
Die neue Stadt trägt einen selbstbewussten Namen: Löwenstadt. Heinrich der Löwe lässt sie 1158 jenseits der Wakenitz errichten, nur wenige Kilometer von Lübeck entfernt. Kaufleute sollen hier ihre Häuser bauen und ihre Schiffe entladen. Doch für größere Handelsschiffe ist der Fluss zu flach. Heinrichs Stadt fehlt ausgerechnet das, was sie zum Erfolg führen sollte: ein brauchbarer Hafen.
Lübeck gehörte damals Graf Adolf II. von Holstein. Er hatte die Stadt 1143 auf dem Hügel Buku zwischen Trave und Wakenitz anlegen lassen. Der Name stammte von der älteren slawischen Siedlung Liubice, die einige Kilometer weiter nördlich gelegen hatte und 1138 zerstört worden war.
Adolfs Gründung besaß einen entscheidenden Vorteil. Schiffe konnten von der Ostsee über die Trave bis an die Stadt heranfahren. Zugleich führten Landwege nach Hamburg und zu den Salzquellen von Lüneburg. Kaufleute erhielten damit einen neuen Zugang zum Ostseeraum, der die ältere Route über Schleswig allmählich verdrängte.
Der wachsende Hafen weckte das Interesse Heinrichs des Löwen. Adolf war zwar sein Lehnsmann, doch die Einkünfte aus Lübeck flossen an den Grafen. Heinrich verlangte einen Anteil, den Adolf ihm verweigerte. Daraufhin verbot der Herzog den Kaufleuten, den Lübecker Markt aufzusuchen. Damit griff er die Einnahmen der Stadt an und lenkte den Handel zugleich von seinem Konkurrenten fort.
Ein Brand erhöht den Druck
Ein Feuer verwüstete Lübeck 1157. Heinrich nutzte die Gelegenheit für seinen eigenen Hafenplan und ließ die Löwenstadt errichten. Ihr genauer Standort ist bis heute unbekannt; der Chronist Helmold von Bosau verortet sie lediglich im Gebiet des Grafen von Ratzeburg.

Ein Teil der Lübecker Kaufleute war bereit umzuziehen, doch die neue Siedlung setzte sich nicht durch.
Das Handelsverbot hatte Lübeck bereits geschwächt, und der Brand verschärfte Adolfs Lage. Nachdem die Löwenstadt als Hafen ausgeschieden war, verhandelte Heinrich erneut mit dem Grafen. Im Jahr 1158 überließ Adolf ihm Lübeck. Welche Gegenleistung er dafür erhielt, ist nicht sicher überliefert. Helmold spricht von zahlreichen Versprechungen. Wahrscheinlich spielte auch eine Geldzahlung eine Rolle.
Heinrich wirbt um Kaufleute

Unter Heinrich wurde das abgebrannte Lübeck 1158 und 1159 wieder aufgebaut. Der Herzog sandte Boten in die Länder rund um die Ostsee und lud Kaufleute in seine Stadt ein. Er versprach ihnen freien Handel und Schutz. Auch Münze und Zoll wurden festgelegt, während besondere Rechte den Aufenthalt in Lübeck attraktiver machten.
Heinrich verfolgte dabei unmittelbare Ziele. Ein gut besuchter Hafen brachte Zölle ein und stärkte seine Herrschaft an der Ostsee. Die Kaufleute wiederum erhielten Lagerplätze und einen verlässlichen Markt. Im Hafen konnten sie ihre Schiffe für die nächste Fahrt ausrüsten.
Die Stadt, samt Fernhandel, entwickelte sich gut. Schon wenige Jahre später zog die Stadt Kaufleute aus weit entfernten Regionen an.
Zum Weiterlesen
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Hammel-Kiesow, R. (2025): Die Hanse.*
Wubs-Mrozewicz, J.; Jenks, S. (Hrsg.) (2013): The Hanse in Medieval and Early Modern Europe.*
Bildnachweis
Titel: Grundriss der Kirche in Liubice. Wikimedia Commons, Peter Oldekop. CC BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder gemeinfrei.




