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Agrippina und die Gründung Kölns

Im Jahr 15 n. Chr. wurde im Oppidum Ubiorum eine Frau geboren, die Jahrzehnte später die Geschichte ihrer Geburtsstadt für immer verändern sollte: Agrippina die Jüngere. Im Jahr 50 n. Chr. erhob ihr Gemahl, Kaiser Claudius, die Siedlung auf ihr ausdrückliches Betreiben hin zur römischen Kolonie. Neben diesem persönlichen Grund sprachen handfeste strategische Fakten für den Standort. Die Siedlung lag auf einem hochwassersicheren Plateau unmittelbar an einer Rheininsel, die einen natürlichen Hafen und einen der wenigen gut kontrollierbaren Flussübergänge bot. Mit der Verleihung des römischen Stadtrechts (Ius Italicum) stellte der Kaiser die Bewohner rechtlich den Bürgern Roms gleich. Die Kolonie erhielt zudem wirtschaftliche Privilegien wie die Befreiung von der Bodensteuer, was sie zum attraktiven Ziel für römische Veteranen machte.

Stadtplanung und Befestigung nach römischem Maßstab

Annostollen, Teil der römischen Mauer, Köln

Die Römer gestalteten das Areal nach einem strengen rechtwinkligen Plan, der eine Fläche von etwa 96 ha umfasste. Die Nord-Süd-Achse, die Hauptstraße Cardo Maximus, und die Ost-West-Achse, der Decumanus Maximus, bildeten das Gerüst des Straßennetzes. Zur Sicherung dieses wichtigen Knotens begann ab ca. 70 n. Chr. der Bau einer massiven Stadtmauer. Diese Befestigung erstreckte sich über 3,9 km und war mit 19 Rundtürmen sowie 9 Toren bewehrt. Das Mauerwerk erreichte eine Höhe von etwa 8 m bis zur Zinnenoberkante. Rekonstruktionen der Toranlagen, wie des monumentalen Nordtors beim heutigen Dom, lassen sogar Höhen von bis zu 13,5 m vermuten.

Monumentale Architektur und Infrastruktur

Das Erscheinungsbild der Metropole war geprägt von öffentlichen Großbauten, insbesondere dem Praetorium an der östlichen Stadtmauer. Als Amtssitz des Statthalters wuchs der Komplex von einem ursprünglich 60 m langen Bau auf eine Gesamtlänge von über 100 m an. Ein Highlight des Palastes war die Aula Regia, eine prunkvolle Empfangshalle, deren halbkreisförmiger Anbau (Apsis) allein einen Durchmesser von 15 m aufwies. Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser sicherte die 95 km lange Eifelwasserleitung, die als technische Meisterleistung täglich ca. 20.000 m³ Frischwasser herbeileitete. Ein unterirdisches Kanalsystem, das teilweise bis heute begehbar ist, sorgte für die Abwasserentsorgung in den Rhein.

Versorgung der Truppen und wirtschaftlicher Aufstieg

Die Gründung der Kolonie war untrennbar mit ihrer Funktion als Versorgungs- und Verwaltungszentrum verknüpft. Um die Rheingrenze zu sichern, war die CCAA die zentrale Anlaufstelle für die römischen Truppen am Niederrhein, bevor sie unter Kaiser Domitian um 85 n. Chr. offiziell zur Hauptstadt der Provinz Germania inferior aufstieg. Die günstige Lage am Fluss machte den Ort zum wichtigsten Umschlagplatz für Waren zwischen dem römischen Reich und dem germanischen Gebiet. Innerhalb der Mauern siedelten sich spezialisierte Betriebe an, insbesondere Glashütten und Töpfereien, deren Erzeugnisse weit über die Grenzen der Provinz hinaus exportiert wurden. Mit der Ansiedlung von Soldaten im Ruhestand und der Errichtung der ersten Steinbauten festigte Rom seinen dauerhaften Herrschaftsanspruch an dieser Grenze.


Zum Weiterlesen

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Eck, W. (2004): Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Zentrum des Imperiums.*

Fischer, T. (2013): Das römische Köln. Ein Stadtführer.*

Bildnachweis

Titel: Inschrift über dem Nordtor der Colonia.

Alle Bilder gemeinfrei.

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