Am 21. April 1945 schlugen sowjetische Granaten im Zentrum Berlins ein. In den Straßen standen Barrikaden, Jugendliche der Hitlerjugend trugen Panzerfäuste, Männer des Volkssturms bezogen Stellungen zwischen Wohnhäusern. Unter der Reichskanzlei saß Hitler in seinem Bunker.
Der Krieg war militärisch entschieden. Amerikanische und britische Truppen rückten von Westen vor, die Rote Armee stand in Berlin. Trotzdem verlangte Hitler weiteren Widerstand.
Neun Tage später war Hitler tot; zwei weitere Tage dauerten die Kämpfe in Berlin an.
Hitler verweigerte bis zuletzt jede Kapitulation. Staat und Wehrmacht zerfielen unter dem Druck der gegnerischen Armeen, während die Führung weiterhin Befehle erteilte, Menschen hinrichten ließ und auf einen Umschwung hoffte, der längst unmöglich geworden war.
Die Rote Armee durchbricht die Front
Am 12. Januar 1945 begann die sowjetische Weichsel-Oder-Offensive.

Die deutsche Front brach innerhalb weniger Tage auseinander. Sowjetische Panzerverbände stießen durch Polen nach Westen vor und erreichten Ende Januar bereits die Oder.
Zwischen ihnen und Berlin lagen stellenweise kaum noch siebzig Kilometer.
Die deutsche Führung hatte die Stärke des Angriffs unterschätzt. Viele Verbände waren erschöpft und unzureichend ausgerüstet. Reserven fehlten.
Hitler reagierte weiterhin mit Befehlen zum Halten. Städte wurden zu Festungen erklärt, obwohl ihre Verteidigung militärisch oft kaum Aussicht auf Erfolg bot.
Für die Zivilbevölkerung im Osten begann eine Massenflucht.
Millionen fliehen nach Westen
In Ostpreußen, Pommern und Schlesien machten sich Menschen auf den Weg, oft erst wenige Stunden vor dem Eintreffen der Roten Armee.
Pferdewagen verstopften die Straßen. Andere Flüchtlinge liefen zu Fuß durch Schnee und Kälte. Eisenbahnzüge waren überfüllt.
Viele hatten zu lange gewartet. Parteifunktionäre hatten zuvor vor einer Evakuierung zurückgeschreckt, weil sie eine Fluchtbewegung als Zeichen des Defätismus betrachteten.
Nun verlief der Aufbruch vielfach chaotisch.
Die Angst vor der Roten Armee war groß. Nachrichten über Tötungen und Vergewaltigungen verbreiteten sich unter den Flüchtlingen. Die sowjetischen Soldaten trafen auf eine Bevölkerung des Landes, das ihren Krieg begonnen und in der Sowjetunion einen Vernichtungskrieg geführt hatte.
Zivilisten waren den Kämpfen und Gewalttaten der letzten Kriegsmonate nun unmittelbar ausgesetzt.
Hunderttausende versuchten, über die Ostsee nach Westen zu gelangen. Kriegsschiffe und Handelsschiffe wurden für Evakuierungen eingesetzt.
Am 30. Januar 1945 versenkte ein sowjetisches U-Boot die Wilhelm Gustloff. Das Schiff war mit mehreren Tausend Flüchtlingen und Militärangehörigen überfüllt. Mehrere Tausend Menschen starben.
Die Katastrophe war nur ein Teil einer Fluchtbewegung, die Millionen Menschen erfasste.
Die Lager werden geräumt
Auch die Konzentrationslager im Osten gerieten in den Bereich des sowjetischen Vormarschs.
Die SS begann, Häftlinge in Lager weiter westlich zu bringen. Im Januar 1945 wurde Auschwitz weitgehend geräumt.

Zehntausende Gefangene mussten zu Fuß Richtung Westen marschieren. Viele waren durch Hunger und Zwangsarbeit bereits völlig geschwächt.
Wer zurückblieb oder das Tempo nicht halten konnte, riskierte erschossen zu werden.
Diese Evakuierungen entwickelten sich zu Todesmärschen. Tausende starben an Erschöpfung oder wurden von Bewachern getötet.
Selbst in den letzten Monaten des verlorenen Krieges verwendete das Regime erhebliche Kräfte darauf, Gefangene nicht in die Hände der Alliierten fallen zu lassen.
Für viele Verfolgte setzte sich der Terror bis in die letzten Kriegstage fort.
Im Westen überschreiten die Alliierten den Rhein
Auch an der Westfront verschlechterte sich die Lage rasch.
Hitlers letzter großer Angriff in den Ardennen war im Januar 1945 endgültig gescheitert. Die Wehrmacht hatte dabei Reserven verbraucht, die sich kaum ersetzen ließen.

