Hoch über der ligurischen Küste, auf dem Pass von La Turbie, stand ein Monument mit mächtigem quadratischem Unterbau und zylindrischem Obergeschoss, dessen Inschrift Plinius der Ältere noch gelesen hat. Sie nannte die Namen von annähernd fünfzig Alpenvölkern, die Augustus besiegt hatte, eines nach dem anderen, in einer Liste, die den Betrachter des Denkmals zwang, die Zahl der unterworfenen Völker abzuzählen. Das Wort Frieden kam darauf nicht vor.
Der Befund ist typischer, als er wirkt. Was die moderne Literatur seit Langem Pax Augusta nennt, war zur Zeit des Augustus kaum eine geläufige Formel. Die Wendung taucht gelegentlich in Weihungen auf, die Privatleute oder städtische Amtsträger in Italien und den Provinzen stifteten; eine Losung der Regierung war sie nicht. Augustus selbst zählt in seinem Tatenbericht Triumphe, Kaiserakklamationen und unterworfene Völker auf und rühmt sich, dreimal die Tore des Ianustempels geschlossen zu haben – ein Signal nicht für dauerhaften Frieden, sondern dafür, dass die jeweils laufenden Kriege gewonnen waren.
Achtundzwanzig Legionen

Nach Actium standen Augustus rund sechzig Legionen zur Verfügung, ein Bestand, den kein Staatshaushalt tragen konnte und den kein Herrscher an einem Ort dulden wollte. Bis zur Mitte der Regierungszeit war die Zahl auf achtundzwanzig gesunken. Die Nummerierung reichte von I bis XXII, mit Doppelungen, weil Verbände des Antonius nach Actium in eine bereits geschlossene Reihe aufgenommen wurden. Die höchste Nummer trug die Legio XXII Deiotariana, benannt nach dem galatischen König Deiotarus, der einst Truppen nach römischem Muster ausgehoben hatte; sie dürfte ihre Ziffer spätestens 25 v. Chr. erhalten haben, als Galatien Provinz wurde. Damit stand die augusteische Legionsreihe früh fest, und die ältere Annahme, der Bestand sei im Lauf der Regierung schrittweise aufgestockt worden, lässt sich nicht halten.
Die Legionen lagen in den Grenzprovinzen, überwiegend in jenen, die Augustus durch eigene Legaten verwalten ließ. Wo gekämpft wurde, rückten sie nach, und wo befriedet war, wurde ausgedünnt: Spanien hatte in den zwanziger Jahren über sieben Legionen, um 14 n. Chr. nur noch drei, Ägypten zunächst drei, später zwei.
Was ein Soldat erwarten durfte
Die wesentliche Neuerung war der Vertrag zwischen Herrscher und Mannschaft. In der späten Republik waren sechs Jahre die Höchstdauer gewesen, für die ein Bürger ohne Unterbrechung herangezogen werden konnte, doch die Bürgerkriege hatten dies faktisch aufgehoben, und die Veteranen hatten ihren Unmut darüber bei jeder Gelegenheit deutlich gemacht – am eindrucksvollsten 30 v. Chr. in Brundisium, wo sie sofortige Entlassung verlangten. Zwischen 16 und 14 v. Chr. beaufsichtigten Augustus und Agrippa noch einmal ein großes Programm von Koloniegründungen in den Provinzen, vermutlich für jene Männer, die sich nach Actium hatten anwerben lassen.
Nach seiner Rückkehr nach Rom setzte Augustus 13 v. Chr. die Dienstzeit auf sechzehn Jahre fest, denen vier Jahre in der Reserve folgten. Wer sie überstand, erhielt Geld statt Land. Cassius Dio lässt erkennen, dass die Soldaten Land vorgezogen hätten, doch neue Kolonien in Italien waren politisch nicht mehr durchsetzbar; die Enteignungen der Bürgerkriegsjahre steckten den Betroffenen noch in den Knochen. Im Jahr 5 n. Chr. wurde die Dienstzeit auf zwanzig Jahre plus fünf in der Reserve verlängert und die Abfindung offenbar auf 3.000 Denare erhöht.
Damit war ein Finanzierungsproblem geschaffen, dessen Lösung Augustus 6 n. Chr. durchsetzte: eine eigene Militärkasse, das aerarium militare, das er mit privatem Geld anschob und anschließend aus einer fünfprozentigen Erbschaftssteuer speiste. Beliebt war diese Steuer bei den Bürgern nicht. Die Soldaten wiederum betrachteten Sold wie Abfindung als Leistung des Herrschers persönlich, unabhängig davon, aus welcher Kasse das Geld tatsächlich floss. Für die Prätorianer in Rom galten kürzere Fristen, zunächst zwölf Jahre, ab 5 n. Chr. sechzehn; heiraten durfte während der Dienstzeit vermutlich keiner von ihnen.
Die Alpen, die Donau und ein Feldzug, der nie stattfand
Militärisch war die Regierungszeit alles andere als ruhig. Augustus’ Feldherren drangen über den ersten Nilkatarakt hinaus und marschierten nach Arabien. Armenien hielt man in indirekter Abhängigkeit; Iudaea wurde 6 n. Chr. nach der Absetzung des Herodes Archelaos auf Entscheidung des Augustus zur Provinz. Im Nordwesten wurde Spanien endgültig unterworfen. Die Unterwerfung der Alpenvölker erstreckte sich von 25 bis 14 v. Chr. und wurde von mehreren Feldherren betrieben; Tiberius und sein Bruder Drusus unterwarfen 15 v. Chr. vor allem die Raetier und Vindeliker. Das Denkmal von La Turbie erinnerte an die gesamte Eroberung des Alpenraums in dieser Zeit. An der Donau entstand die Grundlage für die späteren Provinzen, am Rhein überschritten römische Verbände den Fluss, legten Garnisonen in Germanien an und stießen bis zur Elbe vor. Kein Vorgänger hatte in vergleichbarem Umfang erobert.
Aufschlussreich ist gerade der Feldzug, der ausblieb. Dreimal ließ Augustus durchblicken, eine Expedition gegen Britannien stehe bevor, zuletzt 26 v. Chr.; jedes Mal kam etwas dazwischen, ein Aufstand in Dalmatien, unruhige Verhältnisse in Gallien, zuletzt der Krieg gegen die Kantabrer. Zeitgenossen hielten die Eroberung der Insel für ausgemacht, was sich schon bei Vergil ablesen lässt und ebenso bei Horaz wie bei Properz wiederkehrt. Aufgegeben wurde das Projekt schließlich mit einer Begründung, die sich sehen lassen konnte: Britannische Könige hätten Gesandtschaften geschickt und auf dem Kapitol geopfert. Das ließ sich als Unterwerfung verbuchen und war erheblich billiger.
Ob Augustus dem Reich bewusst Grenzen setzte, ist umstritten und hängt an wenigen Zeugnissen. Ein Schriftstück, das nach seinem Tod im Senat verlesen wurde und den Rat enthielt, das Reich in seinen Grenzen zu halten, ist in seiner Echtheit zweifelhaft; Tiberius hatte gute Gründe, für seine eigene Zurückhaltung eine Empfehlung des Vorgängers vorweisen zu können.

