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Karl V. und die Königswahl von 1519

Am 28. Juni 1519 wählten die Kurfürsten in Frankfurt am Main den neunzehnjährigen Karl einstimmig zum römisch-deutschen König. Der Gewählte hielt sich in Spanien auf. Seine Vertreter hatten um Stimmen geworben und hohe Zahlungen zugesagt; Bankiers stellten dafür die nötigen Kredite bereit. Karl trat die Nachfolge seines Großvaters Maximilian I. an. Auch Franz I. von Frankreich hatte sich um das Amt beworben. Die Kurfürsten hatten zwischen zwei mächtigen Herrschern entscheiden können – und sich von Karl Zusagen machen lassen, die seine künftige Regierung begrenzen sollten.

Ein großes Erbe und eine offene Nachfolge

Maximilian war am 12. Januar 1519 gestorben. Sein Enkel Karl vereinte bereits mehrere Herrschaften in seiner Hand. Von seinem Vater Philipp dem Schönen hatte er die burgundischen Länder mit den reichen Niederlanden übernommen. Seit 1516 führte er neben seiner Mutter Johanna den Königstitel in Kastilien und Aragón. Dazu gehörten Herrschaftsgebiete in Italien und die kastilischen Besitzungen in Amerika. Nun fiel ihm auch das österreichische Erbe zu.

Jeder dieser Herrschaftsbereiche besaß eigene Gesetze und Einrichtungen. Karl war erst 1517 auf die Iberische Halbinsel gekommen. Dort musste er mit den Cortes, den Versammlungen der Vertreter der einzelnen Königreiche, über seine Anerkennung und über Geld verhandeln. Johanna blieb Königin, während ihr Sohn die tatsächliche Macht ausübte.

Für die Nachfolge im Heiligen Römischen Reich galten wiederum andere Regeln. Das Königsamt vergaben sieben Kurfürsten. Zu ihnen gehörten die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln. Die weltlichen Stimmen führten der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Die Goldene Bulle von 1356 hatte ihre Stellung bei der Wahl festgeschrieben. Die Habsburger besaßen als österreichische Landesherren keine eigene Kurstimme.

Maximilian hatte noch zu Lebzeiten versucht, Karls Wahl vorzubereiten. Sein Enkel konnte sich auf die lange Verbindung seiner Familie mit dem Königs- und Kaiseramt berufen. Die Entscheidung lag aber bei Fürsten, die ihre eigenen Rechte verteidigten.

Franz I. bewirbt sich um das Kaiseramt

Franz I., 1527

Franz I., seit 1515 König von Frankreich, trat als Karls wichtigster Gegenspieler auf. Beide Herrscher hatten bereits Interessen in Italien, die sich schwer miteinander vereinbaren ließen. Karl herrschte über Neapel; Frankreich beanspruchte Einfluss in Oberitalien. Die Kaiserwürde versprach ihrem Träger zusätzliches Gewicht in diesen Auseinandersetzungen.

Der französische König schickte Gesandte zu den Kurfürsten und bot ihnen Geld für ihre Unterstützung. Auch Heinrich VIII. von England bemühte sich um das Amt, blieb jedoch gegenüber den beiden anderen Bewerbern im Hintergrund. Der Wettbewerb um die Nachfolge hatte damit früh die Reichsgrenzen überschritten.

Papst Leo X. unterstützte zeitweilig die französische Bewerbung. In Italien hätte ein Kaiser Karl zugleich als Herrscher von Neapel und als Oberhaupt des Reiches auftreten können. Für den Papst war das ein gewichtiger Grund, Karls weiteren Aufstieg mit Sorge zu verfolgen.

Karl konnte dem Anspruch seines Rivalen seine habsburgische Herkunft entgegenhalten. Seine österreichischen Erbländer gehörten zum Reich, und sein Großvater hatte dort jahrzehntelang regiert. Dennoch war auch Karl vielen künftigen Untertanen fremd. Er war am niederländischen Hof aufgewachsen und sprach vor allem Französisch. Er vertraute vorwiegend Ratgebern aus den burgundischen Ländern. Seine Vertreter mussten die Kurfürsten durch konkrete Zusagen für seine Bewerbung gewinnen.

Margarete arbeitet für ihren Neffen

Einen wichtigen Teil der Wahlwerbung organisierte Karls Tante Margarete von Österreich von den Niederlanden aus. Sie hatte nach Philipps Tod die Regentschaft für dessen Sohn geführt und kannte die europäischen Höfe aus eigener Erfahrung. Während Karl in Spanien blieb, verknüpften seine Beauftragten die Verhandlungen im Reich mit den Entscheidungen an seinem Hof.

Margarete erwog zeitweise, stattdessen Karls jüngeren Bruder Ferdinand vorzuschlagen. Nach ihrer Einschätzung könnten Papst und Kurfürsten ihn leichter akzeptieren als den Herrscher über die Niederlande und die spanischen Kronen. Die Überlegung zielte darauf, das Amt auch bei Widerstand gegen Karl im Haus Habsburg zu halten.

Karl wies diesen Vorschlag zurück. In seiner Antwort aus Barcelona begründete er, weshalb gerade seine großen Herrschaftsgebiete für seine Wahl sprächen. Mit ihrer Hilfe könne er seine Länder schützen und die Gegner des christlichen Glaubens bekämpfen. Maximilian habe immer wieder um die Mittel ringen müssen, die für solche Aufgaben nötig waren; er selbst könne auf eine breitere Grundlage zurückgreifen. Karl verstand die Bewerbung als Auftrag, den er persönlich erfüllen wollte.

