Auf dem Sockel einer Statue des Königs Djoser steht noch ein zweiter Name. Die Inschrift nennt Imhotep und zählt seine Ämter auf. Er gehörte zur engsten Umgebung des Herrschers und bekleidete hohe Funktionen am Hof. Dass sein Name überhaupt auf einem königlichen Monument erscheint, macht die Inschrift außergewöhnlich.
Die Statue gehörte zu einem Bauplatz, der alles übertraf, was ägyptische Könige zuvor errichtet hatten. Westlich von Memphis ließ Djoser zu Beginn der 3. Dynastie einen riesigen Grabbezirk anlegen. Steinmetze setzten dort Kalkstein in Formen, die ägyptische Baumeister bisher vor allem aus Lehmziegeln, Holz oder Pflanzenmaterial kannten. Im Zentrum wuchs schließlich ein Bauwerk mit sechs Stufen auf: die älteste erhaltene monumentale Pyramide Ägyptens.
Der Herrscher hieß in zeitgenössischen Inschriften Netjerikhet; der Name Djoser setzte sich erst später durch. Seine Regierungszeit gehört in das frühe 27. Jahrhundert v. Chr. Mit seinem Grabbezirk begann eine neue Phase des ägyptischen Königtums. Der Hof investierte nun Arbeitskraft und Material in einem Umfang, den jeder sehen konnte, der sich Saqqara näherte.
Ein Grab wächst nach oben
Ägyptische Könige ließen schon lange vor Djoser große Grabanlagen bauen. Die Herrscher der 1. und 2. Dynastie wurden vor allem mit Abydos verbunden, während in Saqqara mächtige Mastabas entstanden. Diese rechteckigen Bauten mit flachem Dach erhoben sich über unterirdischen Grabkammern.
Auch Djosers Pyramide begann mit einem solchen niedrigen Baukörper. Die Baumeister erweiterten ihn mehrfach. Schließlich veränderten sie das Konzept grundlegend: Sie setzten weitere, zunehmend kleinere Baukörper übereinander. Aus dem flachen Monument entwickelte sich eine Stufenpyramide.
Diese Entwicklung lässt sich heute am Mauerwerk nachvollziehen. Djosers Baumeister folgten also keinem fertigen Plan, den sie von Beginn an unverändert ausführten. Sie vergrößerten das Grab während der Bauarbeiten und entschieden sich schließlich für eine Form, die den Bau hoch über die Nekropole erhob.
Am Ende erreichte die Pyramide etwa sechzig Meter Höhe. Darunter gruben Arbeiter tief in den Fels. Ein senkrechter Schacht führte zur königlichen Grabkammer; zahlreiche Gänge und Räume durchzogen den Untergrund. Einige Wände verkleideten Handwerker mit blaugrünen Fayencekacheln. Ihre Gestaltung erinnert an Matten, wie sie in königlichen Gebäuden verwendet wurden. Das Grab übernahm damit Formen aus der Welt der Lebenden und übertrug sie unter die Erde.
Über diesem weit verzweigten Unterbau stand die Pyramide. Schon aus großer Entfernung zeigte sie, wo der König bestattet werden sollte.
Eine Mauer und viele falsche Türen
Djoser ließ jedoch weit mehr als ein Grab errichten. Eine hohe, gegliederte Kalksteinmauer umschloss den gesamten Bezirk. Sie bildete ein langgestrecktes Rechteck von ungefähr fünfzehn Hektar Fläche.
Die Mauer besaß zahlreiche scheinbare Durchgänge. Benutzen konnten Besucher nur einen Zugang. Dort führte ein schmaler Gang zwischen hohen Steinpfeilern in das Innere. Die Baumeister formten diese Pfeiler so, dass sie an Pflanzenbündel erinnern. Auch an anderen Stellen ahmten Steinmetze ältere Bautechniken nach. Was Zimmerleute früher aus Holz herstellten und Maurer aus Lehmziegeln aufschichteten, schnitten sie nun in Kalkstein.
Im Inneren standen Höfe und Gebäude. Manche besaßen massive Kerne und boten kaum nutzbaren Innenraum. Sie dienten dem König als dauerhafte steinerne Kulisse für Handlungen, die zu seinem Königtum gehörten.
Besonders deutlich wird das am sogenannten Sed-Fest-Hof. Das Sed-Fest sollte die Kraft eines lange regierenden Königs erneuern. Darstellungen aus verschiedenen Epochen zeigen den Herrscher dabei unter anderem laufend oder vor den Heiligtümern der Götter. In Saqqara säumten steinerne Kapellen einen eigenen Hof für dieses Fest.
