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Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg 1914–1918

Serie: Hitler, Folge 2

Im August 1914 steht Adolf Hitler vor einer Kaserne in München und meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst. Noch wenige Monate zuvor hatte er als Kunstmaler von Postkartenverkäufen gelebt, ohne festen Platz und ohne geregelten Alltag. Der Kriegsbeginn beendet diese Phase abrupt und eröffnet ihm eine konkrete Aufgabe innerhalb eines größeren Ganzen.

Mit der Mobilmachung ändern sich Tagesabläufe und Erwartungen. Militärische Routinen geben den Takt vor, Rang und Befehl ordnen das Zusammenleben. Für Hitler beginnt eine Zeit klarer Aufgaben innerhalb der Einheit.

Dienst im List-Regiment

1. Flandernschlacht

Hitler lebt zu diesem Zeitpunkt in München. Trotz seiner österreichischen Staatsangehörigkeit wird er in die bayerische Armee aufgenommen. Nach kurzer Ausbildung rückt er im Oktober 1914 als Soldat des Reserve-Infanterie-Regiments 16 ein, dem sogenannten List-Regiment. Sein erster Kampfeinsatz erfolgt Ende Oktober 1914 in der Ersten Flandernschlacht bei Messines und Wytschaete. Das Regiment erleidet dort innerhalb weniger Tage extrem hohe Verluste. Von rund 3.000 Mann bleiben nur wenige Hundert kampffähig. Die Einheit besteht fortan aus Männern, die denselben Einsatz überlebt haben und dieselben Verluste teilen.

Im November 1914 wird Hitler zum Gefreiten befördert. Dieser Dienstgrad bleibt Teil der Mannschaftsdienstgrade und bedeutet keinen Aufstieg in den Unteroffiziersstand. Ein weiterer militärischer Aufstieg erfolgt nicht. Vorgesetzte beschreiben Hitler als zuverlässig und pflichtbewusst, trauen ihm jedoch keine Führungsaufgaben zu. Er zeigt wenig Eigeninitiative und bleibt im Umgang mit Kameraden distanziert.

Meldegänger beim Regimentsstab

Langemark, 1914

Hitler wird als Meldegänger beim Regimentsstab eingesetzt. Er überbringt Nachrichten zwischen dem Stab und den Bataillonen. Der Regimentsstab liegt meist ein bis drei Kilometer hinter der Front. Der Dienst ist gefährlich, unterscheidet sich jedoch vom Einsatz der Kompanie-Meldegänger im vordersten Graben, die besonders hohen Verlusten ausgesetzt sind. Hitler bewegt sich zwischen Stabsunterkünften, Wegen und Frontabschnitten und hält sich überwiegend außerhalb der unmittelbaren Sturmangriffe auf.

Frontalltag zwischen Warten und Gefahr

Tuchhalle, Ypern, 1914

Der Alltag an der Front besteht aus langen Phasen des Wartens. Marschieren, Wachtdienst und das Ausharren in Unterständen prägen den Tagesablauf. Artilleriebeschuss, Angriffe und Verluste unterbrechen diese Routine abrupt. Zerstörte Dörfer, Verwundete und Tote gehören zum täglichen Anblick. Beziehungen entstehen weniger durch persönliche Nähe als durch das gemeinsame Durchhalten unter denselben Bedingungen. Die Tätigkeit beim Regimentsstab verschafft Hitler im Vergleich zu vielen Frontsoldaten mehr Zeit zum Lesen und Zeichnen.

Auszeichnungen und Kriegserfahrung

Im Verlauf des Krieges erhält Hitler mehrere Auszeichnungen, darunter das Eiserne Kreuz zweiter und später erster Klasse. Für einen Gefreiten ist dies ungewöhnlich. Die Ehrungen verschaffen ihm Anerkennung innerhalb des Regiments und bestätigen ihn in seiner Rolle als verlässlicher Meldegänger.

Der militärische Alltag verlangt Gehorsam und Disziplin. Politische Programme spielen dabei kaum eine Rolle. Entscheidend ist, einen Auftrag auszuführen, Teil der Einheit zu bleiben und sich in den vorgegebenen Ablauf einzufügen. Nationale Zugehörigkeit und Feindbilder ergeben sich aus dem täglichen Dienst.

Verwundung im Jahr 1916

Am 5. Oktober 1916 wird Hitler in der Nähe von Bapaume durch einen Granatsplitter am Oberschenkel verwundet. Zu diesem Zeitpunkt hält er sich in einem rückwärtigen Unterstand des Regimentsstabs auf. Die Verwundung steht im Zusammenhang mit den Kämpfen im Somme-Gebiet, erfolgt jedoch nicht im unmittelbaren Fronteinsatz. Hitler wird in ein Lazarett gebracht und vorübergehend vom Dienst entbunden.

Gasangriff, Lazarett und Kriegsende

In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1918 gerät Hitler bei Ypern in einen Senfgasangriff. Er leidet an schweren Augenbeschwerden und wird zunächst in ein Lazarett gebracht, später nach Pasewalk verlegt. Zeitgenössisch wird eine Gasverletzung der Augen diagnostiziert. Die vorübergehende Erblindung wird in der heutigen Forschung überwiegend als psychogene Reaktion verstanden, ausgelöst durch die extreme Belastung der Kriegssituation und den gleichzeitigen Zusammenbruch der Front.

Ypern, 1917

Rückkehr in eine veränderte Gesellschaft

In Pasewalk erreicht Hitler die Nachricht vom Waffenstillstand und vom Zusammenbruch des Kaiserreichs. Mit dem Ende des Krieges endet auch der militärische Alltag, der seinen Tagesablauf bestimmt und ihm Anerkennung im Regiment verschafft hatte. Die Rückkehr führt in eine Gesellschaft, die von Niederlage, politischem Umbruch und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt ist.

Der Krieg hinterlässt bei Hitler Erfahrungen, die fortwirken. Der Übergang vom Soldaten zurück ins Zivilleben markiert den Beginn einer neuen Phase, in der er nach Aufgaben, Orientierung und Bindung sucht.


Zum Weiterlesen

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Bildnachweis

Titel: Hitler im List-Regiment. Bundesarchiv, Bild 146-1974-082-44 / CC-BY-SA 3.0

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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