Startseite » Morgarten 1315 – Leopolds gescheiterter Feldzug

Morgarten 1315 – Leopolds gescheiterter Feldzug

Illustration aus der Tschachtlanchronik, 1470

In der Dreikönigsnacht 1314 überfielen Männer aus Schwyz das Kloster Einsiedeln und plünderten die Abtei. Seit Generationen stritten ihre Gemeinden mit den Mönchen um die Nutzung benachbarter Weiden und Wälder. Mit dem Angriff trafen sie zugleich die Habsburger: Die Familie hatte die Schirmherrschaft über das Kloster übernommen.

Der Überfall forderte deshalb Herzog Leopold I. von Österreich heraus, der für den Schutz der Abtei zuständig war. Im folgenden Jahr zog er mit einem Heer in die Region. Am Morgarten scheiterte sein Vorstoß.

Der Streit um das Land

Die Schwyzer hatten nördlich der Mythen neue Weiden erschlossen und Wälder gerodet. Das Kloster beanspruchte diese Gebiete aufgrund königlicher Schenkungen. Die Siedler beriefen sich dagegen auf die Nutzung des Landes, das sie selbst erschlossen hatten. Für beide Seiten ging es darum, ihre wirtschaftliche Grundlage zu sichern.

In diesem sogenannten Marchenstreit bezeichnete die „March“ eine Grenze. Doch eine Linie auf einer Urkunde beendete die Auseinandersetzung nicht. Klösterliche Vögte ließen schwyzerisches Vieh pfänden und Hütten verbrennen. Die Gemeinden nutzten weiterhin Flächen, die der Abt für Einsiedeln beanspruchte. Auch Schiedsversuche brachten keinen dauerhaften Frieden.

Die Habsburger gerieten durch ihre Schutzverpflichtung immer tiefer in den Konflikt. Sie sollten die Rechte der Abtei durchsetzen und begegneten dabei Gemeinden, die ihre eigenen Ansprüche verteidigten. Der Überfall von 1314 verschärfte diesen Gegensatz.

Leopold unterstützt seinen Bruder

Leopold I.

Leopold war ein Enkel Rudolfs I., der seiner Familie die Herzogtümer Österreich und Steiermark gesichert hatte. Neben diesen Ländern besaßen die Habsburger weiterhin umfangreiche Herrschaftsrechte im Südwesten des Reiches. Leopold kümmerte sich besonders um diese westlichen Gebiete.

Im Herbst 1314 erhoben rivalisierende Fürstengruppen zwei Männer zu römisch-deutschen Königen: Friedrich den Schönen von Habsburg und Ludwig von Bayern aus dem Haus Wittelsbach. Leopold unterstützte seinen Bruder Friedrich. Damit erhielt der örtliche Konflikt eine weitere politische Bedeutung.

Die Gemeinden von Uri, Schwyz und Unterwalden, die sogenannten Waldstätte, erwarteten von Ludwig Unterstützung gegen die österreichischen Herzöge. König Heinrich VII. hatte ihnen bereits 1309 die Reichsfreiheit bestätigt: Sie sollten unmittelbar dem König unterstehen. Die Habsburger erkannten diese Stellung nicht an.

Friedrich verhängte die Reichsacht über die Schwyzer und entzog ihnen damit den königlichen Rechtsschutz. Leopold bereitete ein militärisches Vorgehen vor. Der Herzog konnte sich nun sowohl auf die Rechte seiner Familie als auch auf den Herrschaftsanspruch seines Bruders berufen.

Der Überfall am Ägerisee

Leopold sammelte seine Truppen in Zug, einem habsburgischen Stützpunkt. Am 15. November 1315 zog sein Aufgebot durch das Ägerital gegen Sattel. Wohin er anschließend gelangen wollte, bleibt offen. Ein Vorstoß nach Schwyz kommt ebenso infrage wie ein Vorgehen zugunsten des Klosters Einsiedeln.

Im Raum Schornen, am südöstlichen Ende des Ägerisees, überfielen die Schwyzer das anrückende Heer. Der Angriff traf Leopolds Leute während ihres Vormarschs. Nach einem blutigen Nahkampf flohen die herzoglichen Truppen. Leopold selbst entkam.

Wie genau die Kämpfer den Hinterhalt vorbereitet hatten, lässt sich nicht zuverlässig rekonstruieren. Die ausführlichsten Schilderungen entstanden erst Jahrzehnte später. Ihre Verfasser erzählten von herabgeworfenen Steinen und von Männern, die im See ertranken. Spätere Darstellungen ergänzten das Bild um rollende Felsblöcke und Baumstämme. Der genaue Ablauf des Gefechts sowie die Zahl der Beteiligten und Toten bleiben daher ungewiss.

Für Leopold war der Ausgang dennoch eindeutig. Die Schwyzer hatten den herzoglichen Vorstoß abgewehrt und damit gezeigt, dass sie einem solchen Heer militärisch widerstehen konnten.

Ein Bund in Brunnen

Nach dem Sieg suchten die Schwyzer eine engere Verbindung mit ihren Nachbarn. Am 9. Dezember 1315 besiegelten Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden in Brunnen einen Bund. Sie verpflichteten sich zur gegenseitigen Hilfe und regelten, wie sie Streitigkeiten untereinander beilegen wollten.

Eine Bestimmung schränkte die Möglichkeit ein, sich einzeln mit einem mächtigen Herrn zu verständigen: Kein Partner sollte ohne Zustimmung der anderen einen neuen Herrn annehmen oder ein Bündnis mit Außenstehenden schließen. Wer mit den Waldstätten verhandelte, musste künftig stärker mit ihrem gemeinsamen Vorgehen rechnen.

Leopold bereitete weitere Unternehmungen gegen die Waldstätte vor. Erst 1318 vereinbarten sie mit ihm einen Waffenstillstand, den beide Seiten wiederholt verlängerten. Der Streit mit Einsiedeln dauerte noch länger. 1350 legte ein Friedensvertrag die Grenze zwischen dem Klostergebiet und Schwyz fest. Große Teile dieser Grenzziehung bestehen bis heute zwischen den Bezirken Einsiedeln und Schwyz fort.


Darstellung der Schlacht am Rathaus von Schwyz, Fresko von Ferdinand Wagner (1891)

Zum Weiterlesen

Links, die mit Sternchen (*) gekennzeichnet sind, führen auf die Seite von Amazon.de. Wenn Sie über diese Links bestellen, unterstützen Sie unsere Arbeit, ohne dass Ihnen Mehrkosten entstehen.

Heimann, H.-D. (2025): Die Habsburger. Dynastie und Kaiserreiche.*

Rady, M. (2021): Die Habsburger. Aufstieg und Fall einer Weltmacht.*

Bildnachweis

Titel: Schlacht bei Morgarten, Illustration von Johannes Stumpf, 1547.

Glas Leopold: Wikimedia Commons, vlastní fotka. CC BY-SA 3.0.

Karte: Wikimedia Commons, Marco Zanoli. CC BY-SA 4.0.

Schlacht am Rathaus: Wikimedia Commons, Adrian Michael. CC BY-SA 2.5.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

Schreibe einen Kommentar