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Die Wikingerschiffe von Roskilde

Im Museum in Roskilde, am Ufer des Fjords westlich von Kopenhagen, liegen Schiffe, die einst über Nord- und Ostsee segelten. 1962 bargen Archäologen fünf Schiffe aus einer Engstelle des Roskilde-Fjords. Sie waren um 1070 absichtlich versenkt worden, um die Zufahrt zur Stadt gegen Angriffe vom Meer zu sperren. Der tonige Grund hatte die Reste über Jahrhunderte bewahrt. Für die Forschung war es ein Glücksfall: Plötzlich lag eine kleine Flotte vor Augen, die vom Kriegszug bis zum Handelseinsatz fast alle Facetten der Seefahrt abdeckte.

Um das Alter und die Herkunft des Holzes zu bestimmen, nutzten die Forscher die Dendrochronologie. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern dendron (Baum) und chronos (Zeit) zusammen. Bäume einer Region entwickeln zur gleichen Zeit ähnliche Jahresringmuster. Werden diese in Datenbanken gespeichert, lassen sich neue Funde durch den Abgleich recht genau datieren. So konnten die Roskilde-Schiffe in die Jahre um 1070 eingeordnet werden.

Wenige Jahre nach der Bergung entstand ein eigenes Haus für die Funde. 1969 öffnete das Wikingerschiffsmuseum seine Türen und machte die Skuldelev-Schiffe zum Mittelpunkt einer Ausstellung, die bald weit über Dänemark hinaus Aufmerksamkeit erhielt.

Schiffstypen und Bauweise

Die Verarbeitung des Kielschweins ist von hoher Qualität und deutet auf Reichtum des Schiffbesitzers hin

Das bekannteste der fünf Schiffe war ein Langschiff – lang und schmal, mit Platz für zahlreiche Ruderer. Es war für schnelle Fahrten und Kriegszüge bestimmt und konnte selbst flache Mündungen befahren. Ein anderes war ein Handelsschiff mit bauchigem Rumpf, geeignet für Getreide, Holz oder Wolle. Daneben fanden sich kleinere Fahrzeuge für Küstenfahrten und Transporte über kürzere Strecken.

Die Rümpfe wurden aus Eichenplanken gefertigt, die mit eisernen Nieten verbunden waren. Dabei nutzte man zwei verschiedene Techniken: „skoer“, bei der die Planken dachziegelartig überlappten, und „fellisud“, bei der sie bündig aneinandergefügt eine glatte Oberfläche bildeten. Abgedichtet wurden die Fugen mit Kuhhaaren oder Wolle, die mit Teer oder Pech bestrichen waren. Diese Kombination machte die Schiffe zugleich flexibel und widerstandsfähig. Als Segelmaterial ist vor allem Wolle archäologisch nachweisbar, auch wenn einzelne Funde auf den Einsatz von Leinen hinweisen.

Weitere Funde

In den 1990er Jahren brachten Grabungen beim Ausbau der Museumswerft neun weitere Wracks ans Licht. Diese sogenannten Roskilde-Schiffe stammen überwiegend aus der Zeit nach der Wikingerzeit, zwischen 1060 und 1350. Unter ihnen befindet sich jedoch auch Roskilde 6, um 1025 gebaut und mit 37 Metern Länge das größte bekannte Wikingerschiff.

Rekonstruktionen und Forschung

Das Museum zeigt nicht nur konservierte Reste, sondern setzt auf lebendige Vermittlung. Auf der Museumsinsel im Fjord arbeiten Handwerker mit Werkzeugen und Methoden der Wikingerzeit. Mehr als 40 Nachbauten und historische Boote gehören inzwischen zur Sammlung. Manche von ihnen gehen regelmäßig auf Fahrt, über die Ostsee oder hinaus in den Nordatlantik. Damit wird nicht nur Geschichte anschaulich, sondern auch Wissen über Seetüchtigkeit, Handwerk und Alltag der Wikinger praktisch überprüft.

Bedeutung

Das Wikingerschiffsmuseum von Roskilde ist Ausstellungsort, Werkstatt und Forschungszentrum zugleich. Es verbindet Archäologie mit Erfahrung auf dem Wasser – und zeigt, dass das Meer für die Menschen des Nordens weniger Grenze war als vielmehr eine offene Straße.


Zum Weiterlesen

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Gareth Williams (2014): The Viking Ship.*

Bildnachweis

Alles eigene Aufnahmen, 2007.

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