Im Frühjahr 1521 wurden in Texcoco dreizehn Brigantinen für den Einsatz auf dem See bereitgemacht. Diese mit Segeln und Rudern angetriebenen Schiffe sollten Hernán Cortés und seinen Verbündeten ermöglichen, Tenochtitlans Wasserwege anzugreifen. Nach dem verlustreichen Rückzug des Vorjahres war klar geworden, dass ein erneuter Einmarsch allein die Inselstadt nicht dauerhaft in ihre Gewalt bringen würde.
Der Schiffbau beginnt außerhalb des Seebeckens
Unter Leitung des Schiffbauers Martín López waren Teile der Fahrzeuge in Tlaxcala vorbereitet worden. Dort gab es Holz und Arbeitskräfte; die Verbindung zu den Verbündeten bot Schutz während der Herstellung. Ausrüstung von der Küste musste zusätzlich herangeschafft werden.
Anschließend trugen Menschen die zerlegten Schiffe über Land nach Texcoco. Dort wurden sie zusammengefügt und über einen eigens hergerichteten Zugang ins Wasser gebracht. Der Aufwand erklärt, weshalb sich die Überlegenheit der Angreifer nicht auf mitgebrachte europäische Technik reduzieren lässt. Ohne örtlich beschafftes Material und die Arbeit vieler indigener Träger wäre aus dem Bauplan keine Flotte auf dem See geworden.
Texcoco wurde unter gewaltsamen Umständen zum Stützpunkt. Beim Einzug der Koalition Ende 1520 war der Herrscher Coanacoch mit vielen Bewohnern nach Tenochtitlan geflohen. Die Angreifer plünderten; auch Paläste und Aufzeichnungen wurden zerstört. Cortés begünstigte nun andere Angehörige des Herrscherhauses. Im Februar 1521 trat Ixtlilxochitl, ein Gegner der Vorherrschaft Tenochtitlans, an dessen Spitze. Seine Truppen und Kanus verstärkten die Koalition vom östlichen Seeufer aus. Eine Entscheidung „Texcocos“ bestand damit aus dem Sieg einer Partei und der Flucht ihrer Gegner.
Die Insel von ihren Lieferanten trennen

Vor dem eigentlichen Angriff kämpften die Verbündeten um Gemeinden rings um den See und die Zugänge zum Tal. Manche Orte schlossen sich nach militärischem Druck an, andere verbanden mit dem Wechsel eigene Erwartungen. Jede solche Entscheidung konnte die Versorgung Tenochtitlans verschlechtern und diejenige der Angreifer verbessern.
Die Brigantinen ergänzten diese Kämpfe. Gegen Kanus konnten sie ihre größere Bauweise und Bewaffnung einsetzen. Die Verteidiger nutzten ihre Kenntnis des Sees, um sich in flachen Gewässern zu bewegen und Hindernisse gegen die Schiffe einzusetzen. Die Brigantinen erschwerten den Widerstand zu Wasser, beseitigten ihn aber nicht augenblicklich.
Im Mai zerstörten Truppen unter Pedro de Alvarado und Cristóbal de Olid nach Kämpfen die Trinkwasserleitung aus Chapultepec. Die Bewohner mussten sich danach auf andere, unzureichende Quellen und auf Wassertransporte stützen. Gegen Ende des Monats verstärkten die Angreifer den Druck auf die Insel von mehreren Seiten. Ihre Schiffe bedrohten die noch offenen Nachschubwege.
Um jeden Übergang kämpfen
Cuauhtemoc, der neue Herrscher von Tenochtitlan, und die Verteidiger nutzten die Kanäle und unterbrochenen Dämme. An einem offenen Durchlass konnten Angreifer nicht in voller Breite vorgehen. Kämpfer auf Kanus bedrohten ihre Seiten; ein Rückzug verwandelte sich an derselben Stelle leicht in Gedränge.
