigung geopfert wurden, standen den Bewohnern nach dem Abzug der Heere nicht wieder zur Verfügung.
Im Dezember 1443 gelang es den Osmanen, den weiteren Vormarsch am Pass von Zlatica aufzuhalten. Der Rückzug des gegnerischen Heeres brachte ihnen trotzdem keinen ungebrochenen Erfolg. Verfolgungsgefechte verursachten weitere Verluste; ein bedeutender osmanischer Befehlshaber geriet in Gefangenschaft. Auch Hunyadis Männer litten beim Rückmarsch. Beide Seiten hatten Gründe, nach einer Unterbrechung des Krieges zu suchen.
Verhandlungen statt einer einfachen Friedensgeschichte
Im Sommer 1444 handelten Gesandte Bedingungen für einen längeren Waffenstillstand aus. Die Wiederherstellung der serbischen Herrschaft war dabei für Branković besonders wichtig. Er konnte durch eine Vereinbarung unmittelbar gewinnen, was ein weiterer unsicherer Feldzug vielleicht erst nach großen Opfern gebracht hätte. Murad wiederum erhielt die Aussicht, die Lage auf dem Balkan zu beruhigen.
Die Abfolge von Zusagen, Eiden und Bestätigungen ist in der Forschung umstritten. Deshalb führt die häufig erzählte Geschichte eines einzigen klaren Vertrags, den anschließend sämtliche Beteiligten gemeinsam brachen, in die Irre. Die Verhandlungen betrafen unterschiedliche Partner. Nicht jeder verfolgte nach einer Einigung dieselben Absichten.
Für die Fortsetzung des Kreuzzugs trat besonders Giuliano Cesarini, der als Legat den Papst vertrat ein. Die religiöse Rechtfertigung konnte Zusagen gegenüber dem muslimischen Sultan in Frage stellen. Gleichzeitig erwarteten die Befürworter des Krieges Unterstützung auf See. Wenn eine christliche Flotte die Meerengen sperrte, so ihre Hoffnung, ließen sich osmanische Kräfte aus Anatolien vom europäischen Kriegsschauplatz fernhalten.
Branković beteiligte sich an dem neuen Vorstoß nicht. Er hatte einen wesentlichen Teil seiner Ziele durch die Verhandlungen erreicht und wollte das Ergebnis nicht wieder aufs Spiel setzen. Der Kreuzzug begann somit unter anderen politischen Bedingungen als der Feldzug des Vorjahrs. Die Einigung mit einem Gegner Murads hatte das Bündnis seiner übrigen Gegner geschwächt.
Murad gibt den Thron ab
Der Sultan zog sich 1444 zugunsten seines jungen Sohnes Mehmed zurück. Murads Beweggründe lassen sich nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren. Die Belastung durch die Kriege und der Verlust eines älteren Sohnes spielten in den zeitnahen Erzählungen eine wichtige Rolle. Die Regierung eines noch sehr jungen Herrschers schien seinen Gegnern jedenfalls eine günstige Gelegenheit zu bieten.
Mehmed konnte sich auf erfahrene Amtsträger stützen. Dennoch war seine persönliche Autorität im Heer nicht mit der seines Vaters vergleichbar. Ein Sultan musste auf dem Feldzug zwischen Befehlshabern entscheiden und im Fall einer Niederlage neue Truppen verlangen können. Die Anerkennung eines Kindes am Hof stellte dafür noch keine ausreichende Sicherheit dar.
Der neue Angriff löste in Edirne umfangreiche Verteidigungsmaßnahmen aus. Die Regierung bereitete die Stadt auf einen möglichen Vorstoß vor und rief Truppen zusammen. Zugleich drängten führende Männer darauf, Murad zurückzuholen. Er übernahm erneut das Kommando. Die Hoffnung der Angreifer, einem politisch unerfahrenen Sultan gegenüberzustehen, erfüllte sich daher nicht.
