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Die Hungerjahre unter Moctezuma I. – Wenn der Mais ausbleibt

Moctezuma I. im Codex Mendoza

Azteken – Folge 5 von 32

In den 1450er Jahren blieb im Tal von Mexiko wiederholt die Maisernte aus. Dürre und Heuschrecken verschärften die Not während der Herrschaft Moctezumas I. Familien verließen ihre Wohnorte; manche verkauften Kinder, um sie und sich selbst am Leben zu erhalten. Der Hunger traf ein Gemeinwesen, dessen militärischer Einfluss zuvor gewachsen war.

Eine Hauptstadt kann keine Ernte befehlen

Tenochtitlan lebte von der Arbeit seiner eigenen Bewohner und von Zufuhren aus anderen Gemeinden. Die intensiv bewirtschafteten Felder im Seebecken ergänzten Handel und Tribut. Diese verschiedenen Wege waren im Alltag eine Stärke. Bei weitreichenden Ernteausfällen gerieten jedoch mehrere zugleich unter Druck.

Auch eine tributpflichtige Gemeinde konnte nur abliefern, was ihre Bauern erzeugt oder anderweitig beschafft hatten. Wenn Vorräte schwanden und die nächste Ernte ausblieb, half der Anspruch auf Abgaben allein nicht weiter. Für Stadtbewohner, die ihre Nahrung nicht selbst anbauten, wurde der Ausfall auswärtiger Lieferungen unmittelbar gefährlich.

Der Hof verfügte über Vorräte und konnte Güter verteilen. Solche Reserven überbrückten Engpässe, ließen sich bei wiederholtem Ausfall aber nicht beliebig erneuern. Die Dauer der Krise ist deshalb für ihr Verständnis wichtiger als die Vorstellung eines einzelnen schlechten Erntejahrs. Die Quellen stimmen in der genauen zeitlichen Einordnung nicht überall überein; die Belastung durch aufeinanderfolgende Missernten tritt dennoch deutlich hervor.

Nahrung gegen persönliche Freiheit

Besonders folgenreich war der Verkauf von Kindern an Kaufleute, die nach Osten in totonakische Gebiete oder weiter in Maya-Regionen reisten. Dort war die Dürre weniger schwer. Die Eltern konnten hoffen, dass ihre Kinder bei Käufern mit Nahrung überlebten. Sie verloren dabei die Möglichkeit, deren weiteres Leben zu bestimmen. Andere Jugendliche brachen selbst auf, um Essen zu suchen und die eigenen Familien zu entlasten.

Für die Hungernden lag die Entscheidung zwischen unmittelbar drohendem Tod und dem Verlust persönlicher Freiheit. Versklavung konnte in der Nahua-Welt auch aus Schulden entstehen; ihre Bedingungen und die Möglichkeiten einer Auslösung unterschieden sich nach dem Anlass. Der Verkauf über große Entfernung erschwerte es Angehörigen besonders, die Betroffenen später wiederzufinden und freizukaufen.

Vorspanische Tlaloc-Skulptur aus Morelos
Tlaloc, der Regengott, als vorspanische Steinskulptur aus Morelos (1325–1521)

Berichte über fortziehende Kinder und auseinanderbrechende Familien machen diese Folgen sichtbar. Sie sind keine Grundlage für eine zuverlässige Gesamtzahl der Opfer. Ebenso wenig lässt sich aus ihnen eine einheitliche Erfahrung sämtlicher Bewohner ableiten. Entscheidend war, über welche Vorräte und Verbindungen ein Haushalt noch verfügte.

Ein überliefertes Gebet an Tlaloc, den Regengott, beschreibt ausgemergelte Menschen mit trockenen Mündern und hervortretenden Knochen. Es lenkt den Blick besonders auf kleine Kinder. Solche Beschreibungen zeigen die körperliche Not, aus der die Verkäufe hervorgingen.

Die Krise erschütterte auch das Verhältnis zu abhängigen Nachbarn. Chalco südöstlich des Sees widersetzte sich während der Dürre. 1455 begann dort ein langwieriger Krieg; nach etwa zehn Jahren setzte Moctezuma die örtlichen Herrscherlinien ab und ließ Männer seiner Wahl einsetzen. Damit verband sich die Versorgungskrise mit einer Auseinandersetzung um bestehende Herrschaft. Dass jeder einzelne Feldzug allein der Beschaffung neuer Nahrungsmittel diente, lässt sich daraus nicht ableiten. Für die fortgebrachten Kinder öffnete auch ein späterer Sieg keinen gesicherten Weg zurück.


Zum Weiterlesen

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Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Bildnachweis

Titel: Moctezuma I. im Codex Mendoza. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler.

Skulptur: Vorspanische Tlaloc-Skulptur aus Morelos. Wikimedia Commons, Zythème.

Alle Bilder gemeinfrei.

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