Jakob Fugger stellt die Kredite bereit

Jakob Fugger, Gemälde von Albrecht Dürer, 1519

Für die Wahlwerbung wurden schließlich mehr als 800.000 Gulden aufgebracht. Den größten Anteil finanzierte das Augsburger Handelshaus Fugger: Es stellte mehr als eine halbe Million Gulden als Kredit zur Verfügung. Weitere Geldgeber trugen den Rest bei.

Jakob Fugger setzte damit eine Geschäftsbeziehung fort, die bereits unter Maximilian gewachsen war. Die Fugger hatten dessen Unternehmungen finanziert und dafür Zugang zu Erträgen aus dem Tiroler Bergbau erhalten. Sie verfügten über ein weitreichendes Handels- und Kreditgeschäft und konnten große Summen für einen politischen Auftrag mobilisieren.

Mit den Zahlungen sollten Stimmen gekauft werden. Karls Beauftragte arbeiteten dabei mit Zahlungsversprechen, die erst nach seiner Wahl eingelöst werden sollten. So erhielten die Empfänger einen unmittelbaren finanziellen Anreiz, den habsburgischen Bewerber tatsächlich zu unterstützen. Die Bankiers machten diese Zusagen glaubwürdig, weil sie die benötigten Mittel bereitstellten.

Für Karl waren die Gelder Schulden. Seine ererbten Länder boten zwar erhebliche Einnahmen, doch er konnte ihre Kassen kaum nach Belieben für seine Bewerbung einsetzen. Die Kredite erlaubten ihm, die für die Wahl benötigten Summen rechtzeitig aufzubringen. Die Rückzahlung belastete anschließend seine Finanzen.

Die Kurfürsten verlangen verbindliche Zusagen

Neben den Geldangeboten verhandelten die Kurfürsten über die Ausübung des Königsamtes. Sie verlangten eine Wahlkapitulation: eine schriftliche Vereinbarung, mit der sich der künftige Herrscher zu bestimmten Regierungsbedingungen verpflichtete. Karl sollte die bestehenden Rechte im Reich achten und den Fürsten Mitsprache gewähren.

Die Bedingungen betrafen auch die Besetzung von Reichsämtern und die Arbeit der Kanzlei. Ämter im Reich sollten mit Deutschen besetzt werden; für die Amtsgeschäfte waren Deutsch und Latein vorgesehen. Diese Forderungen richteten sich gegen die Befürchtung, Karl werde seine burgundischen oder spanischen Ratgeber auch im Reich an die entscheidenden Stellen setzen.

Zugleich wollten die Kurfürsten Einfluss auf seine Außenpolitik behalten. Sie verlangten außerdem die Beteiligung der Reichsstände an einem gemeinsamen Regierungsgremium, dem Reichsregiment. Zu den Reichsständen gehörten die Fürsten und weitere Herrschaftsträger, die auf den Reichstagen vertreten waren, darunter die Reichsstädte. Mit diesen Zusagen erkannte Karl an, dass andere Akteure an der Regierung mitwirken sollten.

Am Ende entschieden sich alle sieben Kurfürsten für Karl. Die Geldzusagen hatten seine Bewerbung erheblich gestärkt; die habsburgische Verbindung zum Reich und die ausgehandelten Regierungsbedingungen machten ihn zugleich zu einem Kandidaten, auf den sich die Wähler verständigen konnten. Franz I. verlor den Wettbewerb. Der Streit zwischen beiden Herrschern verlagerte sich bald wieder auf die europäischen Kriegsschauplätze.

Der gewählte König kommt ins Reich

Karl verließ Spanien im Mai 1520. Dort hatte seine Regierung bereits erheblichen Unmut ausgelöst. Viele Kastilier lehnten den Einfluss seiner auswärtigen Ratgeber ab und fürchteten, dass ihre Abgaben künftig für Unternehmungen außerhalb des Landes verbraucht würden. Die neuerliche Geldforderung vor seiner Abreise verschärfte den Widerstand. Während Karl nach Norden reiste, breitete sich in Kastilien der Aufstand der Comuneros aus, einer Bewegung, die vor allem von Städten getragen wurde.

Im Oktober 1520 wurde Karl in Aachen zum römisch-deutschen König gekrönt. Er führte nun den Titel eines erwählten römischen Kaisers. Die Krönung durch den Papst folgte erst 1530 in Bologna. Mit dem Wahlsieg und der Aachener Krönung konnte Karl bereits als Oberhaupt des Reiches handeln; die spätere päpstliche Zeremonie bestätigte seinen kaiserlichen Rang.

Im Januar 1521 eröffnete er den Reichstag in Worms. Dort erwarteten ihn Forderungen nach einer stärkeren Beteiligung der Reichsstände an der Regierung. Zugleich musste er sich mit Martin Luther befassen, dessen Lehren der Papst bereits verurteilt hatte. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise, einer der Wähler von 1519, schützte den Wittenberger Professor. Karl begegnete dem religiösen Konflikt damit unter den Augen jener Fürsten, deren Zustimmung ihm den Königstitel verschafft hatte.


Frankfurter Kaiserdom

Zum Weiterlesen

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Heimann, H.-D. (2025): Die Habsburger. Dynastie und Kaiserreiche.*

Rady, M. (2021): Die Habsburger. Aufstieg und Fall einer Weltmacht.*

Bildnachweis

Titel: Karl V., 1515.

Frankfurter Kaiserdom: Wikimedia Commons, rupp.de. CC BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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