In Edirne ließ Mustafa 1421 Münzen in seinem Namen prägen. Er beanspruchte den osmanischen Thron als Sohn Bayezids I. Murad II., der nach dem Tod seines Vaters Mehmed die Herrschaft angetreten hatte, musste sich deshalb gegen einen Bewerber mit einem eigenen dynastischen Anspruch durchsetzen. Die spätere Bezeichnung „Düzme“, der angeblich falsche Mustafa, nahm bereits das Urteil seiner Gegner vorweg. Sie ist kein Beweis dafür, dass der Mann tatsächlich ein Betrüger war.
Ein Verwandter in fremder Obhut
Mustafa war nach der Schlacht bei Ankara von 1402 aus dem unmittelbaren Umfeld der osmanischen Regierung verschwunden. Verschiedene Quellen berichten von seiner Gefangenschaft bei Timur. Seine weiteren Wege lassen sich nicht durchgehend sicher verfolgen. Später trat er wieder als Thronbewerber auf und fand Unterstützung bei Gegnern Sultan Mehmeds I.
Mehmed konnte ihn militärisch schlagen, erhielt ihn aber nicht in seine Gewalt. Mustafa blieb unter byzantinischer Aufsicht. Für den Kaiser war ein lebender osmanischer Prinz wertvoll. Er musste ihn nicht selbst zum Sultan machen, um Druck auszuüben. Schon die Möglichkeit, ihn freizulassen, konnte den regierenden Herrscher zu Zugeständnissen bewegen.
Eine Vereinbarung begrenzte Mustafas Handlungsmöglichkeiten zu Mehmeds Lebzeiten. Dessen Tod 1421 änderte die Lage. Der junge Murad musste seinen Anspruch erst gegenüber den führenden Männern des Reiches behaupten. Mustafa konnte sich nun als älterer, vermeintlich übergangener Erbe gegen den jungen Sultan stellen. Die byzantinische Regierung unterstützte seine Rückkehr in die europäischen Provinzen.
Warum Rumelien wichtig war

Die osmanischen Besitzungen auf dem Balkan besaßen eigene militärische Führungsschichten. Grenzkommandeure hatten dort seit Generationen Gefolgschaften aufgebaut. Ein Sultan war auf ihre Truppen und ihre Ortskenntnis angewiesen. Wer ihre Unterstützung gewann, verfügte deshalb über mehr als eine Ansammlung einzelner Sympathisanten.
Mustafa konnte solche Männer auf seine Seite ziehen. Murads erster militärischer Versuch, ihn aufzuhalten, scheiterte. Der Bewerber setzte sich in Edirne fest und trat dort als Herrscher auf. Für seine Anhänger war das nicht zwangsläufig ein Angriff auf das Haus Osman. Sie konnten behaupten, gerade einem legitimen Mitglied dieses Hauses zu seinem Recht zu verhelfen.
Die kaiserliche Hilfe war allerdings an Erwartungen gebunden. Insbesondere Gallipoli besaß für Byzanz großen Wert, weil die Festung die Verbindung über die Dardanellen absicherte. Mustafa war nicht bereit, dem Kaiser sämtliche erhofften Vorteile zu überlassen. Damit entstanden Spannungen zwischen dem Bewerber und der Macht, die seine Rückkehr ermöglicht hatte. Seine eigene Regierung brauchte die Übergänge ebenso dringend wie Murads.
Der Krieg wechselt nach Anatolien
Mustafa zog Anfang 1422 über die Meerengen, um Murad auch in Anatolien zu schlagen. Dort konnte sich der Sultan auf verbliebene Anhänger stützen. Vor Ulubat sicherte Murad den Flussübergang. Zugleich nahm sein Befehlshaber Mihaloğlu Mehmed Kontakt zu den rumelischen Herren in Mustafas Heer auf. Mustafas wichtiger Verbündeter Cüneyd ließ sich durch das Versprechen gewinnen, seine Herrschaft im Gebiet von Aydın zurückzuerhalten.
