Was trieb einen Genueser Handwerkersohn dazu, mit drei Schiffen ins offene Meer zu stechen, obwohl niemand wusste, was dort wartete? Als Christoph Columbus im Oktober 1492 auf einer Insel landete, die er für einen Vorposten Asiens hielt, ahnte er nicht, dass er Europa den Blick auf einen zuvor unbekannten Kontinent öffnen würde.
Aufbruch ins Ungewisse

Columbus entstammte einer Weberfamilie und hatte Ambitionen auf einen gesellschaftlichen Aufstieg. Als Seefahrer bereiste er das Mittelmeer und die westafrikanische Küste, möglicherweise auch Nordeuropa. Dabei reifte seine Überzeugung, Asien sei über den Atlantik erreichbar.
Die Gelehrten seiner Zeit wussten längst, dass die Erde rund war. Strittig blieb nur die Größe der Ozeane. Columbus hielt den Atlantik für deutlich schmaler, als er tatsächlich war. Diese Fehleinschätzung machte sein Vorhaben überhaupt erst denkbar und für die Krone finanzierbar.
Nach Jahren erfolgloser Werbung um Unterstützung fanden sich schließlich Geldgeber. Nachdem Ferdinand und Isabella von Kastilien im Januar 1492 mit der Einnahme Granadas die Reconquista abgeschlossen hatten, erklärten sie sich bereit, das Vorhaben zu fördern. Ein Konsortium aus Hofbeamten und Kaufleuten stellte zusätzlich die nötigen Mittel bereit. Im April desselben Jahres wurde der Vertrag unterzeichnet, der Columbus drei Schiffe verschaffte.

Die Überfahrt
Am 3. August 1492 brachen drei Schiffe von Palos de la Frontera auf. Wochenlang hielten sie Westkurs. Am 12. Oktober sichteten sie Land: eine Insel der Bahamas, die Columbus San Salvador nannte.
Das überlieferte Bordbuch schildert die ersten Kontakte mit den dort lebenden Taíno. Columbus beschrieb sie als friedfertig und hilfsbereit. Zugleich notierte er, sie ließen sich wohl leicht zum Christentum bekehren und unterwerfen. Bereits am ersten Tag verknüpfte er die Entdeckung mit Vorstellungen von Herrschaft.
Begegnungen zweier Welten
Columbus suchte Gold, Gewürze und den Seeweg nach Asien. Stattdessen fand er eine ihm völlig fremde Inselwelt. Seine Wahrnehmung blieb von Erwartungen bestimmt: Was er sah, deutete er so, dass es zu seinen Vorstellungen passte.
Die Taíno ihrerseits begegneten den Fremden mit Neugier. Eisenwerkzeuge und große Schiffe mochten ihnen als Zeichen besonderer Macht erscheinen. Die Begegnung verlief zunächst friedlich, doch die Machtverhältnisse waren von Anfang an ungleich verteilt.
Rückkehr und Folgen
Im Frühjahr 1493 kehrte Columbus nach Spanien zurück. Er brachte Goldstücke, exotische Pflanzen und einige Taíno mit. Sein Bericht weckte enormes Interesse und führte rasch zu weiteren Expeditionen.
Columbus hatte zwar Asien nicht erreicht, doch öffnete er Europa den Zugang zu einer bis dahin unbekannten Welt. Für deren Bewohner begann eine Zeit tiefgreifender Umwälzungen, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind. Die Fahrt von vierzehnhundert zweiundneunzig war erst der Anfang, denn in den folgenden Jahren unternahm Columbus noch mehrere Reisen über den Atlantik.

Zum Weiterlesen
- Felipe Fernández-Armesto: Columbus on Himself (2010).*
- John H. Elliott: Empires of the Atlantic World (2006) – Überblick über die atlantische Welt Spaniens und Englands ab 1492.*
- Stefan Rinke (Hrsg.): Das Bordbuch des Kolumbus (2025).*
Bildnachweis
Titel: Columbus Taking Possession, Gemälde zu Bildungszwecken von L. Prang & Co., Boston, 1893.
Alle Bilder gemeinfrei.

