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Rudolf I. – Wie die Habsburger nach Österreich kamen

Rudolfs I., sein Sohn Albrecht I. mit seiner Gattin Elisabeth und vier ihrer Kinder

Am 1. Oktober 1273 wählten die zur Königswahl versammelten Fürsten in Frankfurt den Grafen Rudolf von Habsburg zum römisch-deutschen König. Der neue Herrscher war fünfundfünfzig Jahre alt und verfügte über beträchtlichen Besitz im Südwesten des Reiches. Österreich gehörte ihm nicht. Dort regierte Ottokar II. von Böhmen, einer der mächtigsten Fürsten seiner Zeit.

Für Ottokar war die Entscheidung eine Niederlage. Er erkannte Rudolfs Wahl nicht an und verweigerte ihm die Huldigung. Damit begann ein Konflikt, in dem es bald auch um die Länder an der Donau ging. Der Habsburger beanspruchte als König das Recht, über ihre Vergabe zu entscheiden. Der böhmische Herrscher wollte behalten, was er in mehr als zwanzig Jahren erworben hatte.

Ein Graf wird König

Rudolfs Familie war nach der Habsburg im heutigen Schweizer Kanton Aargau benannt. Ihre Besitzungen und Herrschaftsrechte lagen beiderseits des Oberrheins und im Gebiet der heutigen Nordschweiz. Rudolf war ein erfahrener Territorialherr, doch mit Ottokars ausgedehnten Ländern konnte er sich zunächst nicht messen.

Gerade das machte ihn für die Königswähler interessant. Sie suchten einen Herrscher, der königliche Rechte wieder durchsetzen konnte, ohne ihre eigene Stellung zu gefährden. Ottokar dagegen gebot bereits über Böhmen und Mähren sowie über mehrere Länder südlich davon. Seine Erhebung hätte ihm zusätzliche Möglichkeiten gegeben, diesen Vorsprung auszubauen.

Rudolfs Wahl eröffnete den Habsburgern daher eine neue Stellung im Reich, verschaffte ihnen aber noch keine österreichische Herrschaft. Der König musste Verbündete gewinnen und Ansprüche durchsetzen. Die Fürsten, die ihn gewählt hatten, konnten ihm dabei helfen; sie konnten sich ebenso gegen ihn wenden, sobald seine Familie zu mächtig wurde.

Ottokars umstrittene Erwerbungen

Siegel Ottokars

Den Ausgangspunkt des Streits bildete der Tod des Babenbergerherzogs Friedrich II. im Jahr 1246. Mit ihm erlosch die männliche Linie jener Familie, die Österreich seit dem zehnten Jahrhundert regiert hatte. Wer ihr nachfolgen sollte, blieb umkämpft.

1251 trugen österreichische Landherren Ottokar, damals noch böhmischer Königssohn, die Herrschaft an. Er konnte sich im Land durchsetzen und brachte später auch die Steiermark unter seine Kontrolle. Kärnten und Krain erweiterten seinen Machtbereich weiter nach Süden. Doch der tatsächliche Besitz beantwortete nicht alle Rechtsfragen. Zwar hatte ihn Richard von Cornwall 1262 mit Österreich und der Steiermark belehnt, doch unter Rudolf wurde diese Verleihung aus der Zeit rivalisierender Könige erneut angefochten.

Hier setzte Rudolf an. Auf einem Hoftag in Nürnberg 1274 verlangten er und die anwesenden Fürsten, dass entfremdetes Reichsgut zurückgewonnen werde. Dazu gehörten Besitzungen und Rechte, über die der König für das Reich verfügen sollte. Ottokars Länder gerieten damit ins Zentrum der Auseinandersetzung.

Die Forderung hatte eine praktische Folge: Wenn Rudolf die südlichen Erwerbungen des Böhmenkönigs zurückholen konnte, durfte er über ihre künftigen Herren mitentscheiden. Was zunächst als Wiederherstellung königlicher Rechte erschien, eröffnete zugleich eine Möglichkeit, die eigene Familie aufzuwerten.

Der erste Feldzug endet mit einem Verzicht

Ottokar unterwarf sich den Forderungen nicht. 1275 verhängte Rudolf die Reichsacht über ihn. Damit entzog er seinem Gegner den rechtlichen Schutz und schuf die Grundlage, militärisch gegen ihn vorzugehen.

Für einen erfolgreichen Feldzug genügte dieser Spruch allerdings nicht. Rudolf brauchte Truppen und Unterstützung entlang der Marschroute. Zu seinen Verbündeten gehörte Graf Meinhard II. von Tirol. Auch in Österreich und der Steiermark wandten sich Adelige gegen Ottokar. Dessen Herrschaft war dort keineswegs so fest verankert, wie die Ausdehnung seiner Länder vermuten ließ.

