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Itzcoatl gegen Azcapotzalco – Wie sich die Herrschaft im Tal veränderte

Nach dem Tod Tezozomocs geriet Tenochtitlan in eine gefährliche Lage. Der Herrscher von Azcapotzalco hatte weite Teile des Tals von Mexiko von sich abhängig gemacht. Nun setzte sich sein Sohn Maxtla gegen einen konkurrierenden Erben durch. Mit diesem Machtwechsel wurden auch jene Herrscher bedroht, deren Familien dem unterlegenen Zweig verbunden waren.

Zu ihnen gehörte Chimalpopoca, der Herrscher von Tenochtitlan. Über seinen Tod berichten die späteren Nahua-Geschichten unterschiedlich; sie verbinden ihn jedoch mit der Krise um Azcapotzalco. Für die Mexica brach damit eine Beziehung zusammen, in der sie ihrem Oberherrn gedient und zugleich vom Ausbau seiner Macht profitiert hatten.

Eine Nachfolge betrifft das ganze Tal

Herrscher im Tal von Mexiko hatten häufig mehrere Frauen aus unterschiedlichen Familien. Damit gab es mehrere mögliche Erben, deren Verwandtschaft jeweils andere Gemeinden an das Herrscherhaus band. Die Durchsetzung eines Sohnes konnte den Rang der mütterlichen Familie eines anderen Sohnes zerstören. Maxtlas Sieg war deshalb weit mehr als ein Personalwechsel in Azcapotzalco.

In Tenochtitlan trat Itzcoatl an die Spitze. Als Sohn Acamapichtlis gehörte er zur Dynastie. Seine Mutter war nach der Überlieferung jedoch eine versklavte Frau aus Azcapotzalco gewesen. Es gab deshalb andere Kandidaten mit ranghöheren mütterlichen Verwandten. In der Krise gewann ein bereits erfahrener Mann den Vorrang, dessen Herkunft ihm diesen Aufstieg keineswegs gesichert hatte.

Spätere Überlieferungen schildern, dass manche Mexica lieber neue Tributpflichten akzeptiert hätten, als einen Krieg gegen Azcapotzalco zu riskieren. Unterwerfung versprach den Fortbestand der Gemeinde; ein Aufstand konnte ihre Zerstörung nach sich ziehen. Die Erzählungen machen diese Abwägung verständlich, ohne den genauen Verlauf einer Beratung unabhängig zu belegen.

Verbündete mit einem eigenen Anspruch

Itzcoatl suchte Unterstützung bei Gegnern Maxtlas. Die bedrohte Herrscherfamilie von Tlacopan hatte durch eine Heirat mit Tezozomoc auf Einfluss in Azcapotzalco gehofft. Maxtlas Sieg gegen seinen Halbbruder hatte diese Aussicht zerstört. Ein weiterer möglicher Verbündeter war Nezahualcoyotl, der seinen Anspruch auf Texcoco gegen Azcapotzalcos Vorherrschaft verteidigte. Itzcoatls Gesandte suchten ihn der späteren Überlieferung zufolge im Zufluchtsort Tlaxcala auf.

Texcoco war der wichtigste Ort der Acolhua, einer weiteren Nahuatl sprechenden Bevölkerung des Tals. Dort hatten frühere Kriege und dynastische Eingriffe Herrscherfamilien gegeneinander aufgebracht. Nezahualcoyotl konnte deshalb nicht einfach über eine geschlossene Stadt und deren gesamte Umgebung verfügen. Er musste Anhänger gewinnen, deren bisherige Herren teilweise gerade von Azcapotzalco eingesetzt oder unterstützt worden waren.

Das erklärt, weshalb ein Bündnis dieser Gegner Aussicht auf Erfolg hatte. Itzcoatl bot Nezahualcoyotl Hilfe bei der Wiedergewinnung seiner Stellung; dessen Anhänger erweiterten wiederum die militärischen Möglichkeiten Tenochtitlans. Gemeinsam konnten sie örtliche Unterstützer Azcapotzalcos angreifen. Der Krieg löste die Vorherrschaft schrittweise aus ihren Verbindungen zu einzelnen Gemeinden.

Die entscheidenden Kämpfe fallen in die späten 1420er und frühen 1430er Jahre. Häufig wird 1428 als Wendepunkt genannt. Die Annalen ordnen jedoch nicht sämtliche Vorgänge gleich ein. Eine einzige Jahreszahl verdeckt zudem, dass mit einem Sieg über Azcapotzalco noch nicht alle rivalisierenden Ansprüche im Tal beseitigt waren.

Was nach dem Sieg anders wurde

Aus der Zusammenarbeit ging die Vorherrschaft von Tenochtitlan, Texcoco und Tlacopan hervor. Für diese Verbindung hat sich der Name „Dreibund“ eingebürgert. Er beschreibt ihre gemeinsame Kriegführung und die Verteilung von Einkünften. Ein erhaltener Gründungsvertrag, aus dem sich sämtliche Befugnisse dieser Zusammenarbeit ablesen ließen, liegt nicht vor.

Die Sieger mussten die unterworfenen Orte nicht vollständig neu verwalten. Viele behielten eigene Herrscher und örtliche Einrichtungen. Entscheidend war, an wen sie nun Abgaben entrichteten und für wen sie Kriegs- oder Bauleistungen erbringen mussten. Eine Gemeinde konnte im Inneren vieles selbst entscheiden und dennoch einen beträchtlichen Teil ihrer Erzeugnisse an einen Oberherrn abgeben.

Für Tenochtitlan bedeutete der Sieg deshalb einen besonders großen Wandel. Die Mexica hatten zuvor innerhalb einer fremden Vorherrschaft gehandelt; jetzt beteiligten sie sich selbst an der Zuweisung von Tributpflichten. Damit standen ihnen mehr Güter zur Verfügung, mit denen ihr Herrscher Krieger belohnen und weitere Unternehmungen finanzieren konnte.

Texcoco blieb ein eigenes Herrschaftszentrum. Nezahualcoyotl gewann mit dem Sieg die Möglichkeit zurück, seinen dynastischen Anspruch vor Ort durchzusetzen. Die Neuverteilung konnte sogar einzelne Teile derselben unterworfenen Gemeinde verschiedenen Tributherren zuweisen: Der eine Teil lieferte an Texcoco, ein anderer an Tenochtitlan.

Auch die Erinnerung an den Aufstieg wurde verändert. Eine bei Sahagún überlieferte Tradition schreibt Itzcoatl die Verbrennung älterer Bilderbücher zu. Über Ausmaß und Ablauf dieser Aktion ist damit noch keine unabhängige Gewissheit gewonnen. In späteren Geschichtsvorträgen erschienen jedoch neu gemalte Bücher, die seinen Herrschaftsanspruch und Tenochtitlans Vorrang begründeten. Die Sieger ordneten damit auch die Vergangenheit, auf die sich künftige Erben berufen konnten.


Zum Weiterlesen

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Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Bildnachweis

Titel: Itzcoatl und Eroberungszeichen im Codex Mendoza; koloniale Rückschau.

Alle Bilder gemeinfrei.

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