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Mexiko 1564 – Eine neue Abgabe löst Widerstand aus

Seite aus dem Codex Osuna von 1565

Im Januar 1564 wurde die indigene Bevölkerung von Mexiko-Stadt zu einer jährlichen Zahlung von 14.000 Pesos an die spanische Krone verpflichtet. Eine zusätzliche Maislieferung kam hinzu. Für den indigenen Gouverneur Don Luis de Santa María Cipactzin bedeutete die neue Regelung eine kaum lösbare Aufgabe: Er sollte Forderungen einziehen, gegen die er selbst Einspruch erhob.

Bereits belastet, jetzt anders besteuert

Die Bewohner waren zuvor keineswegs frei von Leistungen gewesen. Sie arbeiteten am Aufbau der kolonialen Hauptstadt und versorgten wichtige spanische Amtsträger sowie geistliche Einrichtungen. Solche Pflichten hatten örtliche Stellen innerhalb der Gemeinden verteilt. Eine allgemeine jährliche Geldabgabe dieser Art hatte dagegen bisher nicht bestanden.

Mit der neuen Forderung änderte sich auch die Form der Belastung. Arbeit ließ sich turnusweise auf Haushalte verteilen. Geld musste dagegen vorhanden sein oder durch Verkauf und bezahlte Tätigkeit beschafft werden. Wer wenig Land oder kaum verkäufliche Überschüsse besaß, konnte auf eine Zahlungsforderung nicht einfach mit mehr Ertrag reagieren.

Der königliche Visitator Jerónimo de Valderrama, ein zur Überprüfung der Verwaltung entsandter Inspektor, trieb die Erhöhung der Einnahmen voran. Vizekönig Luis de Velasco hatte die städtische Ausnahme zunächst verteidigt. Im Januar 1564 gab er dem Druck nach und bestätigte die neue Forderung. Die erste von drei Jahresraten sollte im Juli fällig werden. Die Entscheidung setzte somit einen nahen Termin, bis zu dem die Stadt Geld auftreiben musste.

Ein Gouverneur zwischen Krone und Gemeinde

Don Luis gehörte zur alten Dynastie: Er war ein Enkel Ahuizotls. Seine Stellung verband die koloniale Verwaltung mit einer weiterhin bedeutenden indigenen Familiengeschichte. Der Stadtrat, der Cabildo, musste nun die neue Forderung innerhalb einer Bevölkerung umsetzen, die von ihren Amtsträgern Schutz erwartete.

Sein Einspruch blieb erfolglos; ihm wurde Haft angedroht, falls er die Regelung nicht ausführte. Die spanischen Verantwortlichen konnten den Druck somit an den indigenen Gouverneur weitergeben. Für die Zahlenden wurde er zum sichtbaren Einnehmer einer Abgabe, die er nicht selbst beschlossen hatte.

Gleichzeitig gerieten Don Luis und weitere Amtsträger durch Beschwerden aus der Bevölkerung unter Druck. In einem Verfahren traten unter anderem der Bäcker Juan Daniel und der Schneider Pedro Macías aus Atzacualco auf. Die überlieferten Anklagepunkte wurden von spanischen Juristen mitgestaltet. Beschwerden über Belastungen konnten dadurch mit Vorwürfen verbunden werden, die vor allem in der Sprache kolonialer Aufsicht Gewicht besaßen.

Die Klagen gegen die örtlichen Adligen lenkten den Unmut zugleich auf andere Verantwortliche als die königliche Verwaltung. Gewöhnliche Bewohner hatten eigene Gründe, ihren Amtsträgern zu misstrauen. Die neuen Forderungen entstanden dennoch durch die Entscheidungen Valderramas und des Vizekönigs. Im Sommer traf der Druck zur Geldeinziehung außerdem mit Zwangsmaßnahmen für öffentliche Arbeiten zusammen.

