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Tecuichpotzin wird Isabel Moctezuma – Eine Königstochter nach der Eroberung

Moctezuma II. und seine Kinder im Codex Cozcatzin

1526 erhielt Isabel Moctezuma Ansprüche auf Einkünfte aus Tlacopan, dem später Tacuba genannten Ort westlich von Mexiko-Stadt. Hernán Cortés verband diese Zuweisung mit ihrer Ehe mit dem spanischen Eroberer Alonso de Grado. Die Tochter Moctezumas II., die in der Nahua-Welt Tecuichpotzin hieß, wurde dadurch zu einer vermögenden Angehörigen der neuen Gesellschaft.

Ein alter Rang in neuen Rechtsformen

Ihr Rang beruhte auf der Herkunft aus dem Herrscherhaus Tenochtitlans. Nach der Eroberung war diese Herkunft weiterhin politisch wertvoll. Cortés konnte durch ihre Verbindung mit einem Spanier zeigen, dass er Angehörige der besiegten Dynastie in die neue Herrschaft einbezog. Für den Ehemann eröffnete sich der Zugang zu Einkünften und angesehenen Verwandtschaftsbeziehungen.

Die Encomienda von Tlacopan war dabei kein einfacher privater Landbesitz. Sie begründete vor allem Ansprüche auf Leistungen einer zugewiesenen indigenen Bevölkerung. Wie solche Forderungen ausgeübt wurden, betraf die dort lebenden Menschen unmittelbar. Isabels wirtschaftliche Absicherung beruhte somit auf einer kolonialen Einrichtung, die zugleich die Arbeit anderer Haushalte beanspruchte.

Die Zuweisung knüpfte an ältere Verbindungen an: Isabel hatte mütterliche Verwandte in Tlacopan. Doch die Befugnis, ihre Ansprüche im neuen System anzuerkennen, lag nun bei den Eroberern und den von ihnen geschaffenen Stellen. Dynastischer Rang blieb wirksam, musste aber unter fremder Oberherrschaft geltend gemacht werden.

Schutz und persönliche Abhängigkeit

Vor der Ehe mit de Grado war Tecuichpotzin mit Cuauhtemoc verbunden gewesen. Cortés ließ ihn 1525 während seines Zuges nach Honduras hinrichten. Schon diese Erfahrung zeigt, wie wenig die Zugehörigkeit zum alten Herrscherhaus vor Gewalt schützte.

Nach de Grados Tod Anfang 1528 kam Isabel in Cortés’ Haushalt. Sie wurde von ihm schwanger. Die Verbindung entstand in einem erheblichen Machtgefälle: Cortés verfügte über militärische und politische Mittel, denen ihre Familie kaum entgegentreten konnte. Über Isabels Zustimmung ist daraus nichts zu gewinnen. Noch vor der Geburt verheiratete Cortés sie mit seinem Gefolgsmann Pedro Gallego de Andrade. Dieser machte zur Bedingung, dass Isabel die Encomienda von Tlacopan behielt. Die Einkünfte waren damit auch ein Gegenstand der Aushandlung ihrer nächsten Ehe.

Die Tochter Cortés’, Leonor, wuchs bei dessen Verwandten auf. Mit Gallego hatte Isabel später einen Sohn, Juan. Nach dem Tod dieses Mannes heiratete sie Juan Cano; die Ehe bestand bis zu ihrem Tod 1550. Kinder aus diesen Verbindungen konnten Ansprüche auf ihre Einkünfte erheben und ihre Stellung auf die Abstammung von Moctezuma zurückführen.

Die Ansprüche überleben die Person

Isabel verfügte innerhalb dieser Verhältnisse über eigene Handlungsmöglichkeiten. Sie unterstützte einen Augustinerkonvent aus den Einkünften ihrer Encomienda. In ihrem Testament ordnete sie die Freilassung der indigenen Versklavten an, die im Haushalt ihres Mannes dienten. Solche Verfügungen zeigen, dass sie Vermögen für eigene Zwecke einsetzen konnte, nachdem andere zuvor über ihre Ehen entschieden hatten.

In der kolonialen Hauptstadt blieb sie für indigene Zeitgenossen Tecuichpotzin, während Urkunden sie als christliche Adlige Isabel bezeichneten. Beide Namen verwiesen auf Beziehungen, die für ihre Nachkommen Bedeutung behielten. Mit ihrem Tod endete die Frage nicht, wem die Ansprüche aus Tlacopan zustanden und was die Herkunft von einem besiegten Herrscher unter spanischem Recht wert war.


Moderner Stammbaum Isabel Moctezumas
Moderne genealogische Übersicht zu Tecuichpotzin beziehungsweise Isabel Moctezuma

Zum Weiterlesen

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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Bildnachweis

Titel: Moctezuma II. und seine Kinder im Codex Cozcatzin. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

Stammbaum: Moderner Stammbaum Isabel Moctezumas. Wikimedia Commons, HJPD. CC BY-SA 3.0.

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