Am 8. Mai 1945 schwiegen in Deutschland schließlich die Waffen. In vielen Städten lagen Straßenzüge in Trümmern. Soldaten warfen Uniformteile weg, Flüchtlinge suchten Angehörige, ehemalige Zwangsarbeiter machten sich auf den Weg nach Hause. An Rathäusern und Kasernen standen nun britische, amerikanische oder sowjetische Soldaten.
Der NS-Staat war zusammengebrochen. Eine deutsche Regierung, die über das ganze Land verfügen konnte, gab es nicht mehr.
Für die Verfolgten bedeutete das Kriegsende Befreiung. Für viele andere Deutsche stand zunächst die Niederlage im Vordergrund. Die Besatzungsmächte wollten jedoch mehr als die Kampfhandlungen beenden. Sie wollten verhindern, dass von Deutschland erneut ein Krieg ausging.
Die Lager werden geöffnet

Schon vor der Kapitulation hatten alliierte Truppen Konzentrationslager erreicht.
Amerikanische Soldaten befreiten im April 1945 Buchenwald und Dachau. Britische Verbände betraten Bergen-Belsen. Die Rote Armee hatte Auschwitz bereits am 27. Januar erreicht.
Die Soldaten fanden ausgemergelte Überlebende und Leichenberge. In Bergen-Belsen starben selbst nach der Befreiung noch Tausende Menschen an den Folgen von Hunger und Krankheiten.
Für viele alliierte Soldaten wurden die Lager zu einer unmittelbaren Konfrontation mit den Verbrechen des Regimes.
An manchen Orten zwangen amerikanische Kommandeure Einwohner aus nahe gelegenen Städten, die Lager zu besichtigen oder bei der Bestattung der Toten zu helfen. Deutsche Zivilisten sollten sehen, was in ihrer unmittelbaren Umgebung geschehen war.
Für die Überlebenden begann ein schwieriger Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Viele hatten keine Familie mehr. Ihre Häuser waren zerstört oder inzwischen von anderen bewohnt.
Hunderttausende befanden sich fern ihrer Heimat.
Millionen Menschen sind unterwegs

Das Kriegsende löste eine der größten Wanderungsbewegungen der europäischen Geschichte aus.
Ehemalige Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wollten nach Hause. Gleichzeitig kamen deutsche Flüchtlinge aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße sowie aus anderen Teilen Osteuropas nach Westen.
Die Alliierten bezeichneten viele der ausländischen Menschen als Displaced Persons.
Sie richteten Lager ein und organisierten Rücktransporte. Millionen konnten innerhalb weniger Monate in ihre Herkunftsländer zurück.
Für manche war eine Rückkehr allerdings gefährlich oder unerwünscht. Jüdische Überlebende fanden ihre früheren Gemeinden häufig zerstört vor. Menschen aus der Sowjetunion mussten teilweise gegen ihren Willen zurückkehren und konnten dort unter den Verdacht geraten, mit den Deutschen zusammengearbeitet zu haben.
Deutschland war dadurch im Sommer 1945 ein Land voller Menschen, die unterwegs waren und häufig nicht wussten, wo sie dauerhaft bleiben würden.
Vier Mächte übernehmen die Herrschaft
Die Siegermächte hatten die Aufteilung Deutschlands bereits während des Krieges vorbereitet.
Deutschland wurde in eine amerikanische, eine britische und eine sowjetische Besatzungszone geteilt. Frankreich erhielt später eine eigene Zone aus Gebieten, die ursprünglich den westlichen Alliierten zugedacht gewesen waren.
Auch Berlin wurde in vier Sektoren aufgeteilt.
Am 5. Juni 1945 erklärten die vier Siegermächte offiziell, die oberste Regierungsgewalt in Deutschland zu übernehmen.

