Im Sommer 1934 führte Ernst Röhm eine paramilitärische Massenorganisation von gewaltigem Ausmaß an. Während die Reichswehr durch den Versailler Vertrag auf 100.000 Mann begrenzt blieb, schwoll die Sturmabteilung (SA) nach der Machtübernahme massiv an. Durch den Zustrom aus ehemaligen Wehrverbänden wie dem „Stahlhelm“1 erreichte sie eine Stärke von rund vier Millionen Mitgliedern. Diese schiere Masse erzeugte einen enormen politischen Druck auf die Führung des Staates.
Röhms Vision einer neuen Militärordnung

An der Spitze dieser Millionenbewegung stand mit Ernst Röhm ein Mann, der die SA zum Kern einer neuen Militärordnung machen wollte. Sein Ziel war ein Volksheer: eine politisierte Armee, in der die bürgerliche Offizierskaste der Reichswehr durch loyale Nationalsozialisten ersetzt werden sollte. Viele SA-Führer forderten nach der Regierungsbildung einen radikalen sozialen Umbau und die sofortige Besetzung staatlicher Posten durch ihre eigenen Leute. Der Alltag der SA-Männer blieb geprägt von gewaltsamen Übergriffen und dem offenen Drang, das bestehende Gewaltmonopol zu zerschlagen.
Die Generäle der Reichswehr beobachteten diese Forderungen mit wachsender Erbitterung. Als Berufssoldaten mit tief verwurzeltem Traditionsbewusstsein lehnten sie jede Aufweichung ihres Waffenmonopols durch die sogenannten „braunen Bataillone“ strikt ab. Für Adolf Hitler entstand daraus eine Zwangslage: Er war auf die Expertise der Armee für seine späteren Eroberungspläne angewiesen. Er musste die radikale Basis seiner eigenen Bewegung zähmen, um die Unterstützung der militärischen Führung zu sichern.
Der Aufstieg von SS und Polizeiapparat
Zwischen den Fronten von Parteiarmee und Berufsmilitär positionierte sich die Schutzstaffel (SS) unter Heinrich Himmler als dritter Akteur. Ursprünglich eine kleine Unterorganisation der SA, entwickelte sie sich durch strikte Disziplin zum Gegenentwurf der unberechenbaren SA-Verbände. Während die SA-Führer auf den Umsturz der bestehenden Verhältnisse drängten, empfahl sich die SS als kühles, absolut loyales Exekutivorgan. Hitler erkannte in der SS ein Werkzeug, mit dem er die SA-Führung gewaltsam ausschalten und gleichzeitig die Generäle beruhigen konnte.
Parallel dazu trieb Hermann Göring die Entmachtung staatlicher Kontrollinstanzen voran. Am 30. Januar 1933 zum kommissarischen preußischen Innenminister ernannt, brachte er die größte Landespolizei unter nationalsozialistische Kontrolle. Indem er Angehörige von SA und SS zu Hilfspolizisten erklärte, erhob er den Parteiterror in den Rang staatlicher Exekutive. Diese geschaffene Willkürherrschaft drängte die Reichswehr in die Defensive, da nun auch Behörden offen nach den Parolen der NSDAP agierten.
Die Ausschaltung der SA-Führung
Bis zum Frühjahr 1934 steuerte der Konflikt zwischen Röhm und der Reichswehrführung auf eine gewaltsame Entladung zu. Hitler entschied sich schließlich, seine alte Kampfformation zu opfern, um den Militärapparat für seine Kriegsziele zu gewinnen. Nur die Reichswehr besaß die schwere Bewaffnung und das organisatorische Wissen, das er für einen künftigen Angriffskrieg benötigte.
Um die Unterstützung der Generäle endgültig zu sichern, befahl Hitler im Sommer 1934 die Ermordung der SA-Spitze. Die Erschießung Röhms und seiner Vertrauten – ausgeführt von der SS mit logistischer Hilfe der Reichswehr – beendete die Erwartung an einen sozialen Radikalumbau innerhalb der Partei. Die Reichswehr behielt vorerst das Monopol auf die schwere Bewaffnung, während die SS zur eigenständigen Terrormacht aufstieg, die fortan mit Sonderbefugnissen operierte.
Zum Weiterlesen
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- Ian Kershaw (2009): Hitler 1889–1945 – Standardwerk zur frühen Biographie und zur ideologischen Formierung Hitlers.*
- Volker Ullrich (2013): Hitler. Aufstieg 1889–1939 – gut lesbare Gesamtdarstellung mit starkem biographischem Zugriff.*
- Sebastian Haffner (1981): Anmerkungen zu Hitler – Klassiker.*
Bildnachweis
Titel: SA verhaftet Kommunisten, 1933. Bundesarchiv, Bild 102-02920A, Georg Pahl. CC BY-SA 3.0.
Hitler und Röhm: Bundesarchiv, Bild 146-1982-159-21A. CC BY-SA 3.0.
Fußnoten
- Der Stahlhelm, ein Bund der Frontsoldaten, war ein militärisch organisierter Wehrverband in der Weimarer Republik. ↩︎