Die Versammlung wird zum Aufruhr

Am 3. Juli wurden sieben Mitglieder des indigenen Rates festgenommen. Weitere Verhaftungen und der Verkauf von dreihundert Menschen in zeitlich begrenzten Zwangsdienst wurden angedroht, falls die Gemeinde nicht mitwirkte. Eine Woche später suchten bewaffnete Spanier Häuser nach Arbeitskräften ab. Don Luis berief daraufhin eine öffentliche Versammlung im indigenen Regierungsgebäude ein.

Dort ließ er seine erfolglosen Einsprüche gegen die neue Abgabe verlesen. Als schließlich die fällige Zahlung verkündet wurde, riefen Menschen, woher sie das Geld nehmen sollten. Eine alte Frau erhob weinend Protest. Nach dem Bericht eines anwesenden Nahua-Chronisten schlug die Versammlung in einen Aufruhr um: Ein Ratsherr verlor seinen Amtsstab und wurde angegriffen. Juan Cano, der Witwer Isabel Moctezumas, zog sein Schwert, um herauszukommen. Von der Straße flogen Steine gegen das Gebäude. Die Wut richtete sich auch gegen die örtlichen Vermittler, die den königlichen Befehl verkündeten.

Spanische Amtsträger und weitere Bewaffnete zerstreuten die Menge. Don Martín Cortés, der Sohn Hernán Cortés’ und Malintzins, war inzwischen als oberster Polizeibeamter eingesetzt worden. Er ließ durch einen Dolmetscher erklären, die Menschen sollten nach Hause gehen; andernfalls drohten Festnahme und Verkauf in die Unfreiheit. Seine indigene Abstammung machte ihn in dieser Situation zu keinem Sprecher der Protestierenden.

Sechsundvierzig Männer wurden festgenommen. Am 21. Juli führte man sie mit geschorenen Köpfen durch die Straßen und verabreichte ihnen zweihundert Peitschenhiebe. Danach mussten sie für zwei oder fünf Jahre Zwangsdienste leisten. Die öffentliche Strafe sollte auch diejenigen einschüchtern, die an der Versammlung teilgenommen hatten und unbestraft geblieben waren.

Bezahlen unter fortgesetztem Druck

Die Forderung bestand weiter. Ende September wurde Don Luis selbst für mehrere Tage eingesperrt, weil die Durchsetzung ausblieb. Nach seiner Freilassung ließ er Frauen auspeitschen, die gegen die Abgabe protestierten. Der Gouverneur gab den Zwang nun gegen Menschen weiter, deren Interessen er zuvor durch Einspruch vertreten hatte.

Anfang Oktober zogen örtliche Amtsträger von Haus zu Haus, um Geld einzunehmen. Frauen arbeiteten bis in die Nacht am Spinnen, damit verkäufliche Stoffe entstehen konnten. Am 14. Oktober zählte der Rat öffentlich 3.360 Pesos. Das war weniger als das geforderte erste Drittel der 14.000 Pesos, reichte aber für eine Teilzahlung an die königliche Kasse.

Nach der Ablieferung versammelten sich Vertreter der Stadtviertel erneut. Don Martín Ezmallin, ein Enkel Ahuizotls und damit ein Angehöriger der früheren Herrscherfamilie, klagte unter Tränen über die Forderung, Menschen ohne Land sollten zusätzliche Einkünfte aufbringen. Die Teilzahlung hatte der Gemeinde Zeit verschafft. Die Frage, aus welcher Arbeit die nächste Rate entstehen sollte, blieb bestehen.


Die drei verbündeten Städte im Codex Osuna
Darstellung der drei verbündeten Städte im Codex Osuna (16. Jahrhundert). Indigene Bildzeichen wurden weiterhin zur Dokumentation kolonialer Angelegenheiten verwendet

Zum Weiterlesen

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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Bildnachweis

Titel: Seite aus dem Codex Osuna von 1565. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

Handschrift: Die drei verbündeten Städte im Codex Osuna. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

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