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Don Carlos von Texcoco – Ein christlicher Adliger vor dem Inquisitor

Historische Darstellung Juan de Zumárragas

Ende November 1539 wurde Don Carlos Ometochtzin aus Texcoco verbrannt. Der indigene Adlige war getauft und gehörte zur dortigen Herrscherfamilie. Bischof Juan de Zumárraga hatte als Inquisitor ein Verfahren gegen ihn geführt. Gerade seine christliche Zugehörigkeit machte es möglich, ihm Abweichung vom angenommenen Glauben vorzuwerfen.

Taufe begründet einen neuen Anspruch

Die Missionare wollten nach der Eroberung die Verehrung der bisherigen Gottheiten beenden. Angehörige führender Familien spielten dabei eine besondere Rolle. Ihre Taufe sollte den Gemeinden ein Vorbild geben und zeigen, dass die neuen religiösen Forderungen auch für Menschen hohen Ranges galten.

Mit dem christlichen Namen waren jedoch nicht sämtliche bisherigen Beziehungen und Kenntnisse verschwunden. In den Haushalten bestanden Erinnerungen an ältere Kulte fort. Welche Handlungen als erlaubte Gewohnheit oder als verbotene religiöse Praxis galten, entschieden nun zunehmend kirchliche Amtsträger.

Ein Zeuge warf Don Carlos vor, andere vom Gehorsam gegenüber den Franziskanern abbringen zu wollen. Er habe auf die überlieferte Weisheit seines Vaters und Großvaters verwiesen: Diese hätten viele Dinge vorausgesagt, aber nichts von dem gelehrt, was die Missionare nun verlangten. Im Verfahren wurde daraus der Vorwurf, er verbreite selbst religiöse Irrlehren. Die Anklage zielte damit auf den Einfluss eines getauften Adligen auf weitere Menschen.

Die Aussage ist eine Beschuldigung aus einem Strafverfahren. Sie gibt weder ein unabhängig mitgeschriebenes Gespräch noch das vollständige religiöse Leben Don Carlos’ wieder. Don Carlos war getauft und bewegte sich in den Einrichtungen der neuen Gesellschaft. Wie er christliche Lehren selbst mit älteren Überlieferungen verband, lässt sich aus dem Vorwurf nur begrenzt erschließen.

Der Rang verschärft den Fall

Ein Adliger aus Texcoco konnte innerhalb seiner Umgebung Einfluss ausüben. Für den Inquisitor erhöhte das die Bedeutung einer behaupteten Abweichung: Was ein gewöhnlicher Bewohner tat, konnte als persönlicher Verstoß gelten; bei einem führenden Mann ließ sich daraus eine Gefahr für die Bekehrung weiterer Menschen ableiten.

Das Verfahren griff zugleich in seine wirtschaftliche Stellung ein. Bei seiner Festnahme im Juli 1539 in Oztoticpac wurden auch seine Güter beschlagnahmt. Dazu gehörten kultivierte Flächen mit veredelten Obstbäumen und Weinstöcken. Don Carlos hatte sich an neuen Anbauverfahren beteiligt und mit einem spanischen Partner zusammengearbeitet. Solche Verbindungen boten ihm keinen Schutz gegen die religiöse Anklage.

Am 30. November wurde das Urteil auf dem Hauptplatz der kolonialen Hauptstadt verlesen und ins Nahuatl übertragen. Die Vollstreckung übernahm nach der kirchlichen Verurteilung die weltliche Justiz. Das öffentliche Zusammenwirken beider Gewalten machte den Fall auch für die versammelten Zuschauer zu einer Demonstration kolonialer Strafgewalt.

Die Hinrichtung sollte die Durchsetzbarkeit des neuen Glaubensanspruchs zeigen. Zugleich bedrohte sie ein Interesse der Kolonialherrschaft. Wenn eine Taufe die Menschen der Gefahr aussetzte, wegen noch unvollständiger Kenntnis oder fortbestehender Gewohnheiten als Abtrünnige getötet zu werden, konnte das andere von der Bekehrung abschrecken.

Die Krone bewertete Zumárragas Vorgehen kritisch. Neben der Sorge vor Unruhen stand die Frage, wie weit ein inquisitorisches Strafverfahren gegen erst kürzlich Bekehrte reichen durfte. Bei der Einrichtung des dauerhaften Tribunals 1571 wurde die indigene Bevölkerung von dessen Zuständigkeit ausgenommen. Kirchliche Verfahren gegen verbotene Kulte und andere Formen religiösen Zwangs bestanden jedoch unter anderen Zuständigkeiten fort. Don Carlos’ Fall gehört zur Vorgeschichte dieser Abgrenzung; er war kein Verfahren vor dem erst später geschaffenen Tribunal.

Nach seiner Hinrichtung stritten mehrere Parteien um die beschlagnahmten Güter. Sein spanischer Geschäftspartner beanspruchte die veredelten Bäume; Angehörige der Herrscherfamilie machten Rechte an den Grundstücken geltend. Für diese Auseinandersetzungen entstand die heute als Oztoticpac-Landkarte bekannte Darstellung. Sie verzeichnet Flächen und Anpflanzungen, deren Zuordnung mit dem Tod des Verurteilten neu umkämpft war. Der Ausgang des Besitzstreits ist unbekannt.


Oztoticpac-Landkarte von 1540, überlieferter Ausschnitt
Ausschnitt der Oztoticpac-Landkarte von 1540. Die Darstellung entstand im Zusammenhang mit den Besitzstreitigkeiten nach Don Carlos’ Tod.

Zum Weiterlesen

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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Bildnachweis

Titel: Historische Darstellung Juan de Zumárragas. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

Karte: Oztoticpac-Landkarte von 1540, überlieferter Ausschnitt. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

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