Der Felsendom wurde zwischen 687 und 691 im Auftrag des umayyadischen Kalifen ʿAbd al-Malik ibn Marwān errichtet. Über die Bauarbeiten selbst ist nichts überliefert. Die Gründe für die Errichtung nennen erst lokalgeschichtliche Texte des 10. und 11. Jahrhunderts. Sie berichten, dass der Bau den Muslimen Schutz bot, wenn sie sich auf dem Tempelberg aufhielten. Zugleich entstand ein monumentaler Kuppelbau an einem Ort, der bereits seit Jahrhunderten als heiliger Ort verehrt wurde.
Während der Bauzeit stand Mekka unter der Kontrolle eines rivalisierenden Kalifen. In dieser Situation rückte Jerusalem für Muslime aus Syrien und Palästina ins Zentrum religiöser Praxis. Am Felsendom fanden Gebete, Schwüre und Festhandlungen statt. Überlieferungen berichten von Umgängen um den Bau und von Opferhandlungen an hohen Feiertagen. Der Bau diente damit als Ort ritueller Handlungen innerhalb des frühen islamischen Herrschaftsraums.
Der Ort vor der Errichtung des Baus
Der Felsen im Zentrum des späteren Baus galt bereits lange vor der islamischen Zeit als heiliger Ort. In jüdischen Überlieferungen wurde er mit dem Jerusalemer Tempel verbunden. Man verortete hier das Allerheiligste, den Opferkult und zentrale Ereignisse der Tempelgeschichte. Diese Vorstellungen überdauerten die Zerstörung des Tempels im Jahr 70.
Nach der muslimischen Eroberung Jerusalems im Jahr 638 blieb der Felsen offen zugänglich. Frühislamische Berichte sprechen von Reinigungsarbeiten auf dem Tempelberg und von Gebetsplätzen in unmittelbarer Nähe des Felsens. Der Ort wurde als Gebetsstätte genutzt, bevor ein monumentaler Bau errichtet wurde.
Der Bau inmitten der Heiligtümer Jerusalems
Mit der Errichtung des Felsendoms erhielt der Ort eine feste architektonische Form. Ein oktogonaler Kuppelbau wurde um den Felsen herum errichtet und stellte ihn in den Mittelpunkt der Anlage. Der Bau umschloss den Felsen in seiner natürlichen Form und gab ihm eine monumentale architektonische Hülle.
Umlaufende Inschriften aus Koranzitaten benennen Gott als alleinigen Herrscher und Mohammed als Gesandten. Jesus erscheint in diesen Texten als von Gott gesandter Prophet. Die Inschriften gehören zu den frühesten monumentalen Zeugnissen des Korans.
Der Bau steht in unmittelbarer Nähe zu christlichen Kirchen und zu Orten jüdischer Erinnerung in Jerusalem. Er trat als sichtbares Zeichen islamischen Glaubens neben bestehende Heiligtümer und überbaute einen Ort, der bereits seit Jahrhunderten für rituelle Handlungen genutzt wurde.
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Annette Großbongardt (2009): Jerusalem: Die Geschichte einer heiligen Stadt – Ein SPIEGEL-Buch*
Bildnachweis
Eigene Aufnahme.

