Bei Klåstad nahe dem Oslofjord blieb das Wrack eines Frachtschiffs mit Schleifsteinen an Bord erhalten. Das Schiff wird auf 998 datiert und dürfte bald danach verunglückt sein. Die erhaltene Ladung lenkt den Blick auf eine Fahrt, deren Wert in gewöhnlichen Arbeitsgeräten lag. Solche Steine wurden gebraucht, um eiserne Schneiden zu schärfen. Ihr Gewicht machte den Transport über Wasser besonders sinnvoll.
Das Wrack unterscheidet sich von einem Schiffgrab. Niemand stellte es für die Erinnerung an einen Verstorbenen zusammen. Ein Unfall unterbrach die Nutzung eines Fahrzeugs. Dennoch erhalten auch Wracks nur einen Ausschnitt: Leicht bewegliche Güter können geborgen worden sein, organische Materialien vergingen.
Raum für schwere Ware
Der Rumpf war für den Warentransport geeignet. Die Rekonstruktion lässt auf eine Besatzung von ungefähr fünf bis sieben Menschen schließen, erheblich weniger als auf einem großen Ruderschiff. So blieb mehr Platz für Ladung und weniger Nahrung war für die Fahrt nötig. Beim Bewegen der schweren Ware oder beim Sichern des Fahrzeugs an Land standen allerdings entsprechend weniger Hände bereit. Ein Frachtschiff musste deshalb mit einer kleinen Mannschaft segelbar sein, während ein langes Ruderschiff viele Kämpfer rasch an eine Küste bringen konnte.
Schwere Ladung musste so verstaut werden, dass sie das Schiff nicht gefährdete. Ein verrutschender Stein konnte Schäden verursachen, eine ungünstige Verteilung das Fahrverhalten beeinträchtigen. Der Transport verlangte daher Sachkenntnis, die über die Navigation hinausging. Die genaue Beladungsroutine der Mannschaft ist nicht überliefert.
Die Ladung stammte aus Eidsborg in Telemark. Dort wurde geeignetes Gestein gewonnen und zu Schleifsteinen verarbeitet, bevor es einen Wasserweg erreichte. Sein Nutzen lag an den Schneiden von Messern und anderen Eisengeräten: Durch den Gebrauch stumpften sie ab und mussten erneut geschärft werden. Der letzte Seetransport verband das Abbaugebiet mit Kunden, die dieses Material nicht vor der eigenen Haustür fanden.
Vom Abbau in Telemark bis zur Entladung musste die Ware durch mehrere kundige Hände gehen. Am Steinbruch zählte die Auswahl brauchbarer Schichten, am Wasser ein geeigneter Umschlagplatz. Die Herkunft der Ladung lässt diese Arbeitskette erkennen, ohne einen Transportvertrag zu bewahren. Welche Route die letzte Fahrt nahm und wie die Mannschaft jeden Stein sicherte, ist nicht überliefert.
Die Ladung macht Handel sichtbar, auch wenn keine Silberzahlung erhalten blieb. Die gleichförmigen Steine konnten nach ihrer Auslieferung auf vielen Höfen über lange Zeit Werkzeuge brauchbar halten.

Ein Markt für den Gebrauch
Ein Schleifstein bekam seinen Wert durch wiederholte Benutzung. In einem Haushalt wurden Messer gebraucht; auch beim Holzbau mussten Werkzeuge scharf bleiben. Der Handel lebte deshalb nicht allein von seltenen Luxusgütern für einen kleinen Kreis. Er konnte Gegenstände bewegen, deren Abnehmer über viele Höfe verteilt waren.
Für den Kaufmann war schwere Ware eine andere Aufgabe als ein Beutel Silber. Er brauchte ein passendes Fahrzeug und genügend Nachfrage am Ziel. Ein Umweg oder längeres Warten kostete Zeit und Vorräte. Die günstige Lage eines Hafens war auch deshalb wichtig, weil dort Ware gelagert und an andere Transportmittel übergeben werden konnte.
Wie die Beteiligten Besitz und Gewinn untereinander aufteilten, sagt das Wrack nicht. Ein Schiff konnte mehreren Personen gehören; Ladungsanteile mussten nicht mit der Teilnahme an der Fahrt zusammenfallen. Spätere Rechtsaufzeichnungen erschließen solche Möglichkeiten, dürfen aber nicht als Vertrag dieser unbekannten Mannschaft ausgegeben werden.
Der Verlust bleibt am Ufer
Die Küstenlandschaft hat sich seit dem Untergang verändert. Die Lage der Fundstelle lässt sich daher nur mit Blick auf damalige Wasserstände verstehen. Ein heutiger Abstand zum offenen Wasser beschreibt nicht die Anfahrt des mittelalterlichen Schiffes.
Erfolgreich gelieferte Schleifsteine wurden im Gebrauch abgenutzt oder später fortgeworfen. Die Ladung von Klåstad blieb dagegen zusammen im Wrack liegen. So lässt sich ihre Herkunft aus Eidsborg noch mit einem bestimmten Frachtschiff verbinden.
Zum Weiterlesen
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Michael Engelbrecht: Eine kurze Geschichte der nordischen Welt: von der Eiszeit bis heute*. Regionalgeschichte im GMEINER-Verlag.
Rudolf Simek: Die Wikinger*. C.H.Beck Wissen.
Anders Winroth: Die Wikinger: Das Zeitalter des Nordens. Übersetzt von Susanne Held.
Bildnachweis
Titel: Das Klåstadschiff im Slottsfjellsmuseet in Tønsberg. Wikimedia Commons, Yvind. CC BY-SA 4.0.
Abbildung: Wetzsteine aus Eidsborg. Wikimedia Commons, Bitjungle. CC BY-SA 3.0.




