1473 griffen Krieger Tlatelolcos das benachbarte Tenochtitlan an. Die Städte lagen unmittelbar nebeneinander im See von Mexiko, besaßen aber eigene Herrscher. Moquihuix von Tlatelolco wollte den Vorrang Axayacatls, des Herrschers von Tenochtitlan, nicht länger hinnehmen. Seine Stadt hatte zu den gemeinsamen Eroberungen beigetragen und beanspruchte einen größeren Anteil an deren Erträgen.
Eine Ehe verbindet die Gegner
Der Streit hatte sich schon bei Axayacatls Erhebung 1469 verschärft. Einige seiner älteren Halbbrüder hatten Mütter aus Tlatelolco. Wäre einer von ihnen Herrscher geworden, hätten dortige Familien engeren Zugang zu den Einkünften gemeinsamer Kriege erwarten können. Nun blieb Tlatelolco der kleinere Partner.
Moquihuix war mit einer Schwester Axayacatls verheiratet. Spätere Berichte schildern, wie er sie demütigte und andere Frauen bevorzugte. Solche Erzählungen rechtfertigten auch das Vorgehen des Siegers; ihre privaten Einzelheiten lassen sich daher nicht ungeprüft übernehmen.
Der politische Zusammenhang ist dennoch verständlich. Wenn Moquihuix die Stellung seiner Frau herabsetzte, gefährdete er auch die Aussicht ihrer Kinder auf die Nachfolge. Damit verlor die Familie Axayacatls Einfluss auf die künftige Herrschaft Tlatelolcos. Eine Änderung innerhalb des Haushalts berührte so unmittelbar die Verbindung zwischen beiden Städten.
Moquihuix suchte Unterstützung bei weiteren Gemeinden. Ob er damit zunächst günstigere Bedingungen innerhalb des Bündnisses erzwingen oder von Anfang an Axayacatl stürzen wollte, bleibt offen. Seine Bündnisversuche zeigen aber, dass der Konflikt über einen persönlichen Streit hinausreichte. Herrscher in der Umgebung mussten entscheiden, welchem Nachbarn sie sich anschlossen.
Der Markt überlebt die Herrschaft
Die Kämpfe verliefen zunächst nicht als müheloser Sieg Tenochtitlans. Angreifer konnten sich auf Kanus zwischen den Stadtteilen bewegen. Schließlich setzte sich Axayacatl mit seinen Anhängern durch; Moquihuix kam ums Leben. Die Berichte über die letzten Kampfhandlungen wurden später unterschiedlich ausgestaltet.
Tlatelolco verlor seine eigenständige Herrschaft. Axayacatl untersagte die Einsetzung eines neuen örtlichen Königs und forderte Tribut. Dazu sollte auch eine Lieferung von Menschen für Opferungen gehören. Diese Forderung hätte die Geschlagenen zu weiteren Kriegszügen gegen andere Gemeinden gezwungen. Nach der Überlieferung erreichte ein mit beiden Herrscherfamilien verwandter älterer Mann, dass Axayacatl darauf verzichtete. Der große Markt Tlatelolcos bestand unterdessen weiter.

Die Niederlage beseitigte deshalb nicht sämtliche Unterschiede zwischen den Bewohnern. Tlatelolcos Vergangenheit blieb in eigenen Überlieferungen präsent. Jahrzehnte später hielten seine Geschichtsschreiber auch fest, welchen Anteil die Stadt am Widerstand gegen die spanischen Angreifer gehabt hatte. Die gemeinsame Verteidigung der Insel löschte die Erinnerung an den Krieg von 1473 nicht aus.
Zum Weiterlesen
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Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*
Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*
Bildnachweis
Titel: Axayacatl im Codex Cozcatzin, Blatt 26r. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.
Palast: Heutige Ausgrabungen in Tlatelolco. Wikimedia Commons, Jbribeiro1. CC BY-SA 4.0.