1276 rückte Rudolf nach Österreich vor. Zugleich bedrängten Gegner den Böhmenkönig in anderen Teilen seines Machtbereichs. Ottokar musste nachgeben, bevor es zur entscheidenden Schlacht kam. Im November verzichtete er im Frieden von Wien auf seine südlichen Erwerbungen und erkannte Rudolf als König an. Böhmen und Mähren erhielt er von ihm als Lehen zurück: Rudolf bestätigte ihm die Herrschaft, Ottokar akzeptierte dafür dessen übergeordnete Stellung im Reich.

Heiratsvereinbarungen zwischen den Kindern beider Herrscher sollten den Ausgleich sichern. Doch bei der Umsetzung des Friedens stritten Rudolf und Ottokar über die vereinbarten Bedingungen.

Die Entscheidung bei Dürnkrut

Nach dem Frieden wurde Rudolfs Lage schwieriger. Seine Absicht, die gewonnenen Länder für die Habsburger zu sichern, weckte Misstrauen unter den Reichsfürsten. In Österreich besaß Ottokar weiterhin Anhänger. Der Böhmenkönig entschloss sich, erneut zu den Waffen zu greifen.

Rudolf fand einen entscheidenden Verbündeten in Ladislaus IV. von Ungarn. Für den ungarischen König bot der Krieg die Gelegenheit, den mächtigen böhmischen Nachbarn zu schwächen. Seine Truppen verstärkten Rudolfs Heer erheblich; dazu gehörten auch kumanische Reiter, die mit Bögen kämpften.

Am 26. August 1278 trafen die Heere bei Dürnkrut und Jedenspeigen nordöstlich von Wien aufeinander. Rudolf gewann die Schlacht. Die ungarische Hilfe trug wesentlich dazu bei, dass er Ottokars Aufgebot besiegen konnte.

Der Böhmenkönig kam während der Niederlage ums Leben. Wie genau er starb und wer ihn tötete, lässt sich aus den überlieferten Berichten nicht sicher rekonstruieren. Sein Tod nahm dem Kampf jedoch die bisherige treibende Kraft: Ottokar konnte seine Ansprüche auf Österreich und die Steiermark nicht mehr erneuern.

Das ehemalige Schlachtfeld bei Dürnkrut

Vom königlichen Sieg zum Familienbesitz

Rudolf machte sich nach der Schlacht nicht zum König von Böhmen. Dort blieb Ottokars Sohn Wenzel der dynastische Erbe. Für die Habsburger konzentrierte Rudolf sich auf Österreich und die Steiermark.

Zwischen dem militärischen Erfolg und der dauerhaften Übertragung dieser Länder lagen dennoch vier Jahre. Der König musste ihre Verwaltung sichern und die Zustimmung der Kurfürsten gewinnen. Er konnte Reichslehen nicht ohne Rücksicht auf die übrigen Fürsten zu einem erblichen Besitz seiner Familie machen.

Am 27. Dezember 1282 belehnte Rudolf auf dem Hoftag in Augsburg seine Söhne Albrecht und Rudolf mit Österreich und der Steiermark sowie mit Krain und der Windischen Mark. Die Brüder erhielten die Länder „zur gesamten Hand“, also gemeinsam und ungeteilt. Die Söhne des einstigen Grafen wurden Herzöge von Österreich.

König Rudolf, Abb. 16. Jhdt.

Kärnten verlieh Rudolf 1286 Meinhard von Tirol, der ihn im Kampf unterstützt hatte. Schon bei der Aufteilung der gewonnenen Länder musste der König die Interessen seiner Verbündeten berücksichtigen.

Auch die gemeinsame Regierung der beiden Söhne hielt nicht lange. 1283 bestimmte die Rheinfelder Hausordnung Albrecht zum alleinigen Regenten. Österreichische und steirische Landherren hatten auf eine eindeutige Führung gedrängt. Der jüngere Rudolf sollte für seinen Verzicht entschädigt werden. Der neue Familienbesitz brachte damit bereits einen Streit über seine Verteilung hervor.

Die Länder an der Donau gaben den Habsburgern eine Machtgrundlage, die über Rudolfs Königtum hinaus bestehen konnte. Die Krone selbst blieb dagegen von der Entscheidung der Fürsten abhängig. Rudolf erreichte weder die Kaiserkrönung noch die gesicherte Nachfolge seines Sohnes. Nach seinem Tod 1291 wählten die Kurfürsten im folgenden Jahr Adolf von Nassau zum König. Albrecht musste sich zunächst mit der österreichischen Herzogsherrschaft begnügen – jener Stellung, die sein Vater durch Krieg und Verhandlungen für ihn geschaffen hatte.


Zum Weiterlesen

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Heimann, H.-D. (2025): Die Habsburger. Dynastie und Kaiserreiche.*

Rady, M. (2021): Die Habsburger. Aufstieg und Fall einer Weltmacht.*

Bildnachweis

Titel: Die Burg Habsburg. Wikimedia Commons, Roland Zumbuehl. CC BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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