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Die DDR baut den Sozialismus auf – Planwirtschaft und politische Kontrolle

Walter Ulbricht, Aufnahme vom 13. September 1960.

SED-Parteichef Walter Ulbricht verkündete im Juli 1952 auf der Zweiten Parteikonferenz der SED in Ost-Berlin den „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“. Damit legte die Parteiführung eine Richtung offen, die sie zuvor schrittweise verfolgt hatte. Große Industriebetriebe waren bereits enteignet, politische Gegner ausgeschaltet worden. Nun sollten auch die noch selbstständig wirtschaftenden Bauern und Unternehmer enger in eine von der SED gelenkte Gesellschaft eingebunden werden.

Ulbrichts Ankündigung fiel in eine Zeit, in der die deutsche Teilung bereits den wirtschaftlichen Wiederaufbau bestimmte. Die DDR besaß bedeutende Industriebetriebe, musste aber manche Grundstoffe aus anderen Wirtschaftsgebieten beziehen. Zugleich verlangte die Sowjetunion weiterhin Reparationen. Die SED wollte unter diesen Bedingungen eine eigene schwerindustrielle Grundlage schaffen. Was sie dafür einsetzen konnte, fehlte zunächst an anderer Stelle.

Der Plan entscheidet über den Einsatz der Mittel

Der erste Fünfjahresplan umfasste die Jahre 1951 bis 1955. Die Staatliche Plankommission und die zuständigen Ministerien legten fest, welche Produktionsleistungen die Wirtschaft erbringen sollte. Für die volkseigenen Betriebe folgten daraus verbindliche Vorgaben. Ihre Leitungen mussten mit zugewiesenen Mitteln bestimmte Mengen herstellen; über wesentliche Investitionen entschieden übergeordnete Stellen.

Diese Lenkung sollte den Wiederaufbau beschleunigen und die Wirtschaft von privatwirtschaftlichen Entscheidungen unabhängig machen. Der Ausbau der Metallurgie und des Schwermaschinenbaus hatte dabei Vorrang. Die SED übernahm ein sowjetisches Entwicklungsmodell, reagierte damit aber auch auf die industrielle Arbeitsteilung des früheren Deutschen Reiches: Das Ruhrgebiet mit seinen großen Kapazitäten lag außerhalb ihres Zugriffs.

1953 floss die Hälfte der vorgesehenen Industrieinvestitionen in Metallurgie und Schwermaschinenbau. Neue Hochöfen banden Bauleistungen und ausgebildete Arbeitskräfte, während die Konsumgüterindustrie zurückstehen musste. Die Führung versprach einen späteren Wohlstandsgewinn, während die Bevölkerung die Belastungen unmittelbar spürte. Lebensmittel blieben teilweise rationiert; das Angebot reichte vielerorts nicht für die Nachfrage.

Auch die sowjetischen Forderungen begrenzten den Spielraum. Ein Teil der Betriebe arbeitete als Sowjetische Aktiengesellschaft unter sowjetischer Verfügung. Reparationen entzogen der DDR laufende Produktionsleistungen. Dazu kamen die Kosten bewaffneter Verbände: Schon 1952 beanspruchte der Aufbau der Kasernierten Volkspolizei ein Fünftel der Staatsausgaben. Besatzungskosten und Reparationen machten 1953 zusammen 14,1 Prozent des Staatshaushalts aus. Diese Verpflichtungen schränkten ein, was für die Versorgung übrig blieb.

Eigentum und Einfluss werden neu verteilt

Die Verstaatlichung hatte bereits in der sowjetischen Besatzungszone begonnen. Die SED konnte 1952 deshalb auf einen großen Bestand volkseigener Betriebe zurückgreifen. Privatunternehmen bestanden weiter, waren aber bei der Beschaffung ihrer Produktionsmittel von staatlichen Stellen abhängig. Diese entschieden über knappe Rohstoffe und damit darüber, ob ein Privatbetrieb überhaupt produzieren konnte. Steuerforderungen und die Vergabe von Aufträgen verstärkten diese Abhängigkeit.

Die wirtschaftliche Verdrängung privater Unternehmer verband sich mit politischem Druck. Die Partei behandelte sie als Angehörige einer gesellschaftlichen Gruppe, deren Einfluss sie brechen wollte. Strafverfahren wegen angeblicher oder tatsächlicher Verstöße gegen Wirtschaftsbestimmungen konnten den Verlust eines Betriebes nach sich ziehen. Für Betroffene war damit schwer abzusehen, ob sie ihren Betrieb auf Dauer fortführen konnten. Manche gaben auf oder gingen in den Westen.

Auf dem Land war der Umbruch besonders widersprüchlich. Die Bodenreform hatte nach 1945 neue bäuerliche Eigentümer geschaffen. Nun förderte die SED Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, in denen Bauern ihre Arbeit und zunächst vor allem ihr Ackerland zusammenlegen sollten. Neubauern mit unzureichender Ausstattung konnten sich davon Hilfe versprechen. Andere Landwirte wollten ihre selbstständige Wirtschaftsweise erhalten. Der Anspruch der Partei, den Übergang voranzutreiben, geriet mit solchen Entscheidungen in Konflikt.

