1507 erloschen die Feuer der Haushalte vor einer gemeinsamen Erneuerungszeremonie. Auf dem Huixachtlan, dem heutigen Cerro de la Estrella bei Iztapalapa, bereiteten Priester die Entzündung eines neuen Feuers vor. Die Menschen im Tal von Mexiko warteten darauf, dass es von dort aus weitergegeben wurde.
Warum gerade dieser Zeitpunkt wichtig war
Die Mexica verwendeten einen Jahreskalender von 365 Tagen und einen rituellen Zyklus von 260 Tagen. Nach 52 Jahren kehrte dieselbe Verbindung beider Zählungen wieder. Dieser Abschluss eines „Jahresbündels“ wurde als gefährlicher Übergang verstanden, an dem die Fortdauer der Welt erneut gesichert werden musste.
Kalender dienten damit mehr als der Datierung. Bestimmten Tagen schrieb man besondere Wirkungen zu; Fachkundige berieten über geeignete Zeitpunkte für Handlungen. Die große Erneuerungszeremonie übertrug solche Vorstellungen auf einen Übergang, der ganze Gemeinschaften gleichzeitig betraf.
Die überlieferten Beschreibungen verbinden die Entzündung des neuen Feuers mit einer menschlichen Opfertötung. Auf dem Körper des Opfers wurde Feuer erzeugt. Das Gelingen der Handlung zeigte den Beteiligten, dass ein neuer Abschnitt beginnen konnte. Gewalt und erwartete Erneuerung gehörten innerhalb dieses Rituals unmittelbar zusammen.
Vom Hügel in die Haushalte
Das neue Feuer gelangte zunächst zu wichtigen Heiligtümern und von dort weiter in die Gemeinden. Seine Verteilung verband den zentralen Vollzug mit den Herdstellen gewöhnlicher Haushalte. Die Menschen hatten ihre eigenen Feuer gelöscht und übernahmen anschließend die neue Flamme. Damit vollzogen sie die Erneuerung auch zu Hause.
Die Erwartung prägte auch das Verhalten während der Nacht. Nach den überlieferten Beschreibungen hielten Erwachsene Kinder wach, weil Schlafende sich in Mäuse verwandeln könnten. Schwangere Frauen trugen Masken aus Agavenblättern und wurden in Vorratsräumen bewacht. Man fürchtete, sie könnten bei einem Scheitern der Welterneuerung zu Wesen werden, die ihre Angehörigen verschlangen. Solche Befürchtungen gehörten zur religiösen Erklärung des gefährlichen Übergangs.
Das Fest von 1507 fand während Moctezumas II. Herrschaft statt und war die letzte Neufeuerzeremonie vor der spanischen Eroberung. Die übernommene Flamme erlaubte den Haushalten, ihre Herdstellen wieder zu entzünden. Mit dem nächsten gekochten Essen ging der öffentlich begangene Kalenderübergang in den Alltag der Bewohner über.

Zum Weiterlesen
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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*
Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*
Bildnachweis
Titel: Neufeuerzeremonie im Codex Borbonicus, Seite 34. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.
Schauplatz: Heutige Anlage auf dem Cerro de la Estrella. Wikimedia Commons, Thayne Tuason. CC BY 4.0.