Im März gelang amerikanischen Truppen bei Remagen die überraschende Einnahme einer noch intakten Rheinbrücke.
Weitere alliierte Armeen überschritten den Fluss an anderen Stellen. Die westliche Verteidigung brach nun ebenfalls zusammen.
Im Ruhrgebiet wurde eine große deutsche Truppengruppe eingeschlossen. Mehr als 300.000 Soldaten gerieten dort im April in Gefangenschaft.
Amerikanische Einheiten rückten anschließend tief nach Mitteldeutschland vor.
Die deutsche Führung konnte die beiden Fronten nicht mehr stabilisieren.
Hitler befiehlt die Zerstörung

Am 19. März 1945 erließ Hitler einen Befehl, der später als Nerobefehl bekannt wurde.
Militärische Anlagen und Verkehrswege, die dem Gegner nutzen konnten, sollten beim Rückzug zerstört werden. Auch Versorgungseinrichtungen konnten davon betroffen sein.
Hitler ging davon aus, dass ein Deutschland, das den Krieg verlor, seine Zukunft verspielt habe.
Rüstungsminister Albert Speer behauptete später, er habe den Befehl systematisch unterlaufen. Tatsächlich versuchte er, großflächige Zerstörungen wichtiger Industrie- und Versorgungseinrichtungen zu verhindern. Auch lokale Verantwortliche ignorierten mancherorts entsprechende Befehle.
Der Staatsapparat funktionierte inzwischen immer weniger geschlossen.
Doch an anderer Stelle blieb die Gewalt bis zuletzt wirksam.
Wer aufgeben will, riskiert sein Leben
Militärgerichte verschärften in den letzten Kriegsmonaten die Verfolgung von Soldaten, die ihre Einheiten verließen.
Deserteure wurden hingerichtet. Auch Zivilisten konnten wegen sogenannter Wehrkraftzersetzung verfolgt werden.
In manchen Städten wollten Einwohner weiße Fahnen zeigen, bevor die gegnerischen Truppen eintrafen. Parteifunktionäre und SS-Männer betrachteten solche Versuche als Verrat.
Noch im April wurden Menschen erschossen oder gehängt, weil sie zur Aufgabe aufgerufen hatten.
Das Regime konnte den Krieg nicht mehr gewinnen, aber es konnte weiterhin töten.
Gerade dieser Gegensatz prägte die letzten Wochen. Die militärischen Befehlswege brachen zusammen, Züge fuhren unregelmäßig und Behörden verloren die Kontrolle über ganze Gebiete. Gleichzeitig hielten einzelne Parteifunktionäre an ihren Vollmachten fest.
Für Zivilisten hing das Überleben deshalb manchmal davon ab, wer in den letzten Stunden vor dem Einmarsch des Gegners die Macht in ihrem Ort ausübte.
Die Schlacht um Berlin beginnt
Am 16. April eröffnete die Rote Armee ihren Großangriff auf Berlin.
Bei den Seelower Höhen östlich der Hauptstadt leisteten deutsche Truppen zunächst heftigen Widerstand. Die sowjetische Übermacht setzte sich dennoch durch.
Wenige Tage später erreichten sowjetische Einheiten die Außenbezirke Berlins.
In der Stadt kämpften Wehrmacht und SS gemeinsam mit Volkssturmmännern und Jugendlichen. Waffen und Munition fehlten vielerorts.
Hitler blieb in der Reichskanzlei.
Am 22. April räumte er während einer Lagebesprechung erstmals vor seinen Generälen ein, dass der Krieg verloren sei. Seine Befehle änderten sich dennoch kaum.
Er hoffte weiterhin auf Verbände, die Berlin entsetzen sollten, obwohl diese dafür nicht mehr stark genug waren.
Im Bunker verschob Hitler auf den Lagekarten Verbände, die tatsächlich nur noch einen Bruchteil ihrer früheren Kampfkraft besaßen.
Himmler sucht einen eigenen Ausweg
Während Hitler im Bunker blieb, versuchten führende Nationalsozialisten ihre eigene Zukunft zu sichern.
Heinrich Himmler ließ über schwedische Vermittler Kontakte zu den Westmächten aufnehmen. Er hoffte auf eine Teilkapitulation im Westen und möglicherweise einen gemeinsamen weiteren Kampf gegen die Sowjetunion.
Die Westalliierten lehnten solche Vorstellungen ab.
Als Hitler von Himmlers Vorstoß erfuhr, betrachtete er ihn als Verrat.
Hermann Göring hatte zuvor unter Berufung auf Hitlers Erlass vom 29. Juni 1941 angefragt, ob er nun die Führung des Reiches übernehmen solle.
Hitler ließ ihn daraufhin seiner Ämter entheben.
Die Führung des Regimes zerfiel damit noch vor Hitlers Tod.
Hitler stirbt im Bunker
Am 29. April heiratete Hitler im Bunker Eva Braun.
Anschließend diktierte er sein politisches Testament. Darin übernahm er keine Verantwortung für den Krieg und hielt an seinem Antisemitismus fest.

