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Thermidor und das Direktorium 1794–1799

Am Vormittag des 27. Juli 1794 erhebt sich Maximilien Robespierre im Nationalkonvent. Seit Wochen hat er sich nur selten in den Ausschüssen gezeigt. Einen Tag zuvor hatte er vor den Abgeordneten von Verschwörern gesprochen, ohne alle Namen zu nennen. Nun fürchten zahlreiche Männer im Saal, selbst gemeint zu sein.

Robespierres Gegner unterbrechen ihn. Rufe werden laut. Abgeordnete verlangen seine Verhaftung. Auch Louis Antoine de Saint-Just kommt kaum zu Wort. Noch am selben Tag beschließt der Konvent, Robespierre und mehrere seiner engsten Verbündeten festzusetzen.

Die Männer, die den Terror mitgetragen haben, wenden sich gegen einen der bekanntesten Vertreter dieser Politik.

Der 9. Thermidor

Robespierres Sturz ist zunächst keineswegs entschieden. Die Pariser Kommune stellt sich auf seine Seite. Gefängnisbeamte verweigern teilweise die Aufnahme der Verhafteten, und Robespierre gelangt schließlich in das Hôtel de Ville. Dort sammeln sich seine Anhänger.

Doch die erwartete Unterstützung aus den Pariser Sektionen bleibt schwächer als erhofft. Der Konvent erklärt Robespierre und seine Mitstreiter zu Gesetzlosen. Damit können sie nach ihrer Festnahme ohne neues Gerichtsverfahren hingerichtet werden.

In der Nacht rücken Truppen des Konvents gegen das Hôtel de Ville vor. Robespierre wird schwer am Kiefer verletzt aufgefunden; wie genau die Verletzung entstand, ist bis heute umstritten. Saint-Just und weitere Anhänger werden ebenfalls festgenommen.

Einen Tag später bringt man Robespierre zur Guillotine. Mit ihm sterben unter anderem Saint-Just und Georges Couthon. In den folgenden Tagen werden weitere Angehörige der Pariser Kommune hingerichtet.

Der Terror endet damit nicht in einem einzigen Augenblick. Doch die Männer, die Robespierre gestürzt haben, beginnen rasch, jene Instrumente zurückzudrängen, die seine Herrschaft ermöglicht hatten.

Exekution Robespierre

Nach dem Terror

Viele Abgeordnete des Konvents waren selbst an den Maßnahmen der vergangenen Monate beteiligt gewesen. Nun stellen sie Robespierre zunehmend als Hauptverantwortlichen für den Terror dar. Damit können sie sich von einer Politik distanzieren, die sie zuvor unterstützt oder zumindest mitgetragen haben.

Das Revolutionstribunal arbeitet zunächst weiter, verliert aber seine bisherige Macht. Das Gesetz vom 22. Prairial wird aufgehoben. Gefangene kommen frei, politische Klubs geraten unter Druck.

Auch der Jakobinerklub in Paris verliert seinen Einfluss und wird im November 1794 geschlossen. Gleichzeitig treten junge Männer auf den Straßen auf, die Gegner der Jakobiner angreifen. Diese sogenannte jeunesse dorée geht besonders gegen Sansculotten vor.

Für viele Pariser Arbeiter verschlechtert sich zugleich die wirtschaftliche Lage. Die Regierung hebt Ende 1794 die Preisbindungen auf. Der Wert der Assignaten, also des zu Zeiten der Revolution ausgegebenen Papiergeldes, fällt weiter, während Lebensmittel teurer werden.

Die politische Entspannung nach dem Terror bedeutet für die ärmeren Bewohner von Paris deshalb keineswegs eine Verbesserung ihres Alltags.

Die letzten Aufstände der Sansculotten

Im Frühjahr 1795 erreicht die Versorgungskrise einen neuen Höhepunkt. Hunger und steigende Preise treiben erneut Menschen vor den Konvent.

Am 1. April dringen Demonstranten in den Sitzungssaal ein und verlangen Brot sowie die Anwendung der demokratischen Verfassung von 1793. Der Aufstand bricht jedoch rasch zusammen.

Am 20. Mai folgt ein zweiter Versuch. Bewaffnete Demonstranten besetzen zeitweise den Konvent. Ein Abgeordneter wird getötet. Diesmal reagiert die Regierung entschlossen. Truppen umstellen die aufständischen Viertel, Waffen werden eingesammelt und führende Aktivisten verhaftet.

Damit verlieren die Pariser Sansculotten jene politische Kraft, mit der sie seit 1792 wiederholt Entscheidungen des Konvents beeinflusst hatten.

Der Schwerpunkt der Macht verlagert sich nun auf Abgeordnete, die sowohl eine Rückkehr des Terrors als auch die Wiederherstellung der Monarchie verhindern wollen.

Eine neue Verfassung

Im August 1795 beschließt der Konvent eine neue Verfassung. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre prägen ihre Regeln deutlich.

Die Gesetzgebung wird künftig auf zwei Kammern verteilt. Der Rat der Fünfhundert schlägt Gesetze vor, der Rat der Alten entscheidet über sie. An der Spitze der Exekutive stehen fünf Direktoren.

Diese Aufteilung soll verhindern, dass sich politische Macht erneut in wenigen Händen konzentriert. Zugleich wird das Wahlrecht gegenüber der Verfassung von 1793 wieder stärker an Besitz gebunden.

