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Köln und die Ankunft der Drei Könige im Jahr 1164

Ein Brief markiert den Anfang dieser Geschichte. Im Sommer 1164 verließen Reiter das eroberte Mailand und brachten eine Nachricht an das Kölner Domkapitel, das Gremium der Domgeistlichen. Der Absender war der Erzbischof von Köln, Rainald von Dassel. Darin stand seine geplante Reiseroute, die ihn und seinen Tross über die Alpen und den Rhein nach Köln führen sollte. In den Kisten lagerten Gebeine, die er aus Mailand mitgenommen hatte und die bald als heilige Reliquien Aufmerksamkeit erhielten.

Die Spur der „Magier aus dem Osten“

Die Anbetung der Könige. El Greco, 1568

Die biblische Vorlage ist knapp. Das Matthäus-Evangelium erwähnt Weise aus dem Osten, die ein Kind in Bethlehem aufsuchten. Die spätere Tradition entwickelte aus ihnen Sterndeuter, später Könige, deren Namen und Merkmale sich im Mittelalter festigten. Sie verbanden die Geburt Christi mit Vorstellungen von weltweiter Herrschaft.

Über ihren Weg nach Europa gab es verschiedene mittelalterliche Erzählungen. Einige stellten einen Bezug zur Reise der Kaisermutter Helena her und erwähnten die Überführung von Heiligtümern nach Konstantinopel. Danach sollen die Gebeine nach Norditalien gelangt sein, möglicherweise im Umfeld spätantiker Machtwechsel. Schriftliche Belege aus Mailand setzen jedoch erst nach ihrer Ankunft in Köln ein.

Rainald von Dassel und die Mailänder Beute

Rainald von Dassel (1120-1167)

In dieses Geflecht aus Legenden und Machtansprüchen griff Rainald von Dassel ein. Im Jahr 1162 hatte Kaiser Friedrich Barbarossa Mailand nach langer Belagerung eingenommen. In den Wirren der Eroberung suchten die Truppen des Reichs nach Gegenständen, die im Sinne kaiserlicher Selbstdarstellung bedeutsam erscheinen konnten. Rainald, Erzbischof und zugleich Kanzler Barbarossas, nahm die Gebeine an sich. Ob sie zuvor in Mailand verehrt worden waren, lässt sich nicht eindeutig belegen. Ihre symbolische Kraft zeigte sich jedoch sofort und bot dem Hof ein wertvolles Instrument, das gut in das eigene Selbstverständnis passte.

Auf seiner Rückreise informierte Rainald das Domkapitel über die bevorstehende Ankunft. Die Nachricht verbreitete sich auch entlang der Routen über die Alpen. Einige Beobachter erwarteten einen Transport von Gewicht. Die Kisten erreichten Köln ohne Zwischenfälle. Dort nahm man sie an einem Mittwoch in feierlicher Form entgegen.

Die Wirkung auf Stadt und Reich

Dreikönigsschrein im Kölner Dom

Die Gebeine entfalteten in Köln eine starke Anziehungskraft. Aus dem Besitz einzelner Kisten entwickelte sich ein Pilgerziel, das im ganzen Reich Beachtung fand. Der Dreikönigenschrein entstand wenige Jahre später und verband kostbare Materialien mit einem architektonischen Rahmen, der die Bedeutung der Reliquien hervorhob. Der gotische Dom, dessen Bau in der Mitte des 13. Jahrhunderts begann, knüpfte unmittelbar an diese Tradition an und veränderte dauerhaft das Stadtbild.

Der Kaiser verstand sein Amt als göttlich gestiftet. Die Verehrung der Könige fügte sich in dieses Bild ein und stärkte den Anspruch eines Reiches, das sich religiös legitimierte. Köln wurde dadurch zu einem Ort, an dem Herrschaft, Religion und städtische Entwicklung eng zusammenwirkten. Als wenige Jahre nach der Ankunft der Gebeine Karl der Große offiziell heiliggesprochen wurde, gewann dieser Zusammenhang zusätzliche Strahlkraft. Die Krönungen römisch-deutscher Herrscher in Aachen erhielten durch diese Nähe eine tiefe symbolische Ebene.

Offene Fragen zur Echtheit

Die späte Erwähnung in italienischen Quellen und die unsichere Überlieferung aus spätantiken Jahrhunderten ließen schon im Mittelalter Fragen offen. In der Forschung wird weiterhin untersucht, wie diese Reliquien in das politische Klima der 1160er Jahre passten und welche Interessen mit ihrer Verehrung verbunden waren. Die Quellenlage bietet keine endgültige Antwort.

Die Geschichte zeigt, wie eng religiöse Traditionen, politische Ziele und städtische Entwicklungen verbunden waren. Die Gebeine erreichten Köln in einer Phase, in der viele Akteure ihre Stellung stärken wollten. Die Reliquien fügten sich in diesen Zusammenhang ein und hinterließen Spuren, die bis heute sichtbar bleiben.


Kölner Dom

Zum Weiterlesen

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Geary, Patrick (1991): Furta Sacra – Standardwerk zu Reliquienübertragungen im Mittelalter.*
Angenendt, Arnold (2007): Heilige und Reliquien – Überblick zur religiösen Kultur und Reliquienverehrung.*

Bildnachweis

Titel: Drei Könige, ca. 1490. Wikimedia Commons, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg.

Rainald von Dassel: Wikimedia Commons, Elya.

Alle weiteren Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.

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