
Es begann mit einem Massaker. In Cenabum, dem heutigen Orléans, erschlugen die Karnuten zu Beginn des Jahres 52 v. Chr. die dort ansässigen römischen Händler. Nach Caesars Bericht war die Nachricht noch vor Mitternacht rund 160 römische Meilen weit gelangt – ein Fanal, das durch halb Gallien lief. Was die Römer für befriedet gehalten hatten, stand in Flammen.
An die Spitze des Aufstands trat ein junger Adliger der Arverner: Vercingetorix. Sein Vater hatte einst über weite Teile Galliens geboten und war getötet worden, weil man ihn verdächtigte, nach der Königswürde zu greifen. Zunächst aus Gergovia vertrieben, der Hauptstadt seines Stammes, kehrte er zurück und ließ sich von seinen Anhängern zum König ausrufen. Er kannte die Römer – und Caesar kannte ihn.
Verbrannte Erde

Vercingetorix führte den Krieg anders als Caesars bisherige Gegner. Statt die Entscheidung in der offenen Feldschlacht zu suchen, nahm er den Römern die Lebensgrundlage: Er ließ das Land verwüsten und die Vorräte vernichten. Auf seinen Befehl steckten allein die Bituriger an einem einzigen Tag zwanzig ihrer eigenen Städte in Brand. Eine einzige verschonten sie, nach dringenden Bitten ihrer Fürsten – Avaricum, das heutige Bourges.
Die Ausnahme wurde ihr Verhängnis. Caesar belagerte die Stadt bei bitterer Kälte und knappem Nachschub, nahm sie im Sturm, und nach seinem eigenen Bericht überlebten von etwa 40.000 Menschen nur wenige Hundert. Es sah weniger nach kühlem Kalkül aus als nach dem Zorn ausgezehrter Legionäre.
Der Rückschlag von Gergovia
Dann kam Caesars erste echte Niederlage in Gallien. Vor Gergovia, der Bergfeste des Vercingetorix, scheiterte ein römischer Angriff im unwegsamen Gelände; der Rückzug kostete rund 700 Legionäre und 46 Zenturionen das Leben. Schwerer noch wog, was zur selben Zeit geschah: Die Häduer, Roms wichtigste und lange treueste Verbündete in Gallien, fielen von Caesar ab und schlossen sich dem Aufstand an. Zum ersten Mal stand fast ganz Gallien gegen ihn.
Die Entscheidung bei Alesia
Vercingetorix zog sich mit seinem Heer in die befestigte Höhensiedlung Alesia zurück. Caesar ließ die ganze Anhöhe einschließen und zog zwei Befestigungsringe: einen nach innen gegen die Eingeschlossenen, einen nach außen gegen das erwartete Entsatzheer. In wenigen Wochen entstanden kilometerlange Doppelwälle mit Gräben und Türmen, davor ganze Felder aus versteckten Spitzpfählen und Fallgruben.

Die Zahlen, die Caesar nennt, sind gewaltig – und mit Vorsicht zu lesen. Drinnen hielten rund 80.000 Mann unter Vercingetorix; draußen sammelte sich ein gallisches Entsatzheer, das er auf 250.000 Fußkämpfer und 8.000 Reiter beziffert. Dazwischen standen Caesars rund zehn Legionen samt Reiterei und Hilfstruppen, die zugleich nach zwei Seiten kämpfen mussten.
Über Tage brandeten die Angriffe gegen beide Ringe. Der gefährlichste kam von außen: Vercassivellaunus, ein Vetter des Vercingetorix, warf sich mit ausgesuchten Kriegern gegen eine Schwachstelle im nördlichen Abschnitt. Als die Linie zu brechen drohte, griff Caesar persönlich ein – im Getümmel an seinem roten Feldherrnmantel erkennbar, den er stets in der Schlacht trug. Zugleich ließ er seine Reiterei den Angreifern in den Rücken fallen. Zwischen zwei Fronten gefangen, brachen die Gallier und wurden niedergemacht; das Entsatzheer löste sich auf.
Am nächsten Tag war alles vorbei. Vercingetorix ergab sich. Nach Plutarch legte er seine beste Rüstung an, ritt aus der Stadt, umkreiste Caesar und legte ihm die Waffen zu Füßen. Caesar selbst hielt den Vorgang in seinem Kriegsbericht knapp: Vercingetorix wurde ausgeliefert, die Waffen wurden niedergelegt.
Was Alesia entschied
Mit Alesia war der große Aufstand gebrochen, auch wenn einzelne Kämpfe bis ins folgende Jahr weitergingen. Gallien war entschieden. Caesar zeigte sich mild, wo es ihm nutzte: Die Gefangenen der Häduer und Arverner gab er frei, statt sie zu verkaufen – er brauchte diese mächtigen Stämme als Verbündete. Die übrigen Gefangenen verteilte er als Kriegsbeute unter seinen Soldaten.
Vercingetorix nahm ein anderes Ende. Rund sechs Jahre hielt man ihn gefangen; dann führte man ihn 46 v. Chr. in Caesars Triumphzug durch Rom und richtete ihn anschließend hin – wahrscheinlich durch Erdrosseln.
Für Caesar war der Sieg mehr als ein militärischer. Er verfügte nun über ein kriegserprobtes Heer, das eng an ihn persönlich gebunden war, und über einen Ruhm, der ihn endgültig auf eine Stufe mit den größten Feldherren der Republik stellte. Genau das verfolgte man in Rom mit wachsendem Misstrauen. Der Krieg in Gallien war gewonnen – der eigentliche Kampf um Caesars Platz in der Republik hatte noch nicht einmal begonnen.
Zum Weiterlesen
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Marieluise Deißmann, Gaius Iulius Caesar (2023): De bello Gallico / Der Gallische Krieg: Lateinisch/Deutsch.*
Christian Meier (2018): Caesar. – zentrale Grundlage für Caesars politischen Aufstieg.*
Luciano Canfora (2001): Caesar – Der demokratische Diktator – Eine Biographie .*
Bildnachweis
Titel: Vercingetorix und Caesar, Gemälde von 1899.
Feldzug-Karte: Wikimedia Commons, Emilius123.
Vercingetorix-Statue: Wikimedia Commons, Fabien1309.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




