Zwischen den Feldern von Xochimilco bewegten sich Kanus. Sie brachten Menschen an ihre Arbeitsplätze und transportierten die Erzeugnisse zu den Siedlungen des Seebeckens. Um 1500 lag hier ein wichtiges Anbaugebiet für die Städte im Tal von Mexiko. Seine Produktivität beruhte auf Feldern, die Menschen dem flachen Wasser abgewonnen hatten.
Wie ein Feld entstand
Chinampas waren aufgeschüttete Anbauflächen. Schlamm und pflanzliches Material bildeten innerhalb befestigter Ränder einen Boden, dessen Oberfläche über dem Wasser lag. Die oft gebrauchte Bezeichnung „schwimmende Gärten“ führt deshalb in die Irre: Bewirtschaftet wurde dauerhaft angelegtes Land.
Die Umgebung blieb ein wesentlicher Teil des Verfahrens. Kanäle erschlossen die schmalen Parzellen und lieferten Material, mit dem sich der Boden verbessern ließ. Ihre Nähe erleichterte die Wasserversorgung der Pflanzen. Zugleich mussten die Bewohner verhindern, dass Wasserstände die Felder bedrohten oder die Zufahrten verlandeten.

Die hohe Leistung einer Chinampa entstand aus wiederholter Arbeit. Bauern zogen Pflanzen in Saatbeeten vor und konnten dadurch eine abgeerntete Fläche rascher neu bestellen. Fruchtwechsel und Düngung halfen, den Boden intensiv zu nutzen. Je nach den angebauten Pflanzen und ihrer Abfolge ließen sich auf diese Weise mehrere Ernten im Jahr gewinnen. Dafür mussten die Bauern zugleich die Einfassungen erhalten und den Boden immer wieder ergänzen.
Vom Beet auf den Markt
Für verderbliche Erzeugnisse war die Verbindung zum Wasserverkehr besonders günstig. Gemüse und Blumen konnten auf Kanus in die Städte gelangen. Auch andere Nahrungsmittel wurden im Chinampa-Gebiet angebaut. Der Transportweg gehörte deshalb zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit dieser Felder: Ein Ertrag, der zu langsam oder mit zu großem Arbeitsaufwand beim Käufer ankam, hätte die Stadtversorgung weniger wirksam unterstützt.
Waren mussten in Boote geladen und an Anlegestellen übernommen werden. Die Verteilung innerhalb einer Stadt beschäftigte weitere Menschen. Zum Aufwand auf dem Feld kam deshalb die Arbeit der Beförderung hinzu. Beides beeinflusste, zu welchen Bedingungen ein Erzeugnis auf dem Markt angeboten werden konnte.
Tenochtitlan konnte sich trotz dieser intensiven Landwirtschaft nicht vollständig aus den nahe gelegenen Beeten ernähren. Handel und Tribut führten zusätzliche Nahrung zu. Außerdem ließen sich im Hochland nicht alle Rohstoffe gewinnen, die seine Handwerker verarbeiteten oder sein Hof verlangte. Baumwolle und begehrte tropische Erzeugnisse verbanden die Hauptstadt mit entfernteren Gebieten.
Ein ertragreiches Gebiet unter fremdem Anspruch
Xochimilco gehörte zu den Gemeinden, die diese Art des Anbaus früh entwickelt hatten. Nach seiner Unterwerfung beanspruchte Tenochtitlan zusätzlich die Arbeitskraft der Bewohner für einen großen Dammweg zum südlichen Seeufer. Neben den Erträgen der Felder nutzte der Oberherr damit auch ihre Erfahrung im Bauen am Wasser.
1521 verteidigte Xochimilco seine Verbindung zu Tenochtitlan. Die Einwohner unterbrachen die Dammwege und errichteten Barrikaden gegen den spanischen Anführer Hernán Cortés und dessen Verbündete. Tlaxcaltekische Arbeitsmannschaften schlossen Lücken und ermöglichten den Angreifern das Eindringen. Verstärkung aus Tenochtitlan machte den Kampf erneut gefährlich; Frauen und Kinder hatten sich bereits über den See in Sicherheit gebracht. In der landwirtschaftlich intensiv erschlossenen Wasserlandschaft mussten die Angreifer um dieselben Wege kämpfen, die zuvor Ernten zu den Städten gebracht hatten.
Zum Weiterlesen
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Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*
Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*
Bildnachweis
Titel: Heutiger Anbau auf einer Chinampa in Xochimilco. Wikimedia Commons, David Arqueas. CC BY-SA 4.0.
Chinampa: Befestigter Rand einer heutigen Chinampa. Wikimedia Commons, Emmanuel Eslava. CC BY-SA 4.0.