Die deutschen Grenzen von 1937 bildeten dabei zunächst den Ausgangspunkt der Besatzungsplanung. Gebiete östlich von Oder und Lausitzer Neiße kamen jedoch unter polnische beziehungsweise sowjetische Verwaltung.
Eine zentrale deutsche Staatsregierung existierte nicht.
Die Besatzungsmächte regierten jeweils in ihren Zonen. Gemeinsame Fragen sollten im Alliierten Kontrollrat entschieden werden.
Damit hing der Alltag der Bevölkerung zunehmend davon ab, in welcher Zone jemand lebte.
Die NSDAP verschwindet
Die Alliierten lösten nationalsozialistische Organisationen auf und beschlagnahmten ihr Vermögen.
Die NSDAP wurde verboten. Auch SS und Gestapo verschwanden als staatliche Institutionen.
Führende Nationalsozialisten wurden festgenommen. Einige hatten Selbstmord begangen oder versuchten unter falschem Namen unterzutauchen.
Doch die Frage reichte weiter: Was sollte mit den Millionen Deutschen geschehen, die Mitglieder der NSDAP oder einer ihrer Organisationen gewesen waren?
Verwaltungen und Schulen mussten wieder arbeiten. Gleichzeitig wollten die Besatzungsmächte belastete Nationalsozialisten aus einflussreichen Positionen entfernen.
Daraus entstand die Entnazifizierung.
Ihre Durchführung unterschied sich von Zone zu Zone. Besonders die Amerikaner versuchten zunächst, die politische Vergangenheit großer Teile der Bevölkerung mit Fragebögen zu erfassen.
Die schiere Zahl der Fälle machte bald deutlich, wie schwierig eine vollständige politische Säuberung werden würde.
Die Städte müssen wieder funktionieren
Während politische Entscheidungen vorbereitet wurden, ging es im Alltag um elementare Probleme.
Zahlreiche Wohnungen waren zerstört. Verkehrsverbindungen funktionierten nur eingeschränkt. Kohle und Brennstoff fehlten.
Die Lebensmittelversorgung blieb angespannt.
Städte waren besonders abhängig von Lieferungen aus dem Umland. Viele Bewohner fuhren aufs Land und tauschten Kleidung oder andere Gegenstände gegen Kartoffeln und Getreide.
Solche Hamsterfahrten wurden zu einem typischen Bild der Nachkriegsjahre.
Die offiziellen Rationen reichten häufig kaum aus. Der Schwarzmarkt gewann deshalb an Bedeutung. Zigaretten wurden dort zu einer verbreiteten Ersatzwährung.
Die Reichsmark existierte weiter, verlor aber im Alltag zunehmend an Bedeutung.
Wer etwas Essbares oder Tauschbares besaß, war oft besser gestellt als jemand mit Geld.
Trümmerfrauen
In der späteren Erinnerung entstand das Bild der sogenannten Trümmerfrauen, die Deutschlands zerstörte Städte eigenhändig wiederaufgebaut hätten.
Frauen arbeiteten tatsächlich in der Trümmerbeseitigung, teilweise freiwillig und teilweise im Rahmen verpflichtender Arbeitseinsätze. In manchen Städten stellten sie einen sichtbaren Teil der Arbeitskräfte.
Den Wiederaufbau trugen jedoch sehr unterschiedliche Gruppen. Kommunale Betriebe und Bauarbeiter waren ebenso beteiligt wie Kriegsgefangene oder andere Verpflichtete.
Das bekannte Bild der ausschließlich von Frauen geleisteten Trümmerarbeit entstand erst später in dieser zugespitzten Form.
Unbestreitbar war jedoch, dass Frauen in den ersten Nachkriegsjahren einen großen Teil des Alltags organisierten.
Millionen Männer waren gefallen oder befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft. Familien mussten ohne sie Wohnungen suchen und Lebensmittel beschaffen.
Der Krieg war vorbei, seine Folgen bestimmten weiterhin jeden Tag.

Potsdam entscheidet über die nächsten Schritte
Im Juli 1945 trafen sich die Regierungschefs der wichtigsten Siegermächte bei Berlin.
Josef Stalin vertrat die Sowjetunion. Der neue amerikanische Präsident Harry S. Truman war nach dem Tod Franklin D. Roosevelts ins Amt gekommen. Großbritannien wurde zunächst von Winston Churchill vertreten; nach dem Wahlsieg der Labour Party übernahm während der Konferenz Clement Attlee.
Die Potsdamer Konferenz sollte zentrale Fragen der Nachkriegsordnung klären.
Deutschland sollte demilitarisiert werden. Nationalsozialistische Organisationen sollten verschwinden, Kriegsverbrecher verfolgt werden.
Zugleich bestätigten die Siegermächte, dass die deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße vorläufig unter polnische beziehungsweise sowjetische Verwaltung gestellt wurden.
Auch die Umsiedlung deutscher Bevölkerungsgruppen aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn wurde behandelt. Sie sollte nach den Beschlüssen in geordneter und humaner Weise erfolgen.
Die tatsächlichen Vertreibungen verliefen häufig unter ganz anderen Bedingungen.