Die Meerengen bleiben offen genug

Die vorgesehene Sperrung der Meerengen gelang nicht in dem Umfang, den die Kreuzfahrer benötigten. Murad konnte Kräfte nach Europa bringen. Die Unterstützung einzelner italienischer Akteure für Überfahrten zeigt dabei erneut, wie wenig ein gemeinsames christliches Interesse die tatsächlichen Entscheidungen bestimmte. Handelsbeziehungen und örtliche Abmachungen konnten schwerer wiegen als die Ziele des Kreuzzugs.
Hunyadis Heer bewegte sich entlang der Donau und dann in Richtung Schwarzes Meer. Vor Varna geriet es in eine Lage, in der es sich dem herangekommenen osmanischen Heer stellen musste. Der erwartete Vorteil, gegen einen getrennten und geschwächten Gegner zu kämpfen, war verloren. Ein Rückzug ohne Schlacht ließ sich nun nicht mehr einfach als sichere Alternative organisieren.
Der Angriff auf Murads Zentrum
Die Schlacht verlief zunächst wechselhaft. Osmanische Flügel gerieten unter schweren Druck. Hunyadi griff an verschiedenen Stellen ein, während Murad mit den Truppen seines unmittelbaren Umfelds das Zentrum hielt. Ein Erfolg gegen einen Flügel bedeutete noch nicht, dass auch diese Stellung zusammengebrochen war.
Władysław führte schließlich einen Angriff gegen den Bereich des Sultans. Dabei wurde er getötet. Über seinen Entschluss berichten die Quellen mit dem Wissen um die spätere Niederlage. Sie schildern übergroßen Eifer oder die Hoffnung auf den entscheidenden Ruhm. Solche Erklärungen ersetzen keinen sicheren Zugang zu den Gedanken des Königs. Fest steht die militärische Folge: Der Angriff beseitigte Murads Führung nicht, kostete aber die Angreifer ihre eigene königliche Spitze.
Hunyadi konnte das Heer anschließend nicht mehr geschlossen zum Sieg führen. Teile wichen zurück, andere wurden überwältigt. Auch Cesarini kam auf der Flucht ums Leben. Die Verluste lassen sich nicht zuverlässig in eine einzige genaue Zahl fassen. Der Tod des Königs und die Auflösung des Feldheeres sind wesentlich besser belegt als die großen Zahlen späterer Darstellungen.
Ein Sieg löst die Finanzprobleme nicht
Murad hatte die unmittelbare Bedrohung abgewehrt. Dennoch blieb die osmanische Regierung durch die Kriegsjahre belastet. Die Mobilisierung kostete Geld, und die Soldaten des Hofes erwarteten regelmäßige Zahlungen. Im September 1445, nach der Schlacht, verschärfte ein großer Brand in Edirne die Lage zusätzlich. Der Sieg vor Varna hatte diese Belastungen nicht aufgehoben.
Murad zog sich zunächst wieder zurück, doch die Herrschaft seines Sohnes blieb unsicher. Die Unzufriedenheit der Janitscharen über ihre Bezahlung trug 1446 dazu bei, Murad erneut an die Spitze zu bringen.
Zum Weiterlesen
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Douglas A. Howard: A History of the Ottoman Empire*. Cambridge University Press, 2017. Rekonstruiert den Feldzug von 1443 und die politischen Belastungen um Varna aus osmanischen Überlieferungen.
Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches*. C.H.Beck, 2000. Erläutert die militärische Organisation und die Rahmenbedingungen der Expansion auf dem Balkan.
Bildnachweis
Titelbild: Die Schlacht bei Varna in der Darstellung Jan Matejkos. Jan Matejko; Wikimedia Commons; gemeinfrei.
Abbildung: Władysław, König von Polen und Ungarn, in einem späteren Porträt. Konrad Krzyżanowski; Wikimedia Commons; gemeinfrei.
Abbildung: Johann Hunyadi in einer spätmittelalterlichen Chronikdarstellung. Johannes de Thurocz; Wikimedia Commons; gemeinfrei.




