Ein Feldherr wird Kaiser
Im August 582 übernimmt Maurikios den Thron in Konstantinopel. Der neue Kaiser kommt aus Arabissos in Kappadokien und hat sich als Feldherr bewährt. Unter Tiberios ist er an der Ostgrenze aufgestiegen, wo der Krieg gegen Persien seit Jahren Kräfte bindet.
Maurikios übernimmt ein Reich, das Geld braucht und an den Grenzen Soldaten verliert. Im Osten kämpft Byzanz weiter gegen die Perser. An der Donau drängen Awaren und Slawen auf die Balkanprovinzen. Der Kaiser muss entscheiden, wo er zuerst handelt. Er kann nicht überall zugleich stark sein.
Chosrau sucht Hilfe

An der persischen Front öffnet sich unerwartet ein Weg. 590 wird Chosrau II. aus seinem Reich vertrieben. Er flieht auf römisches Gebiet und bittet Maurikios um Hilfe.
Für Konstantinopel ist das eine heikle Entscheidung. Wer Chosrau unterstützt, greift tief in persische Machtkämpfe ein. Wer ihn abweist, lässt vielleicht einen Gegner stärker werden.
Maurikios entscheidet sich für Chosrau. Er schickt Truppen nach Osten und hilft ihm, den persischen Thron zurückzugewinnen. 591 endet der Krieg für Byzanz günstig. Chosrau gibt Gebiete zurück, die lange umkämpft waren. Auch regelmäßige Zahlungen an Persien fallen offenbar weg. Für Maurikios ist das ein großer Erfolg, denn er gewinnt an der Ostgrenze Ruhe.
Diese Ruhe verändert seine Möglichkeiten. Der Kaiser kann nun dorthin blicken, wo das Reich seit Jahren unter Angriffen leidet: auf den Balkan.
Der Kampf um die Donau
Auf dem Balkan haben Awaren und Slawen tiefe Spuren hinterlassen. Sirmium ist bereits verloren, und von dort aus greifen die Awaren weiter an der Donau an. Slawische Gruppen plündern und beginnen zudem, sich in manchen Räumen dauerhaft niederzulassen. Für Konstantinopel ist das gefährlich, weil der Weg zwischen Hauptstadt und Donau immer unsicherer wird.
Maurikios begibt sich selbst kurz an die Balkanfront, kehrt aber bald nach Konstantinopel zurück. Nach dem Frieden mit Persien verlegt er zusätzliche Kräfte nach Südosteuropa. Seine Feldherren greifen an und tragen den Krieg über die Donau. Priscus schlägt Gegner in Thrakien und Moesia. Petros, der Bruder des Kaisers, bekommt ebenfalls ein Kommando.
Die kaiserlichen Truppen gewinnen Boden. Sie nehmen verlorene Plätze zurück und setzen den Gegner nördlich der Donau unter Druck. Um 602 scheint die Linie an der Donau wieder besser gesichert. Für einen Moment wirkt es, als könne Byzanz den Balkan erneut fester an Konstantinopel binden.
Sparen auf Kosten der Soldaten
Maurikios gewinnt militärisch an Spielraum, zahlt dafür aber einen politischen Preis. Die Staatskasse bleibt angespannt. Schon 588 kürzt er die Leistungen für das Heer um ein Viertel. An der persischen Front reagieren Soldaten mit gefährlicher Unruhe. Der Kaiser setzt auf Disziplin, doch seine Männer erwarten ausreichende Versorgung und Rücksicht auf ihre Lage.
Auch später bleibt dieser Konflikt sichtbar. 599 weigert sich Maurikios nach der Überlieferung, zwölftausend Gefangene freizukaufen. Die Awaren töten sie daraufhin. Die Geschichte trägt zum Bild eines Kaisers bei, der dort spart, wo seine Soldaten Fürsorge erwarten.
Im Herbst 602 verlangt Maurikios von seinem Heer, jenseits der Donau zu überwintern. Aus militärischer Sicht soll der Befehl den erreichten Druck auf die Gegner aufrechterhalten. Für die erschöpften Soldaten ist er eine Zumutung. Sie sollen in feindlichem Gebiet bleiben, statt in Winterquartiere zurückzukehren.
Das Heer meutert

Das Heer gehorcht nicht mehr. Die Soldaten empören sich und machen den Offizier Phokas zu ihrem Anführer. Die Krone bieten sie zunächst Maurikios’ Sohn Theodosius oder dessen Schwiegervater Germanus an. Dann marschieren die Aufständischen auf Konstantinopel.
Auch in der Hauptstadt hat Maurikios Gegner. Seine Sparpolitik hat ihn unpopulär gemacht, und Teile der Stadt wenden sich gegen ihn. Maurikios flieht über den Bosporus. Am 23. November 602 wird Phokas im Vorort Hebdomon vor Konstantinopel zum Kaiser gekrönt.
Vier Tage später wird Maurikios getötet. Auch fünf seiner Söhne sterben. Phokas stützt sich nun auf das rebellierende Heer und sitzt selbst auf dem Kaiserthron.
Der Sturz, der Persien den Vorwand gab
Chosrau II. nutzt die Ermordung seines früheren Helfers. Maurikios hatte ihn einst auf den persischen Thron zurückgebracht; nun erklärt Chosrau dessen Sturz zum Anlass, den Krieg gegen Ostrom wieder aufzunehmen. Der Machtwechsel von 602 schlägt damit unmittelbar auf die Ostgrenze durch.
Phokas übernimmt einen Thron, dessen Vorgänger im Osten einen günstigen Frieden erreicht und an der Donau wieder Boden gewonnen hatte. Nun beginnt ausgerechnet mit Persien ein neuer Krieg. Acht Jahre später wird Herakleios Phokas stürzen – zu einem Zeitpunkt, an dem Chosraus Heere bereits immer tiefer in das Reich vordringen.
Zum Weiterlesen
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Peter Schreiner (2011): Byzanz. 565–1453 – Standardwerk zur politischen Geschichte des Byzantinischen Reiches von Justinian bis zum Fall Konstantinopels, mit klarer Chronologie und nüchterner Einordnung*.
Bildnachweis
Titel: Abbildung Maurikios, 15. Jhdt.
Münze Chosrau II.: Wikimedia Commons, World Imaging. CC BY-SA 3.0.
Münze Phokas: Wikimedia Commons, https://www.numisbids.com/n.php?p=lot&sid=3179&lot=851. CC BY-SA 3.0.