Die Besatzungsrealität unterschied sich je nach Zone
Schon 1945 zeigten sich Unterschiede zwischen den Besatzungszonen.
In der sowjetischen Zone wurden Großgrundbesitzer enteignet und erste Schritte einer Bodenreform eingeleitet. Die sowjetische Militärverwaltung unterstützte früh den Wiederaufbau politischer Parteien, behielt aber die entscheidende Kontrolle.
Auch in den westlichen Zonen ließen die Besatzungsmächte Parteien wieder zu. Dort entwickelten sich jedoch bald andere politische Verhältnisse.
Noch stand die Zusammenarbeit der vier Mächte offiziell im Vordergrund.
Doch ihre Vorstellungen über Deutschlands wirtschaftliche und politische Zukunft unterschieden sich erheblich.
Die Sowjetunion hatte durch den deutschen Angriff unermessliche Verluste erlitten und verlangte hohe Reparationen. Die Westmächte wollten ebenfalls verhindern, dass Deutschland erneut zur militärischen Gefahr wurde. Zugleich gewann für sie die wirtschaftliche Stabilisierung Europas zunehmend an Bedeutung.
Diese Unterschiede sollten das besetzte Deutschland bald prägen.
Befreiung oder Niederlage?
Der Mai 1945 wurde von den Menschen in Deutschland sehr unterschiedlich erlebt.
Überlebende der Konzentrationslager und politische Gefangene waren befreit worden. Für ausländische Zwangsarbeiter endete die deutsche Herrschaft.
Viele Deutsche erlebten dagegen zunächst den Verlust ihrer bisherigen Lebenswelt. Angehörige waren tot oder vermisst, Wohnungen zerstört. Millionen hatten ihre Heimat im Osten verloren.
Hinzu kam die Konfrontation mit den Verbrechen des Nationalsozialismus.
Manche reagierten mit Entsetzen. Andere bestritten eigenes Wissen oder erklärten sich selbst zu Opfern des Krieges.
Die Frage nach Verantwortung blieb auch nach dem Untergang des NS-Staates bestehen.
Die Alliierten wollten besonders die führenden Männer des Regimes persönlich zur Rechenschaft ziehen. Hitler und Goebbels waren tot, Himmler beging nach seiner Festnahme Selbstmord. Andere saßen inzwischen in alliierten Gefängnissen.
Im Herbst 1945 wurden einige der mächtigsten überlebenden Vertreter des NS-Staates nach Nürnberg gebracht. Dort sollten sie sich erstmals vor einem internationalen Gericht für einen Angriffskrieg und für Verbrechen von bis dahin kaum vorstellbarem Ausmaß verantworten.

Zum Weiterlesen
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- Ian Kershaw (2009): Hitler 1889–1945 – Standardwerk zur frühen Biographie und zur ideologischen Formierung Hitlers.*
- Volker Ullrich (2013): Hitler. Aufstieg 1889–1939 – gut lesbare Gesamtdarstellung mit starkem biographischem Zugriff.*
- Sebastian Haffner (1981): Anmerkungen zu Hitler – Klassiker.*
Bildnachweis
Titel: Churchill, Truman, Stalin bei der Potsdamer Konferenz.
Vertriebene: Wikimedia Commons, Authority / Forrás: Sudetendeutsche Stiftung. CC BY-SA 1.0.
Karte Besatzungszone: Wikimedia Commons, Glglgl. CC BY-SA 3.0.
Trümmerfrauen: Bundesarchiv, Bild 183-H30060 / CC BY-SA 3.0.
Alle weiteren Bilder eigene Aufnahmen oder gemeinfrei.




