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Die Iden des März – Attentat auf Caesar

Gaius Iulius Caesar ignorierte die Warnungen des 15. März 44 vor Christus mit demonstrativer Gelassenheit. In den Stunden zuvor hatte ihn seine Ehefrau Calpurnia, gequält von den Alpträumen einer blutigen Tragödie, noch inständig angefleht, das Haus nicht zu verlassen. Dem fügte sich kurz darauf die Beobachtung des Opferschauers Spurinna, der in den Eingeweiden der Opfertiere das drohende Unheil las. Erst das Drängen des Decimus Brutus, eines engen Vertrauten aus den Tagen des Gallischen Krieges, bewegte den Diktator zum Aufbruch. Ein Mann von weltweitem Ruf müsse die Staatsgeschäfte über die nächtlichen Ängste seiner Ehefrau stellen. Ohne den Schutz einer Leibwache, getragen von einem tief verwurzelten Glauben an seine persönliche Sakrosanktheit, bestieg Caesar seine Sänfte. Im dichten Gedränge vor der Curia traf er erneut auf Spurinna und rief ihm spöttisch zu, die Iden des März seien nun ja unbeschadet gekommen. Der Seher erwiderte nur leise, sie seien gekommen, aber noch nicht gegangen.

Das Dilemma der ungeteilten Macht

Die offenen Konflikte zwischen dem Alleinherrscher und der traditionellen Führungsschicht hatten sich in den Wintermonaten des Vorjahres unumkehrbar vertieft. Nach dem endgültigen Triumph über die Anhänger des Pompeius beanspruchte Caesar ein verfassungsmäßiges Privileg, das das republikanische Prinzip der kollegialen und zeitlich begrenzten Amtsführung im Kern auslöschte. Seine Ernennung zum dictator perpetuo – dem Diktator auf Lebenszeit – im Februar 44 vor Christus signalisierte dem Senat unmissverständlich, dass eine Rückkehr zur traditionellen Ratsherrschaft unter seiner Herrschaft ausgeschlossen war.

Dieser institutionelle Bruch manifestierte sich für die Zeitgenossen in gezielten Provokationen, die den Senatsadel tief demütigten. Beim Empfang einer hochrangigen Delegation am Tempel der Venus Genetrix blieb Caesar auf seinem Sessel sitzen, was die Senatoren als offenen Affekt gegen ihre Standeswürde verstanden. Wenig später ließ er Volkstribune, die eine königliche Krone von seinen Statuen entfernt hatten, eigenmächtig ihrer sakrosankten Ämter entheben. Die brodelnde Gerüchteküche über seine vermeintlichen monarchischen Ambitionen fand schließlich beim Lupercalia-Fest Nahrung. Marcus Antonius bot dem Diktator dort öffentlich ein königliches Diadem an. Zwar wies Caesar das Band unter dem Schweigen der Menge zurück, doch die Botschaft war in der Welt: In Rom agierte ein Mann, dessen Kompetenzen die Schwelle zur Tyrannis längst überschritten hatte.

Die Geheimbünde des Senatsabends

Der Ort des Attentats: die Curia Pompeia

Aus dieser tiefen Verbitterung heraus formierte sich eine hochkarätige Verschwörung, die schließlich zwischen 60 und 80 Senatoren umfasste. An der Spitze der Bewegung standen mit Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus zwei Prätoren, deren Motive sich jedoch fundamental unterschieden. Während Brutus, der sich als direkter Nachfahre des legendären Begründers der Republik sah, aus einer ideologischen Pflicht heraus handelte, trieb Cassius eher der persönliche Groll gegen den dominierenden Machthaber an. Diese tiefen Widersprüche im Lager der Attentäter, das auch langjährige Offiziere aus Caesars eigenem Stab einschloss, erzwangen in nächtlichen Geheimtreffen pragmatische Kompromisse.

Der von einigen optimates eingebrachte Vorschlag, den tatkräftigen Mitkonsul Marcus Antonius gemeinsam mit Caesar zu liquidieren, scheiterte am Veto des Brutus. Um den Charakter der Tat als reinen Tyrannenmord zu wahren, sollte die Aktion als rechtlich legitimierter Schutz der Republik erkennbar bleiben; das zusätzliche Blutvergießen hätte wie eine gewöhnliche politische Säuberung gewirkt. Die Wahl des Anschlagsortes fiel auf die Curia Pompeia, einen Versammlungsraum innerhalb des riesigen Theaterkomplexes auf dem Marsfeld. Da das eigentliche Forumsgebäude wegen Caesars umfangreicher Bauprojekte gesperrt war, bot dieser Ort die ideale Gelegenheit, den Diktator in einem geschlossenen Raum ohne seine treuen Klienten zu isolieren. Zur Absicherung positionierte Decimus Brutus eine ihm verpflichtete Truppe von Gladiatoren in den angrenzenden Säulenhallen, um jeden potenziellen Befreiungsversuch im Keim zu ersticken.

Die Bluttat an den Iden

Das minutiös geplante Vorhaben lief an den Iden des März planmäßig an. Beim Betreten des Saales eskortierte Gaius Trebonius den potenziell gefährlichen Marcus Antonius geschickt abseits und verwickelte ihn vor der Tür in ein intensives Gespräch. Im Inneren der Curia nahm Caesar seinen Ehrenplatz ein, woraufhin sich die Attentäter unter dem Vorwand, eine Bittschrift für den verbannten Bruder des Lucius Tillius Cimber zu unterstützen, dicht um ihn drängten. Als der Diktator das Gesuch ungehalten abwies, packte Cimber dessen Toga und riss sie von den Schultern, um das verabredete Signal zum Angriff zu geben.