Die Einschließung war anfangs noch lückenhaft. Über den nördlichen Damm nach Tepeyac gelangten weiterhin Lieferungen in die Stadt. Die Angreifer hatten ihn zunächst als möglichen Fluchtweg offen gelassen. Als sie die Bedeutung für den Nachschub erkannten, verlegten sie Truppen dorthin und sperrten auch diesen Zugang. Die Blockade entstand durch solche einzelnen Entscheidungen während der Kämpfe.
Anfangs mussten die Belagerer erfahren, dass ein am Tag gewonnener Weg am nächsten Morgen erneut versperrt sein konnte. Die Verteidiger stellten Hindernisse wieder her und griffen zurückweichende Truppen an. Vorstöße, die zu weit von gesicherten Verbindungen wegführten, brachten selbst Cortés in Gefahr.
Die Angreifer gingen deshalb zunehmend dazu über, Häuser niederzulegen und Gräben mit Schutt aufzufüllen. Dadurch verminderten sie Deckung für ihre Gegner und schufen Wege, über die sie ihre Kräfte verlässlicher bewegen konnten. Sie zerstörten Teile der Stadt, um während der noch andauernden Belagerung militärisch voranzukommen.
Die militärische Wirkung traf unmittelbar die Bewohner. Mit den Häusern verschwanden Unterkünfte und Vorräte. Menschen mussten auf einen schrumpfenden Raum ausweichen, während die Zufuhr von Nahrung weiter abnahm. Die Verteidigung einer Stellung und das Überleben der dort zusammengedrängten Bevölkerung wurden zunehmend schwer miteinander vereinbar.
Warum die Koalition zusammenblieb
Auch die Belagerer mussten über Wochen versorgt werden. Ihre indigenen Verbündeten stellten den weitaus größeren Teil der beteiligten Kräfte und trugen wesentliche Arbeitslasten. Ihre Führer wollten die Vorherrschaft Tenochtitlans brechen, verfolgten dabei aber eigene Ziele. Beute und die Aussicht auf eine günstigere Stellung nach dem Krieg konnten die weitere Teilnahme fördern.

Der Widerstand der Mexica zeigte zugleich, dass der Ausgang nicht vom ersten Tag an feststand. Rückschläge konnten Verbündete verunsichern. Cortés musste daher Erfolge vorweisen und die Zusammenarbeit aufrechterhalten. Die bloße Anwesenheit spanischer Waffen hätte einen Zerfall dieser Koalition nicht ausgeglichen.
Für Cuauhtemoc verschlechterte sich dagegen die Aussicht auf Hilfe von außen. Mit jedem verlorenen Zugang und jedem weiteren Bündniswechsel verringerte sich die Möglichkeit, die Stadt wieder ausreichend zu versorgen. Die vorangegangene Epidemie verstärkte diese Belastung, doch den unmittelbaren Druck erzeugte die fortgesetzte Einschließung.
Am 13. August 1521 wurde Cuauhtemoc auf dem Wasser gefangen genommen. Der organisierte Widerstand brach zusammen. Die Überlebenden kamen aus einer verwüsteten Stadt, deren militärische Niederlage sich über Wochen in Hunger und dem Verlust ihrer Wohnräume vollzogen hatte. Unter der folgenden spanischen Herrschaft wurde an derselben Stelle weitergebaut. Die neuen Gebäude standen auf einem Stadtboden, den die Angreifer zuvor abschnittsweise in einen Weg durch die Verteidigung verwandelt hatten.
Zum Weiterlesen
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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*
Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*
Bildnachweis
Titel: Bau der Brigantinen in einer historischen Bilderhandschrift. Gemeinfrei.
Handschrift: Brigantinen im Florentiner Codex, Buch XII, Blatt 56. Wikimedia Commons, Unbekannte Nahua-Maler; Handschrift unter Leitung von Bernardino de Sahagún. Gemeinfrei.
Cuauhtemoc im Codex Aubin. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.