Djoser musste dort zu Lebzeiten nicht zwingend ein Sed-Fest feiern, damit die Bauten ihren Zweck erfüllten. In seinem Grabbezirk standen die notwendigen Orte dauerhaft bereit. Der tote König konnte damit seine Rolle auch im Jenseits immer wieder ausüben.
Djoser läuft für immer

An mehreren Stellen des Komplexes begegnet man deshalb einem König in Bewegung. Im Hof südlich der Pyramide markieren Steine einen Bereich, in dem Djoser während des königlichen Festes laufen sollte. Reliefs zeigen ihn ebenfalls beim Ritual.
Die Handlung hatte eine politische Bedeutung. Der König bewies seine körperliche Fähigkeit, das Land weiterhin zu regieren. Gleichzeitig bewegte er sich zwischen Markierungen, die mit seinem Herrschaftsgebiet verbunden waren. In Saqqara ließen seine Baumeister diesen Ablauf in Stein festhalten.
Das erklärt auch einen Teil der scheinbaren Gebäude. Der Grabbezirk war keine Stadt für Lebende. Er bewahrte Orte, an denen der verstorbene Djoser weiterhin als König auftreten konnte.
Seine Handwerker gingen dabei sehr genau vor. Fassaden erhielten Türen, Gesimse und Pfeiler, auch wenn manche dieser Türen nirgendwohin führten. Für die Rituale, die Djoser dort im Jenseits vollziehen sollte, genügte ihre sorgfältig ausgeführte steinerne Form.
Djoser ließ damit einen dauerhaften königlichen Schauplatz errichten. Die Pyramide bildete dessen weithin sichtbares Zentrum.

Wer war Imhotep?
Mit diesem Bau ist seit der Antike besonders ein Mann verbunden: Imhotep. Auf dem bereits erwähnten Statuensockel aus Djosers Bezirk erscheint er mit hohen Titeln. Er stand Djoser nahe und gehörte zu den führenden Männern am Hof.
Die erhaltene Inschrift macht ihn zu einer wichtigen Figur des Bauprojekts. Sie erlaubt jedoch keine genaue Rekonstruktion seiner Aufgaben. Die populäre Vorstellung vom einzelnen genialen Architekten, der die Stufenpyramide entwarf und praktisch im Alleingang die Steinarchitektur erfand, geht über die zeitgenössischen Zeugnisse hinaus.
Der Bau selbst zeigt ohnehin die Arbeit vieler Spezialisten. Steinmetze mussten neue Lösungen entwickeln, als sie vertraute Formen in Kalkstein übertrugen. Aufseher koordinierten die Arbeiten. Andere Männer sorgten dafür, dass Material auf den Bauplatz gelangte und die Arbeitsgruppen versorgt wurden.
Imhotep stand weit genug oben in dieser Organisation, dass sein Name neben dem des Königs erhalten blieb. Jahrhunderte später erinnerte man sich noch an ihn. Seine spätere Verehrung machte aus dem Hofbeamten schließlich eine Gestalt, der Ägypter Heilkräfte zuschrieben. Für Djosers Zeit bleibt vor allem der Mann auf dem Statuensockel greifbar: ein hoher Amtsträger innerhalb eines außergewöhnlichen königlichen Projekts.
Bauen für einen König
Die Größe von Saqqara erzählt auch etwas über den ägyptischen Staat zu Beginn des Alten Reiches. Ein Bau dieser Dimension verlangte dauerhaft Arbeitskräfte. Stein musste gebrochen und bearbeitet werden. Arbeitsgruppen brauchten Nahrung und Werkzeuge.
Der Hof konnte solche Leistungen über einen längeren Zeitraum bündeln. Genau darin unterscheidet sich Djosers Projekt von den früheren Königsgräbern. Seine Vorgänger hatten bereits große Anlagen errichtet und beträchtliche Mittel eingesetzt. In Saqqara wuchs der Umfang jedoch stark, und zugleich setzte der Hof Stein in einer bis dahin unbekannten Größenordnung ein.
Davon profitierten auch die Handwerker. Sie sammelten Erfahrungen, auf denen spätere Bauprojekte aufbauen konnten. Djosers Pyramide bestand noch aus Stufen. Unter Sneferu experimentierten Baumeister wenige Generationen später mit verschiedenen Formen, bis die glattwandige Pyramide entstand. Unter dessen Sohn Khufu erreichte diese Entwicklung in Gizeh eine neue Größenordnung.
Djosers Bauplatz gehört deshalb zu einer langen Entwicklung, besitzt darin aber einen klaren Einschnitt. In Saqqara schufen ägyptische Baumeister erstmals einen königlichen Grabkomplex aus Stein, dessen monumentale Wirkung das gesamte Gelände bestimmte.