Die neue Republik stellt damit die gegenseitige Kontrolle der Institutionen über die direkte politische Beteiligung der Bürger.

Doch bevor das Direktorium seine Arbeit aufnehmen kann, muss sich das Regime noch einmal gegen Anhänger der Monarchie behaupten.

Der 13. Vendémiaire

Paul Barras, zwischen 1795 und 1799

Am 5. Oktober 1795 ziehen bewaffnete Royalisten in Paris gegen den Konvent. Sie hoffen, den politischen Kurs zu stoppen und der Monarchie wieder Einfluss zu verschaffen.

Der Konvent überträgt Paul Barras die militärische Verteidigung. Barras zieht einen jungen General hinzu, der bisher vor allem durch den Feldzug in Toulon aufgefallen ist: Napoleon Bonaparte.

Bonaparte lässt Geschütze an wichtigen Straßen aufstellen. Als die Aufständischen vorrücken, werden sie mit Kartätschen beschossen. Der Angriff bricht zusammen.

Für Bonaparte wird dieser Tag zu einem entscheidenden Schritt seiner Karriere. Für die Republik zeigt er zugleich ein Problem, das das Direktorium in den kommenden Jahren begleiten wird: Das politische System braucht immer wieder Soldaten, um seine Gegner niederzuhalten.

Fünf Direktoren

Im November 1795 nimmt das Direktorium seine Arbeit auf. Fünf Männer teilen sich die Regierung. Unter ihnen gehört Paul Barras zu den einflussreichsten.

Die neue Führung steht zwischen politischen Lagern, die das bestehende Regime ablehnen: Royalisten auf der einen und frühere Jakobiner sowie radikale Republikaner auf der anderen Seite, die verlorenen Einfluss zurückgewinnen wollen.

Auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bleiben bestehen. Die Papierwährung verliert weiter an Wert. Das Direktorium schafft die Assignaten schließlich ab, doch die Probleme der Staatsfinanzen verschwinden damit nicht.

Die Regierung ist auf die Einnahmen aus eroberten Gebieten angewiesen. Der Krieg, der ursprünglich als Gefahr für die Revolution begonnen hatte, wird nun zunehmend auch zu einer wirtschaftlichen Grundlage des Staates.

Bonapartes Krieg in Italien

1796 erhält Napoleon Bonaparte den Oberbefehl über die französische Armee in Italien. Die Truppen sind schlecht versorgt, doch Bonaparte führt sie in schneller Folge gegen österreichische und piemontesische Verbände.

Siege bei Lodi und Arcole machen seinen Namen in Frankreich bekannt. Seine Armee zwingt Österreich schließlich zum Frieden von Campo Formio im Oktober 1797.

Neben militärischen Berichten schickt Bonaparte auch eigene Zeitungen nach Paris, die seine Erfolge herausstellen und ihn als außergewöhnlichen Befehlshaber darstellen. Zugleich handelt er in Italien zunehmend eigenständig und verhandelt mit fremden Regierungen.

Damit entsteht neben dem Direktorium ein neues politisches Zentrum: ein erfolgreicher General mit eigener Armee und wachsender Popularität.

Wahlen unter Vorbehalt

Das Direktorium verteidigt die Republik weiterhin mit Mitteln, die den eigenen verfassungsmäßigen Regeln widersprechen.

Bei den Wahlen von 1797 gewinnen royalistische Kandidaten deutlich hinzu. Teile der Regierung fürchten, die neuen Abgeordneten könnten das politische System von innen heraus verändern.

Am 4. September greifen drei Direktoren gemeinsam mit dem Militär ein. Soldaten besetzen wichtige Punkte in Paris. Die Wahlen zahlreicher Abgeordneter werden annulliert, führende Royalisten verhaftet.

Ein Jahr später trifft ein ähnlicher Eingriff Kandidaten der politischen Linken.

Das Direktorium besteht damit formal als verfassungsmäßige Republik fort, greift aber wiederholt zu Gewalt und Wahlannullierungen, sobald Mehrheiten entstehen, die seine Existenz gefährden.

Ein Regime verliert Halt

1798 führt Bonaparte eine französische Armee nach Ägypten. Er will britische Interessen im Mittelmeer treffen und Frankreichs Einfluss ausweiten. Der Feldzug beginnt mit militärischen Erfolgen an Land, doch die britische Flotte unter Horatio Nelson zerstört im August einen großen Teil der französischen Flotte bei Abukir.

Gleichzeitig bildet sich in Europa eine neue Koalition gegen Frankreich. 1799 verschlechtert sich die militärische Lage der Republik erneut.

Auch in Paris wächst die Unzufriedenheit mit dem Direktorium. Die Regierung gilt vielen als korrupt und abhängig vom Militär. Ihre Gegner finden sich sowohl unter Royalisten als auch unter Republikanern, die eine stärkere Regierung verlangen.

Einer der Direktoren, Emmanuel-Joseph Sieyès, sucht nach einer Möglichkeit, die Verfassung zu verändern. Dafür braucht er einen General, der genügend Ansehen besitzt, um den politischen Eingriff militärisch abzusichern.

Im Oktober 1799 kehrt Napoleon Bonaparte überraschend aus Ägypten nach Frankreich zurück.

Wenige Wochen später treffen sich Sieyès und Bonaparte. Am 18. Brumaire soll die Verfassung des Direktoriums fallen.


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Bildnachweis

Titel: Verhaftung des Robespierre, Stich von 1802.

Alle Bilder gemeinfrei.

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