Damit wurde aus der Gegenüberstellung zweier Heere ein Streit um die Gefolgschaft ihrer Befehlshaber. Mustafa zog sich wieder nach Europa zurück, während rumelische Verbände Murad anerkannten. Murad organisierte seinerseits eine Überfahrt mit genuesischer Hilfe und setzte die Verfolgung fort. Die italienischen Seefahrer waren damit unmittelbar an der Entscheidung eines osmanischen Thronstreits beteiligt. Ihre Unterstützung beruhte auf politischen und wirtschaftlichen Interessen, nicht auf einer festen gemeinsamen Front christlicher Mächte.
Mustafa wurde gefangen und 1422 an einem Festungsturm in Edirne gehängt. Der osmanische Chronist Aşıkpaşazade deutet die öffentliche Demütigung als Versuch Murads, den Gefangenen als falschen Prinzen vorzuführen. Andere Quellen erkennen ihn ausdrücklich als Bayezids Sohn an. Mustafas Münzen und seine zeitweilige Regierung in Edirne belegen seinen wirksamen Herrschaftsanspruch; seine Herkunft wurde schon von den Siegern bestritten.

Murad greift Konstantinopel an
Nach dem Sieg wandte sich Murad gegen den byzantinischen Kaiser. Dessen Eingriff hatte den Thronstreit erheblich verschärft. Eine Belagerung Konstantinopels sollte den Spielraum der kaiserlichen Regierung beschneiden und konnte zugleich die osmanische Herrschaft an den Meerengen stärken. Im Sommer 1422 erschienen Murads Truppen vor der Stadt.
Die Verteidiger besaßen weiterhin ihre mächtigen Landmauern. Das geschwächte Reich verfügte nur noch über begrenzte Mittel, doch eine gut befestigte Stadt verlangte dem Angreifer einen eigenen, aufwendigen Feldzug ab. Ein Sieg im offenen Thronkrieg ließ sich nicht einfach in einen Durchbruch durch die Befestigungen übersetzen. Murads Angriffe brachten keine Entscheidung.
Zugleich entstand in Anatolien eine neue Gefahr. Nun erhob sich ein jüngerer Mustafa, Murads Bruder, gegen ihn. Dieser Prinz darf nicht mit dem zuvor hingerichteten Thronbewerber gleichen Namens verwechselt werden. Gegner des Sultans konnten weiterhin einen Angehörigen der Dynastie unterstützen und dadurch Truppen binden, die sonst vor Konstantinopel geblieben wären.
Murad hob die Belagerung auf. Er musste zunächst seine Herrschaft in Anatolien sichern, bevor er erneut ein großes Unternehmen gegen die befestigte Kaiserstadt versuchen konnte. Konstantinopel entging damit 1422 der Eroberung. Die byzantinische Regierung hatte durch die Unterstützung osmanischer Bewerber Zeit gewonnen, zugleich aber einen Sultan gegen sich aufgebracht, der nun Edirne und die Überfahrten kontrollierte.
Zum Weiterlesen
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Douglas A. Howard: A History of the Ottoman Empire*. Cambridge University Press, 2017. Ordnet die fortdauernden Thronkonflikte in die Wiederherstellung des Reiches ein.
Suraiya Faroqhi: Geschichte des Osmanischen Reiches*. C.H.Beck, 2000. Bietet den Zusammenhang zwischen Balkanbesitzungen und anatolischer Herrschaft.
Bildnachweis
Titelbild: Die Landmauern Konstantinopels: Auch 1422 blieb die Stadt außerhalb von Murads Zugriff. Carole Raddato from FRANKFURT, Germany; Wikimedia Commons; CC BY-SA 2.0.
Abbildung: Murad II. in einer späteren Porträtdarstellung. Urheber unbekannt; Wikimedia Commons; CC0.
Abbildung: Eine Akçe im Namen Mustafas: Münzprägung machte einen Herrschaftsanspruch sichtbar. Uknown, numista; Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0.