Von Berlin bis in den Kreis

Die Parteikonferenz leitete auch einen Umbau der Verwaltung ein. Noch im Juli 1952 beschloss die Volkskammer die Neuordnung des Staatsgebietes. An die Stelle der bisherigen Länder traten als maßgebliche Verwaltungseinheiten 14 Bezirke. Unterhalb dieser Ebene entstanden neu zugeschnittene Kreise.

Die neue Gliederung erleichterte der SED den Durchgriff aus der Hauptstadt. Ihre Bezirks- und Kreisleitungen überwachten die Durchführung politischer Vorgaben. Staatliche Verwaltungen blieben bestehen, doch bei wichtigen Personalentscheidungen und in der täglichen Arbeit hing viel von der zuständigen Parteiführung ab. Ein Betriebsleiter musste deshalb neben seinen Produktionszielen auch die Erwartungen der Partei berücksichtigen.

Andere Parteien existierten weiterhin. Ihre Abgeordneten konnten die Vormacht der SED jedoch nicht mehr durch einen freien Wettbewerb um Regierungsmehrheiten infrage stellen. Bei den Wahlen von 1950 war über eine gemeinsame Einheitsliste abgestimmt worden. Die Verteilung der Mandate stand damit grundsätzlich schon vor der Stimmabgabe fest. Wer mit einem Planbeschluss unzufrieden war, konnte keine Regierung wählen, die einen anderen wirtschaftspolitischen Weg einschlug.

Bei der Überwachung tatsächlicher und vermeintlicher Gegner arbeitete das Ministerium für Staatssicherheit mit einer politisch gelenkten Justiz zusammen. Der Anspruch auf gesellschaftliche Kontrolle erfasste auch die kirchliche Jugendarbeit. Die SED bekämpfte die evangelische Junge Gemeinde als Konkurrenz zur Freien Deutschen Jugend. Schülerinnen und Schüler gerieten wegen ihrer kirchlichen Bindung unter Druck und mussten um ihren weiteren Bildungsweg fürchten.

Höhere Leistungen ohne entsprechenden Ausgleich

In den Betrieben sollten Beschäftigte die Ziele des Wiederaufbaus durch gesteigerte Leistungen erfüllen. Produktionswettbewerbe und Auszeichnungen für besonders leistungsstarke Arbeiter gehörten schon seit den späten 1940er Jahren zum Alltag. Die Führung stellte diese Erfolge als Beweis für die Leistungsfähigkeit einer sozialistischen Wirtschaft dar. Ihr bekanntestes Vorbild war der Bergmann Adolf Hennecke: In einer besonders herausgestellten Schicht am 13. Oktober 1948 erreichte er 387 Prozent der geltenden Norm.

Eine hervorgehobene Einzelarbeit ließ sich allerdings nicht ohne Weiteres auf ganze Belegschaften übertragen. Fehlendes Material konnte ebenso den Arbeitsablauf unterbrechen wie eine schlecht abgestimmte Zulieferung. Trotzdem erwarteten die staatlichen Stellen, dass Beschäftigte mehr produzierten. Mit der im Mai 1953 beschlossenen Erhöhung der Arbeitsnormen um mindestens zehn Prozent verlagerte die Führung einen Teil der Kosten auf die Beschäftigten: Bei gleichbleibender Akkordleistung sank ihr Verdienst.

Die Führung verlangte den zusätzlichen Einsatz zu einem Zeitpunkt, an dem viele Haushalte bereits unter der angespannten Versorgung litten. Gleichzeitig verließen immer mehr Menschen die DDR. Ihre Abwanderung verschärfte den Arbeitskräftemangel und entzog der geplanten Produktion weitere Fachkenntnisse.

Nach Stalins Tod im März 1953 drängte die neue sowjetische Führung auf eine Korrektur. Anfang Juni musste die SED Teile ihres verschärften Vorgehens zurücknehmen, hielt jedoch zunächst an den höheren Arbeitsnormen fest. Während sie Unternehmern und Bauern Erleichterungen versprach, verlangte sie den Beschäftigten weiterhin den zusätzlichen Einsatz ab. Ihr Anspruch, im Namen der Arbeiter zu regieren, geriet damit ausgerechnet an der Lohnabrechnung in Widerspruch zur eigenen Politik.


Ulbricht bei einer Besprechung mit Bauleitung und Bauarbeitern, 17. Januar 1952

Zum Weiterlesen

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Benz, W. (1984): Die Gründung der Bundesrepublik. Von der Bizone zum souveränen Staat.*

Kleßmann, C. (1991): Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945–1955.*

Bildnachweise

Titel: Walter Ulbricht, 1960. Wikimedia Commons,

Besprechung mit Ulbricht: Bundesarchiv, Bild 183-13292-0012 / Schack. CC BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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