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Vom Kriegsende zum Putsch – Adolf Hitler 1918–1923

Serie: Hitler, Folge 3

Adolf Hitler kehrt Ende 1918 aus dem Lazarett nach München zurück. Die Stadt hat sich grundlegend verändert. Der Krieg ist verloren und die Monarchie gestürzt. In vielen Bereichen ist staatliche Autorität geschwächt. Arbeiter und Soldatenräte übernehmen zeitweise zentrale Funktionen in Betrieben, Kasernen und Verwaltungen. Das öffentliche Leben ist politisiert. Kundgebungen und bewaffnete Präsenz gehören zum Alltag. Unterschiedliche politische Lager treten offen gegeneinander an.

Hitler bleibt zunächst Angehöriger der Reichswehr. Sie zählt zu den wenigen Institutionen, die auch nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs funktionsfähig bleiben. Der militärische Alltag bietet Orientierung in einer unsicheren Situation. In diesem Rahmen beginnt sein Weg in die Politik.

Reichswehr, Unterrichtung und Beobachtung

Die Reichswehr vermittelt ausgewählten Soldaten politische Inhalte, um revolutionären Strömungen entgegenzuwirken. Dabei geht es um die Ablehnung der Revolution, um nationalistische Erklärungen für die Niederlage und um Feindbilder gegenüber Sozialisten und Kommunisten. Hitler nimmt 1919 an entsprechenden Unterrichtungen teil. Zugleich wird er damit beauftragt, politische Gruppen zu beobachten.

In dieser Funktion besucht Hitler Versammlungen unterschiedlicher Parteien und Vereinigungen. Er hört Rednern zu, verfolgt Diskussionen über Kriegsschuld, Republik und Revolution und berichtet über Zustimmung, Ablehnung und Konflikte im Saal. Wirtshäuser und Versammlungslokale werden zu den Orten, an denen er politische Auseinandersetzungen aus nächster Nähe erlebt.

Die Deutsche Arbeiterpartei

Im September 1919 besucht Hitler eine Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei. Die Gruppe ist klein, der Rahmen überschaubar. Als einem Redner widersprochen wird, ergreift Hitler das Wort. Seine Rede fällt auf. Kurz darauf tritt er der Partei bei.

Mit dem Eintritt beginnt eine Phase intensiver Aktivität. Hitler spricht regelmäßig auf Versammlungen, wirbt Mitglieder und gewinnt Einfluss. Die Zuhörerschaft wächst. Er etabliert sich als Redner, der Zuspruch mobilisiert und einfache politische Botschaften klar zuspitzt.

Partei, Öffentlichkeit und Gewalt

1920 benennt sich die Partei in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei um. Ein Parteiprogramm wird verabschiedet. Fahnen, Abzeichen und feste Formen des Auftretens geben der Bewegung ein einheitliches Erscheinungsbild. Versammlungen, Gegendemonstrationen und tätliche Auseinandersetzungen prägen das politische Klima.

Im Juli 1921 übernimmt Hitler den Parteivorsitz. In einer internen Krise fordert er als Bedingung für seine Rückkehr weitreichende Führungsbefugnisse, die von der Mitgliederversammlung bestätigt werden. Er bestimmt fortan Inhalte, Vorgehen und öffentliche Darstellung der Partei. Parteieigene Ordnertrupps sichern Veranstaltungen und treten zunehmend offensiv auf. Ab 1921 gehen diese Gruppen in der Sturmabteilung (SA) auf, die zunächst als Saalschutz fungiert, sich jedoch rasch zu einer straff organisierten und gewalttätigen Parteimiliz entwickelt.

Der Weg zum Umsturz

Der Kapp-Putsch im März 1920:
Der gescheiterte Umsturzversuch nationalistischer Kräfte zeigt früh die Grenzen von Staatsstreichen ohne verlässliche Unterstützung.

1923 versucht Hitler einen Umsturz herbeizuführen. Er plant Bayern als Ausgangsbasis, von der aus ein Marsch auf Berlin folgen soll. Als Vorbild dient ihm der Marsch auf Rom, mit dem Benito Mussolini im Jahr 1922 in Italien die Macht übernommen hatte. Hitler rechnet mit Unterstützung aus konservativen Parteien, Teilen der Verwaltung und der militärischen Führung.

Am Abend des 8. November 1923 erklärt Hitler in einem Bierkeller die nationale Revolution für eröffnet. Am folgenden Tag scheitert der Marsch durch die Innenstadt. Die Polizei eröffnet das Feuer. Der Umsturzversuch bricht zusammen, nachdem die bayerische Staatsregierung und die militärische Führung ihre Unterstützung verweigern und sich Reichswehr und Polizei eindeutig gegen den Putsch positionieren.

Prozess und politische Folgen

Hitler wird verhaftet und vor Gericht gestellt. Der Prozess verschafft ihm weit über Bayern hinaus Bekanntheit. Er nutzt den Gerichtssaal als Bühne, um seine Ansichten öffentlich darzulegen. Die Urteile fallen vergleichsweise milde aus.

Die Folgen reichen über Hitlers Person hinaus. Bei der Landtagswahl im April 1924 erzielen nationalistische und völkische Gruppierungen deutliche Erfolge. Der Völkische Block, ein Zusammenschluss der nach dem Verbot der NSDAP verbliebenen Kräfte, zieht mit mehr als 17 Prozent der Stimmen in den bayerischen Landtag ein. Für die demokratischen Parteien wird die Wahl zu einem schweren Rückschlag.

Mit dem gescheiterten Umsturz endet die erste Phase der nationalsozialistischen Bewegung. Die Partei ist verboten, ihre Führung inhaftiert oder politisch isoliert. Zugleich ist Hitler nun landesweit bekannt.


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Bildnachweis

Titel: Kapp-Putsch, München. Bundesarchiv, Bild 146-1973-026-43 / CC-BY-SA 3.0

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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