Das Marsfeld
Während Augustus an den Grenzen operierte, baute Agrippa das Machtzentrum in Rom um. Auf dem Marsfeld entstand ein zusammenhängender Komplex öffentlicher Bauten, dessen Kern die Saepta Iulia bildete, ein großer offener Abstimmungsplatz mit seitlichen Säulenhallen und ursprünglich ein Projekt Caesars. Dazu kamen große Bäder mit angeschlossener Parkanlage und das Pantheon. Agrippa wollte diesen Tempel Augusteum nennen und eine Statue des Augustus darin aufstellen, womit der Herrscherkult in Rom selbst Fuß gefasst hätte. Augustus lehnte ab; seine Abwesenheit ersparte beiden die Peinlichkeit einer offenen Auseinandersetzung.

Was Agrippa in Rom betrieb, war zugleich Versorgungspolitik. Seit seiner ungewöhnlichen Ädilität von 33 v. Chr., die er als bereits gewesener Konsul übernommen hatte, kümmerte er sich um die Wasserleitungen der Stadt; die Aqua Virgo wurde am 9. Juni 19 v. Chr. eröffnet. Er tat das über zwanzig Jahre hinweg ohne jede förmliche Zuständigkeit. Erst 11 v. Chr., ein Jahr nach seinem Tod, ernannte Augustus einen curator aquarum, dem zwei senatorische Helfer (adiutores) zur Seite standen. Dies sicherte rechtlich ab, was Agrippa zuvor auf Zuruf erledigt hatte. Ähnlich verfuhr man mit der Getreideverteilung, für die seit 22 v. Chr. ehemalige Prätoren zuständig waren, und mit den Straßen Italiens ab 20 v. Chr.
Ziegel und Marmor
Augustus selbst hatte bereits 28 v. Chr. zweiundachtzig Tempel der Stadt wiederherstellen lassen, wie er im Tatenbericht vermerkt. Sueton legt ihm die Bemerkung in den Mund, er habe eine Stadt aus Ziegeln vorgefunden und eine aus Marmor hinterlassen. Der Satz beschreibt weniger einen Baustil als eine Methode: Der öffentliche Raum Roms wurde Schritt für Schritt mit Bauten besetzt, die auf den Herrscher verwiesen.