Der erste Stoß, den Publius Servilius Casca mit zitternder Hand gegen Caesars Hals führte, verfehlte die Schlagader. Caesar, ein erfahrener Militär, fuhr herum, packte Cascas Arm und rammte ihm seinen metallenen Schreibgriffel entgegen, um sich gegen den Angriff zu wehren. In den folgenden Sekunden verwandelte sich die Senatssitzung in ein unkoordiniertes Schlachten. Von allen Seiten stießen die Akteure zu, wobei sie sich in der allgemeinen Hektik gegenseitig an den Händen verletzten. Caesar versuchte vergeblich, den Hieben auszuweichen, doch das von Blut getränkte Gewand raubte ihm jede Standfestigkeit. Er brach exakt am Fuße der monumentalen Statue seines einstigen Rivalen Pompeius zusammen. Dreiundzwanzig Dolchstiche durchdrangen seinen Körper, von denen laut dem späteren Befund des Arztes Antistius – dem ersten dokumentierten Autopsiebericht der Geschichte – nur ein einziger Stoß in die Brust absolut tödlich gewesen war. Während der Diktator verblutete, floh die Mehrheit der unbeteiligten Senatoren in panischer Todesangst aus dem Raum.

Das missverstandene Schweigen Roms

Der Moment des vermeintlichen Triumphs schlug für die Befreier augenblicklich in eine politische Lähmung um. Mit blutverschmierten Händen und erhobenen Dolchen stürmten Brutus und seine Mitstreiter auf das Forum, um die Wiederherstellung der libertas zu verkünden. Doch statt des erwarteten Jubels schlug ihnen ein eisiges, bleiernes Schweigen entgegen. Die plebejische Bevölkerung Roms verbarrikadierte sich in ihren Häusern. Für die einfachen Bürger bedeutete die von der Elite proklamierte Freiheit lediglich die Rückkehr zur uneingeschränkten Herrschaft der Oligarchie, während Caesar für sie als verlässlicher Garant für Getreideverteilungen und Landsiedlungsprogramme gegolten hatte.

Das Fehlen eines klaren Anschlussplans nutzte Marcus Antonius. In seiner Funktion als überlebender Konsul sicherte er sich die Staatskasse sowie die privaten Papiere des Toten. In einer dramatischen Senatssitzung erzwang er einen weitreichenden Kompromiss: Den Verschwörern wurde eine Amnestie gewährt, im Gegenzug bestätigte der Senat die fundamentale Gültigkeit aller bisherigen Akte sowie der Zukunftsplanungen Caesars. Das politische Machtzentrum verlagerte sich endgültig, als Antonius bei der öffentlichen Bestattung das Testament des Ermordeten verlas. Die Nachricht, dass Caesar jedem einzelnen Bürger eine beträchtliche Geldsumme hinterlassen hatte, entflammte die jähzornige Wut der Massen, die daraufhin die Häuser der Attentäter angriffen und die Anführer der Bewegung zur fluchtartigen Evakuierung der Hauptstadt zwangen.

Tod Caesars, Gemälde von Jean-Léon Gérôme, 19. Jhdt.

Der unvorhergesehene Erbe

Die Ausschaltung des Diktators beseitigte zwar die Person Caesars, hinterließ jedoch die strukturellen Probleme der ausgehöhlten Republik vollkommen ungelöst. Anstelle der erhofften Restauration der alten Ratsherrschaft trat ein neuer, psychologisch unterschätzter Akteur auf den Plan: Caesars achtzehnjähriger Großneffe Gaius Octavius. Durch das Testament überraschend adoptiert und zum Haupterben eingesetzt, reiste der junge Mann aus seinem Militärlager in Apollonia nach Italien, um sein Erbe einzufordern. Indem er sich fortan konsequent Gaius Iulius Caesar nannte, gewann er im Handumdrehen die bedingungslose Loyalität der im Land stationierten Veteranenlegionen.

Um die im Osten des Reiches verbliebenen Truppenverbände unter Brutus und Cassius militärisch auszuschalten, bildete Octavian gemeinsam mit Marcus Antonius und dem Reitergeneral Lepidus das Zweite Triumvirat. Diese neue, diktatorische Dreierschaft institutionalisierte den Terror durch die Wiedereinführung der sullanischen Proskriptionslisten, denen hunderte Senatoren und Angehörige des Ritterstandes zum Opfer fielen. Nach der endgültigen Zerschlagung der republikanischen Hoffnungen in der Doppelschlacht von Philippi im Herbst 42 vor Christus drifteten die Sieger unaufhaltsam in den nächsten Verteilungskonflikt. Die Entscheidung, wer die absolute Herrschaft über den Mittelmeerraum ausüben sollte, fiel anderthalb Jahrzehnte später in der Seeschlacht vor Actium.


Zum Weiterlesen

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Marieluise Deißmann, Gaius Iulius Caesar (2023): De bello Gallico / Der Gallische Krieg: Lateinisch/Deutsch.*
Christian Meier (2018): Caesar. – zentrale Grundlage für Caesars politischen Aufstieg.*
Luciano Canfora (2001): Caesar – Der demokratische Diktator – Eine Biographie .*

Bildnachweis

Titel: Der letzte Senat des Julius Caesars. Gemälde von Raffaele Giannetti, 19. Jahrhundert.

Alle Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.

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