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Journalismus, Ökonomie und Revolution – Karl Marx (1843-1849)

Im Herbst 1843 verlässt Karl Marx die deutschen Staaten. Die Rheinische Zeitung ist verboten, eine akademische Laufbahn ausgeschlossen, die politische Lage im preußischen Staat angespannt. Mit 25 Jahren geht er nach Paris. Der Schritt ist bewusst gewählt. Paris gilt als politisches Zentrum Europas, als Ort intensiver Debatten über Republik, Eigentum und soziale Reformen.

Die französische Hauptstadt zieht in diesen Jahren Emigranten aus ganz Europa an. Deutsche Publizisten, polnische Nationalaktivisten, italienische Republikaner und französische Sozialisten begegnen einander in Redaktionen und politischen Zirkeln. Marx arbeitet zunächst mit Arnold Ruge an den Deutsch-Französischen Jahrbüchern. Das Projekt erscheint 1844 und bleibt auf eine Ausgabe beschränkt. Dennoch markiert es eine klare Ausrichtung. Die Kritik richtet sich nun auf politische Institutionen und konkrete gesellschaftliche Verhältnisse.

In Paris beginnt Marx sich intensiv mit der politischen Ökonomie auseinanderzusetzen. Er studiert die Schriften von Adam Smith und David Ricardo und liest französische Sozialreformer wie Pierre-Joseph Proudhon. In den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 entwickelt er eine erste systematische Analyse der entfremdeten Arbeit. Arbeit erscheint dort als Grundlage gesellschaftlicher Produktion und als Prozess, in dem der Produzent das Produkt seiner Tätigkeit, den Produktionsvorgang und schließlich sich selbst verliert. Eigentum wird als Ausdruck bestimmter Produktionsverhältnisse verstanden, also als konkrete Form von Besitz, Arbeitsteilung und Kontrolle über Produktionsmittel.

Begegnung mit Friedrich Engels

Friedrich Engels (1820-1895), vermutlich in den 1840er-Jahren

Ende August 1844 trifft Marx in Paris erneut auf Friedrich Engels. Beide kannten sich bereits flüchtig, doch nun beginnt eine dauerhafte Zusammenarbeit. Die Begegnung im Café de la Régence führt zu intensiven Gesprächen, die sich über mehrere Tage erstrecken. Engels bringt detaillierte Kenntnisse der englischen Industriegesellschaft ein, die auf eigenen Beobachtungen beruhen. Seine empirischen Eindrücke ergänzen Marx’ theoretische Studien und verstärken dessen Hinwendung zur Analyse ökonomischer Zusammenhänge.

Die preußische Regierung beobachtet ihn auch im Ausland und drängt im Januar 1845 beim französischen Kabinett auf Maßnahmen gegen ihn. Kurz darauf wird Marx aus Frankreich ausgewiesen. Er geht nach Brüssel, wo er unter vergleichsweise stabilen Bedingungen arbeiten kann.

Brüssel und die Ausarbeitung einer Geschichtsauffassung

In Brüssel entsteht eine grundlegende Neuorientierung. Marx und Engels arbeiten an einer umfassenden Kritik der bisherigen deutschen Philosophie. In der später unter dem Titel Die deutsche Ideologie veröffentlichten Schrift formulieren sie eine materialistische Auffassung von Geschichte. Gesellschaftliche Formen werden aus den Bedingungen der materiellen Produktion erklärt, also aus der Art und Weise, wie Menschen ihren Lebensunterhalt herstellen und Arbeit organisieren. Bewusstsein erscheint als Ergebnis dieser sozialen Praxis, nicht als deren Ausgangspunkt.

Diese Überlegungen bleiben nicht theoretisch isoliert. Marx beteiligt sich an politischen Netzwerken und organisiert sogenannte Korrespondenzkomitees, die den Austausch zwischen sozialistischen Gruppen in verschiedenen Ländern koordinieren sollten. Theorie und politische Organisation greifen hier unmittelbar ineinander.

Der Bund und das Manifest

Manusskript-Seite „Manifest der Kommunistischen Partei“, 1847

Im Frühjahr 1847 treten Marx und Engels dem Bund der Gerechten bei, einer internationalen Arbeitervereinigung mit egalitärem Selbstverständnis. Auf dem ersten Kongress im Juni 1847 wird die Organisation in Bund der Kommunisten umbenannt und programmatisch neu ausgerichtet. Marx erhält den Auftrag, ein Grundsatzdokument zu verfassen. Anfang 1848 erscheint das Manifest der Kommunistischen Partei. Der Text beschreibt die industrielle Gesellschaft als durch soziale Gegensätze strukturiert und ordnet diese historisch ein.

Im Jahr 1848 brechen in mehreren europäischen Staaten Revolutionen aus. In Paris wird die Monarchie gestürzt, in den deutschen Staaten treten Nationalversammlungen zusammen. Marx kehrt im Frühjahr 1848 nach Köln zurück und gründet die Neue Rheinische Zeitung. Das Blatt analysiert die politischen Entwicklungen, unterstützt demokratische Forderungen und kommentiert die wirtschaftlichen Spannungen der Zeit.

Die Zeitung gerät rasch unter Druck. Am 16. Mai 1849 erhält Marx die Ausweisungsverfügung. Die letzte Ausgabe der Neuen Rheinischen Zeitung erscheint am 19. Mai 1849. Kurz darauf muss er Köln verlassen.

Übergang nach London

Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris geht Marx im August 1849 nach London. Dort wird er den größten Teil seines weiteren Lebens verbringen. Die Auseinandersetzung mit Arbeit, Eigentum und Produktion tritt nun dauerhaft in den Vordergrund. Die Revolutionen liefern ihm Erfahrungen über politische Bewegungen und ihre Grenzen.

In London beginnt Marx, diese Erfahrungen systematisch auszuwerten. Die Analyse der kapitalistischen Produktionsweise wird zum Zentrum seiner Arbeit.


Zum Weiterlesen

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Karl Marx (2013): Werke, Schriften: Frühe Schriften, Politische Schriften, Ökonomische Schriften. 6 Bände.*

Karl Marx (2014): Ökonomisch-philosophische Manuskripte.*

Karl Marx, Friedrich Engels (2009): Manifest der Kommunistischen Partei.*

Gareth Stedman Jones: Karl Marx: Die Biographie.*

Bildnachweis

Titel: Panorama Paris, um 1865.

Alle Bilder gemeinfrei.

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