Zum Nachfolger als Reichspräsident bestimmte er Großadmiral Karl Dönitz. Joseph Goebbels sollte Reichskanzler werden.
Am Nachmittag des 30. April begingen Hitler und Eva Braun Selbstmord.
Ihre Leichen wurden im Garten der Reichskanzlei verbrannt.
Einen Tag später töteten Joseph und Magda Goebbels ihre sechs Kinder. Anschließend starben auch sie.
Berlin kapitulierte am 2. Mai.
Der Mann, um den das gesamte Herrschaftssystem über Jahre immer stärker ausgerichtet worden war, war tot. Der Krieg ging trotzdem noch fast eine Woche weiter.
Dönitz versucht, Zeit zu gewinnen
Karl Dönitz bildete im norddeutschen Flensburg eine neue Regierung.
Sein wichtigstes Ziel bestand darin, möglichst viele Soldaten und Zivilisten vor der Roten Armee nach Westen gelangen zu lassen.
Deshalb versuchte er, gegenüber den Westalliierten einzelne Kapitulationen auszuhandeln und den Kampf im Osten fortzusetzen.
Die westlichen Siegermächte bestanden jedoch auf der bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Streitkräfte.
Am 7. Mai unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl im französischen Reims die Kapitulationsurkunde.
Sie trat am 8. Mai um 23.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft. Eine weitere Unterzeichnung vor sowjetischen Vertretern folgte in Berlin-Karlshorst.
Der Krieg in Europa war beendet.
Ein Staat verschwindet
Mit der militärischen Niederlage brach auch die nationalsozialistische Herrschaft auseinander.
Gauleiter flohen oder wurden festgenommen. Parteidienststellen stellten ihre Arbeit ein. Hakenkreuzfahnen verschwanden von öffentlichen Gebäuden.
Millionen Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Millionen Menschen waren auf der Flucht oder hatten ihre Wohnungen verloren.
Deutsche Städte lagen in Trümmern.
Das Regime hinterließ zugleich ein Europa mit zerstörten Ländern und Millionen Toten. Konzentrationslager wurden geöffnet, und die alliierten Soldaten fanden dort Überlebende neben Bergen von Leichen.
Für viele Deutsche bedeutete der 8. Mai zunächst Niederlage und Zusammenbruch. Für Verfolgte und Zwangsarbeiter bedeutete das Ende der NS-Herrschaft dagegen Befreiung.
Beides gehörte zur selben historischen Situation.
Was daraus entstehen sollte, war im Mai 1945 noch offen. Deutschland besaß keine eigene Regierung mehr, seine Grenzen waren teilweise ungeklärt und Millionen Menschen befanden sich außerhalb ihrer Heimat.
Nun entschieden die vier Siegermächte darüber, wie das besiegte Land verwaltet werden sollte.

Zum Weiterlesen
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- Ian Kershaw (2009): Hitler 1889–1945 – Standardwerk zur frühen Biographie und zur ideologischen Formierung Hitlers.*
- Volker Ullrich (2013): Hitler. Aufstieg 1889–1939 – gut lesbare Gesamtdarstellung mit starkem biographischem Zugriff.*
- Sebastian Haffner (1981): Anmerkungen zu Hitler – Klassiker.*
Bildnachweis
Titel: Keitel unterzeichnet die Kapitulation, 8. Mai 1945.
Sowjetische Truppen vor Berlin: Bundesarchiv, Bild 183-E0406-0022-012 / CC-BY-SA 3.0.
Remagen: Bundesarchiv, Bild 173-0422 / CC-BY-SA 3.0.
Karl Dönitz: Bundesarchiv, Bild 146-1976-127-06A / CC-BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