Der König hinter einer Wand

An der Nordseite der Pyramide stand ein kleiner geschlossener Raum, den Archäologen nach einem arabischen Begriff als Serdab bezeichnen. In ihm saß eine lebensgroße Statue Djosers. Zwei kleine Öffnungen in der Wand verbanden den Raum mit dem Bereich davor.
Die Statue zeigt den König in einem langen Gewand. Er sitzt auf seinem Thron, trägt eine Perücke unter dem königlichen Kopftuch und blickt geradeaus. Farbe bedeckte ursprünglich Gesicht und Kleidung. Der Körper des Königs blieb geschützt hinter der Mauer, während sein Blick durch die Öffnungen nach außen gerichtet war.
Dieses Bild passt zu dem gesamten Grabbezirk. Djoser hatte für die Zeit nach seinem Tod einen Ort erhalten, an dem er weiterhin anwesend sein konnte. Seine Statue saß im Serdab. Sein Körper lag tief unter der Pyramide. In den Höfen konnte er die Rituale seines Königtums vollziehen.
Rundherum standen Mauern und Kapellen aus Stein.
Nur wenige Jahrzehnte zuvor hatte Khasekhem in Hierakonpolis seinen Sieg über Gegner auf kleinen Statuensockeln festhalten lassen. Djoser ließ nun einen ganzen Bergrücken westlich von Memphis verändern. Arbeiter schnitten Kalkstein zu, setzten Mauern und erweiterten die Pyramide immer weiter nach oben. Wer sich Saqqara näherte, brauchte keine Inschrift, um zu erkennen, wo der Herrscher gebaut hatte.
Die 3. Dynastie Ägyptens
Königsnamen, Datierungen und historische Zeugnisse im Überblick
Herrschertabelle anzeigen
| Datierung | Namen | Historische Hinweise |
|---|---|---|
| 3. Dynastie | ||
| um 2740–2720 v. Chr. | NebkaMöglicherweise mit Sanakht identisch; griechisch: Necherophes, Necherochis | Eventuell mit Sanakht identisch. |
| um 2720–2700 v. Chr. | DjoserHorusname: Netjeri-chet; griechisch: Tosorthros | Erbaute in Sakkara die erste Pyramide in Ägypten. |
| um 2700–2695 v. Chr. | SekhemkhetAuch: Djoserteti, Teti; Horusname: Sechem-chet; griechisch: Tyreis | Durch Siegelabrollungen und Reliefbilder bezeugt. Unvollendete Pyramide in Sakkara. |
| um 2695 v. Chr.? | „Hudjefa II.“ | Pseudonym für einen Herrscher, dessen Name verloren ging. |
| um 2690 v. Chr.? | Mesochris | Genaue zeitliche Einordnung unsicher; zeitgenössisch nicht belegt. |
| zwischen 2690–2670 v. Chr. | Huni | Vermutlich Erbauer einiger kleinerer Pyramiden. Grabmal unbekannt. |
| bis um 2670 v. Chr. | SanakhtDeutsch: Sa-nacht; möglicherweise mit Nebka identisch | Möglicherweise mit Nebka identisch. Grabmal unbekannt. |
| NebkareAuch: Neferka; möglicherweise mit Khaba identisch | Genaue zeitliche Einordnung unsicher, zeitgenössisch aber belegt. In ramessidischen Königslisten unterschiedlich eingeordnet. | |
| um oder wenig nach 2670 v. Chr. | KhabaDeutsch: Cha-ba | Vermutlicher Erbauer einer Pyramide in Saujet el-Arjan. |
| bis um 2670 v. Chr. | QahedjetDeutsch: Qa-hedjet | Nur auf einer Stele bezeugt. |
| Sa | Genaue zeitliche Einordnung unsicher. | |
Bei mehreren Herrschern sind Namen, Datierung oder Identität unsicher. Die Hauptformen folgen der international gebräuchlichen Schreibweise; deutsche und griechische Formen stehen als Varianten dabei.
Zum Weiterlesen
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Schnurr, E.-M. (2025): Das Alte Ägypten: Wie die Menschen im Reich der Pharaonen lebten.*
Hornung, Erik (2010): Einführung in die Ägyptologie. Stand – Methoden – Aufgaben*
Bildnachweis
Titel: Djoser-Pyramide, 1923.
Hebsed-Lauf: Wikimedia Commons, Nephiliskos. CC BY-SA 3.0.
Pyramiden: Wikimedia Commons, Hajor. CC BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




