Am westlichen Zugang zum Oslofjord trafen im 9. Jahrhundert Schiffe auf einen Platz mit Werkstätten und wiederholt genutzten Grundstücken. Kaupang lag bei Skiringssal im heutigen Vestfold. Seine Bewohner beteiligten sich an einem Austausch, der die norwegische Küste mit den Handelsräumen an Nord- und Ostsee verband.
Der Name Kaupang bezeichnet einen Handelsplatz. Bei Skiringssal lässt sich die Anlage um das Jahr 800 anhand regelmäßig aufgeteilter Grundstücke erschließen. Auf diesen Flächen standen kleine Gebäude, die über wiederholte Aufenthalte hinweg gebraucht wurden. Ein Handwerker konnte hier Material und unfertige Ware zurücklassen, wenn er mit weiteren Kunden rechnete. Die Werkstatt gab ihm einen festeren Bezug zum Ort als eine einmalige Landung.
Die Küste führt zum Markt
Für weite Teile Norwegens war die Fahrt entlang der Küste eine wichtige Verbindung. Steile Landschaften und Fjorde machten den Landweg aufwendig. Ein Schiff konnte Lasten tragen, die Menschen über Land nur schwer bewegten. Geschützte Ankerstellen waren dabei ebenso nötig wie Kenntnisse der Küstengewässer.
Kaupang lag günstig zu solchen Fahrten und zu den südlicheren Märkten. Daraus folgt nicht, dass jeder Händler persönlich vom nördlichsten Hof bis nach Friesland reiste. Waren konnten etappenweise den Besitzer wechseln. Ein Stück Rohmaterial belegt seine Ankunft, nicht die vollständige Reiseroute eines einzelnen Menschen.
Die Nähe zu Skiringssal verbindet den Markt mit einem Herrschaftsraum. Ein mächtiger Nachbar konnte Schutz bieten und am Austausch verdienen. Der genaue Umfang seiner Eingriffe lässt sich nicht wie in einem spätmittelalterlichen Zollregister nachlesen. Archäologische Ordnung und die Verbindung zu einem Herrschaftssitz geben Hinweise, ohne alle Zuständigkeiten offenzulegen.

Was am Ort zurückblieb
Mehrere hundert Bleigewichte aus Kaupang zeigen, wie häufig Händler Metallmengen bestimmen mussten. Waagen machten Silber unterschiedlicher Herkunft vergleichbar, auch wenn es nicht als örtliche Münze mit festem Nennwert umlief. Die Gewichte waren deshalb Arbeitsgeräte für wiederholte Geschäfte. Händler brauchten zudem eine Verständigung darüber, welcher Metallwert einer Ware entsprechen sollte; ein Messgerät allein legte ihren Preis noch nicht fest.
Gussformen und Tiegelreste belegen Metallverarbeitung am Ort. Besonders aufschlussreich ist ein Bleimodell für eine Schmuckform, die sonst als hochwertige Einfuhr galt. Handwerker in Kaupang konnten begehrte fremde Formen also selbst herstellen. Daneben wurde Bernstein bearbeitet. Solche Arbeiten fanden Abnehmer im Umland und unter Weiterreisenden; die Werkstätten lebten damit von mehr als dem Durchzug fertig eingeführter Waren.
Auch für diese Arbeiten musste Nahrung verfügbar sein. Die Höfe der Umgebung konnten den Platz versorgen und erhielten Zugang zu Waren, die sie selbst nicht herstellten. So waren Bauern und Fernfahrer am Markt aufeinander angewiesen.
Die Gräber in der Umgebung zeigen, dass sich der Platz nicht allein aus kurz anwesenden Männern auf Schiffen zusammensetzte. Unterschiedliche Bestattungen gehören zu einer länger am Ort verankerten Gesellschaft. Die Verbindung zwischen einem bestimmten Grab und einem bestimmten Arbeitsplatz lässt sich jedoch nur selten herstellen. Ein reicher Toter muss nicht der Eigentümer der nächstgelegenen Werkstatt gewesen sein.
Für die Forschung ist das Nebeneinander von Wohnspuren und Bestattungen trotzdem wertvoll. Es ermöglicht, die wirtschaftlichen Tätigkeiten mit den Lebensbedingungen von Menschen am Ort zu vergleichen. Der Markt war damit auch eine Lebenswelt, in der Familien Besitz weitergaben und Verstorbene betrauerten. Diese Bindung an den Platz konnte den jährlichen Wechsel der ankommenden Schiffe überdauern.
Ein Hafen bleibt veränderlich
Die Bewohner lebten mit den Jahreszeiten des Verkehrs. Im Winter boten sich andere Transportbedingungen als während längerer Seefahrten. Dauerhafte Nutzung einzelner Flächen schließt wechselnde Besucherzahlen nicht aus. Es wäre ebenso verfehlt, aus jedem Pfostenloch eine ganzjährig bewohnte Stadtwohnung zu machen, wie den gesamten Platz zu einem kurzen Jahrmarkt zu erklären.
Kaupangs große Zeit endete im 10. Jahrhundert. Die Ausgrabungen sprechen für eine ganzjährig genutzte Siedlung bis ungefähr 930; danach gingen Handel und Handwerk in geringerem Umfang bis etwa 970 weiter. Das jüngste anhand seiner Jahresringe datierte Holz markiert daher nicht unbedingt das Ende des Orts. Über die genaue Gewichtung der Ursachen wird geforscht. Veränderte Verkehrswege und herrschaftliche Schwerpunkte kommen infrage; eine lückenlose Geschichte eines abschließenden Angriffs besitzen wir nicht.
Zum Weiterlesen
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Michael Engelbrecht: Eine kurze Geschichte der nordischen Welt: von der Eiszeit bis heute*. Regionalgeschichte im GMEINER-Verlag.
Rudolf Simek: Die Wikinger*. C.H.Beck Wissen.
Anders Winroth: Die Wikinger: Das Zeitalter des Nordens. Übersetzt von Susanne Held.
Bildnachweis
Titel: Tiegel, Gussform und Metallreste aus Kaupang. Wikimedia Commons, Eirik Irgens Johnsen, Kulturhistorisk museum. CC BY-SA 4.0.
Abbildung: Platz eines Hallengebäudes bei Kaupang. Wikimedia Commons, Colliekar. CC BY-SA 4.0.