Am deutlichsten zeigt das die Anlage, die er sich selbst widmete. Den Tempel des Mars Ultor, des rächenden Kriegsgottes, hatte er vor der Schlacht bei Philippi gelobt, fertig wurde er erst 2 v. Chr. Von da an versammelte sich der Senat dort, wenn Krieg erklärt oder ein Triumph zuerkannt werden sollte, und jeder Feldherr trat von diesem Punkt aus den Marsch ins Feld an. Das umgebende Forum Augustum diente als Verwahrort erbeuteter Waffen. In der Mitte stand die Statue des Prinzeps auf einem Triumphwagen, an den Flanken zwei Reihen von Standbildern: auf der einen Seite die großen Männer der Republik mit Inschriften, die ihre Feldzüge und Triumphe verzeichneten, ihnen gegenüber Aeneas und die Ahnen des julischen Hauses.
Der Altar an der Via Flaminia
Als Gegenstück zu dieser Bildsprache gilt gemeinhin die Ara Pacis. Der Senat beschloss den Altar 13 v. Chr., und zwar aus Anlass der Rückkehr des Augustus aus Spanien und Gallien; geweiht wurde er am 30. Januar 9 v. Chr. Wer die Reliefs betrachtet, findet allerdings keinen Gegensatz, sondern eine sorgfältige Paarung. Der gewöhnlich als Aeneas gedeuteten Tafel auf der Westseite, die ein Opfer nach der Ankunft in Latium zeigt, entspricht eine Tafel mit Mars, dem Vater von Romulus und Remus. Auf der Ostseite steht der Göttin mit den Zeichen der Fruchtbarkeit eine Roma gegenüber, die auf einem Waffenhaufen ruht. Der Frieden erscheint hier nicht als Alternative zum Krieg, sondern als dessen Ertrag.
Der ägyptische Obelisk, den Augustus als Gnomon einer monumentalen Sonnenmeridianlinie auf dem Marsfeld aufstellen ließ, erinnerte an die Unterwerfung Ägyptens. Edmund Buchner hatte rekonstruiert, dass sein Schatten am 23. September, dem Geburtstag des Augustus, genau auf die Mitte der Ara Pacis gefallen sei. Die These einer flächigen Riesensonnenuhr gilt heute jedoch als widerlegt und traf auf erhebliche Einwände; man sollte sie nicht als gesicherten Befund behandeln.
Am Ende der Regierungszeit standen fünfundzwanzig Legionen unter Waffen. Die drei, die 9 n. Chr. mit Varus in Germanien untergingen, wurden nicht ersetzt, und auch die Ausweitung des Herrschaftsgebiets führte zu keiner Aufstockung: Die Kosten hätten es nicht zugelassen – die sogenannte Pax Augusta war letztlich kein idealer Friedenszustand, sondern ein durch knappe militärische Ressourcen teuer erkaufter Status quo.

Zum Weiterlesen
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Eck, W. (2018): Augustus und seine Zeit.*
Dahlheim, W. (2024): Augustus: Aufrührer, Herrscher, Heiland.*
Beard, M. (2024): Die Kaiser von Rom: Herrscher über Volk und Reich.*
Clauss, M. (2011): Die römischen Kaiser: 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian.*
Eich, A. (2019): Die römische Kaiserzeit: Die Legionen und das Imperium.*
Bildnachweis
Titel: Legionen im Marsch, Trajanssäule Rom. Wikimedia Commons, Rabax63. CC BY-SA 4.0.
Statue Augustus: Wikimedia Commons, Pilgab.CC BY-SA 3.0.
Karte: Borsanova, nach Vorlage von ColdEel. Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
Aqua Virgo: Wikimedia Commons, Alexxant. CC BY-SA 4.0.
Mars Ulterior: Wikimedia Commons, NikonZ7II. CC BY-SA 4.0.
Ara Pacis: Wikimedia Commons, Rabax63. CC BY-SA 4.0.




