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David – Vom Söldnerführer zum König

Serie: Am Anfang war kein Staat – Das alte Israel

Ein Aufsteiger im Grenzgebiet

David mit dem Kopf Goliaths, Gemälde von Michelangelo, 1605. Goliath ist außerhalb der Bibel kaum greifbar

Die biblische Überlieferung erzählt von David als Hirtenjungen aus Bethlehem, der durch seine Tapferkeit an den Hof Sauls gelangte. Historisch greifbar wird er erst als Anführer einer kleinen Söldnertruppe. Seine Anhänger bestanden aus Menschen, die in der Gesellschaft keinen Platz fanden: Schuldner, Flüchtige, Abenteurer. Mit ihnen zog David durch das Grenzgebiet zwischen Juda und den Philistern.

Die Texte schildern, wie David zunächst im Dienst Sauls stand, sich dann aber gegen ihn stellte. Um seine Position zu sichern, suchte er Schutz bei den Philistern, die Israels erbitterte Gegner waren. Dort erhielt er die Stadt Ziklag als Stützpunkt. Diese Episode zeigt Davids Geschick, zwischen unterschiedlichen Mächten zu manövrieren und aus unsicheren Verhältnissen Vorteile zu ziehen.

König in Hebron

Nach Sauls Tod setzte sich David in Hebron durch, zunächst als König über Juda. Seine Herrschaft gründete sich weniger auf einen rechtmäßigen Anspruch als auf politische Netzwerke und militärische Stärke. Erst später gelang es ihm, auch die nördlichen Stämme an sich zu binden. Damit entstand zum ersten Mal eine größere politische Einheit in der Region.

Ein entscheidender Schritt war die Eroberung Jerusalems. Die Stadt gehörte keinem der Stämme und lag an einer strategisch günstigen Stelle zwischen Nord und Süd. Indem David sie zur Hauptstadt machte, schuf er einen neuen politischen Mittelpunkt. Zugleich brachte er die Lade mit den Kultgegenständen nach Jerusalem. Damit verband er seine Herrschaft mit religiöser Legitimation.

Die Archäologin Eilat Mazar hat diese Stätte als Palast Davids in Jerusalem ausgemacht. Allerdings ist ihre These umstritten und andere Archäologen gehen von einer Fehldatierung der Keramik aus.

Spannungen und Kritik

Älteste Inschrift über David, Tel Dan, ca. 840 v. Chr.

Die Quellen lassen erkennen, dass Davids Herrschaft nicht unumstritten war. Aufstände und Rivalitäten begleiteten seine Zeit als König, darunter der Aufstand seines Sohnes Absalom. Auch die Prophetenstimmen der Bibel zeigen ein kritisches Bild. Sie betonen, dass der König nicht uneingeschränkt handeln durfte, sondern sich an göttliche Weisungen zu halten hatte.

Archäologische Belege für ein Großreich unter David fehlen. Wahrscheinlich war sein Herrschaftsbereich überschaubar, doch seine Rolle als militärischer Anführer und politischer Taktiker hat Spuren hinterlassen. In späteren Zeiten wurde er zur Leitfigur, zum Ideal eines Königs, an dem sich jüdische und christliche Traditionen bis heute orientieren.


Zum Weiterlesen

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Manfred Clauss (2009): Geschichte des alten Israel.*

Bildnachweis

Titel: Königspalast Davids? Wikimedia Commons, Jprg1966.

Königspalast Davids: Wikimedia Commons, Jprg1966.

Tel-Dan-Inschrift: Wikimedia Commons, Schreiber.

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