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Tenochtitlan 1520 – Vom Toxcatl-Massaker zum Rückzug der Besatzer

Massaker am Templo Mayor in einer kolonialzeitlichen Darstellung

Während des Toxcatl-Festes im Mai 1520 griffen spanische Soldaten Teilnehmer im heiligen Bezirk Tenochtitlans an. Pedro de Alvarado befehligte die zurückgebliebene Besatzung. Hernán Cortés war an die Küste gezogen, um gegen die Truppe des Pánfilo de Narváez vorzugehen. Die Gewalt gegen die Feiernden verwandelte die angespannte Besatzungslage in einen offenen Kampf um die Stadt.

Eine Feier wird zum Angriffsort

Das Fest versammelte Angehörige der städtischen Führung und weitere Teilnehmer zu rituellen Handlungen. In den Nahua-Berichten setzen die Spanier mit der Tötung ein, während die Menschen tanzen und musizieren. Die räumliche Begrenzung des Festplatzes erschwerte den Angegriffenen die Flucht.

Alvarado rechtfertigte den Angriff mit einem angeblich bevorstehenden Anschlag. Zu dieser Behauptung trugen Warnungen tlaxcaltekischer Begleiter bei. Außerdem wurden Gefangene verhört; nach einem späteren spanischen Zeugnis bestätigten sie den Verdacht unter Folter. Solche Aussagen können den behaupteten Plan nicht unabhängig sichern. Der Angriff selbst ist dagegen in unterschiedlichen Überlieferungen belegt.

Damit verlor die bisherige Zusammenarbeit unter Zwang eine wesentliche Grundlage. Moctezuma, der gefangen gehaltene Herrscher Tenochtitlans, konnte den Schutz der Teilnehmer nicht gewährleisten. Seine Nähe zur Besatzung wurde für Menschen, deren Angehörige getötet worden waren, zunehmend schwer mit seiner Aufgabe als Herrscher vereinbar.

Cortés kehrt mit mehr Männern zurück

An der Küste setzte sich Cortés gegen Narváez durch. Dessen Expedition war vom Gouverneur Kubas entsandt worden, der Cortés wieder unter seine Kontrolle bringen wollte. Nach dem Sieg konnte Cortés einen erheblichen Teil der gegnerischen Mannschaft für sich gewinnen.

Am 24. Juni kehrte Cortés nach Tenochtitlan zurück. Trotz der Verstärkung blieb sein Quartier eingeschlossen. In den folgenden Tagen verschärften sich die Angriffe; die Versorgung wurde knapp. Cortés ließ Cuitlahuac, Moctezumas Bruder und Herrscher von Iztapalapa, aus der Geiselhaft frei, vermutlich um Lebensmittel zu erhalten. Cuitlahuac organisierte stattdessen die Führung des Widerstands. Die Freilassung schuf damit einen handlungsfähigen Gegner außerhalb des Quartiers.

Die Insel war durch Dämme mit dem Festland verbunden. Wo deren Durchlässe geöffnet oder Brücken entfernt wurden, entstanden Hindernisse für einen geschlossenen Abzug. Mexica-Kämpfer konnten zugleich auf Kanus an die Seiten solcher Wege gelangen. Die Stadtlandschaft begünstigte damit Angriffe auf eine Truppe, die sich auf engem Raum bewegen musste.

Moctezumas Tod beendet die Geiselpolitik

Moctezumas Tod in der Historia de Tlaxcala
Moctezumas Tod in einer kolonialzeitlichen Bilderhandschrift

Cortés verlangte von Moctezuma, vom Dach aus zur Einstellung der Angriffe aufzurufen. Die Berichte widersprechen sich darüber, ob die Kämpfer ihm noch zuhörten. Ende Juni starb er. Spanische Autoren führen seinen Tod auf Steinwürfe aus der eigenen Bevölkerung zurück; indigene Überlieferungen beschuldigen dagegen die Spanier, ihn getötet zu haben. Die widersprüchlichen Aussagen lassen keine sichere Rekonstruktion jedes einzelnen Schrittes zu.

Vor ihrem Ausbruch töteten die Spanier weitere indigene Geiseln. Zu ihnen gehörten nach der Überlieferung Cacama aus dem Herrscherhaus Texcocos und Itzquauhtzin, der Herrscher von Tlatelolco. Einige Kinder Moctezumas überlebten zunächst und wurden mitgeführt. Der Tod führender Gefangener nahm der Besatzung weitere Möglichkeiten, durch deren Person Einfluss auf die Stadt auszuüben.

Ein Verbleib im Quartier versprach daher keine dauerhafte Sicherheit. Cortés entschied sich für den Ausbruch. Die kampffähigen Männer mussten den Weg über die Dämme sichern, während Verwundete versorgt und mitgeführte Güter weitergebracht wurden. Jeder Halt an einem zerstörten Übergang gefährdete die Menschen dahinter.

Der nächtliche Rückzug

In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1520 versuchten die Spanier und ihre Verbündeten, die Insel nach Westen zu verlassen. Der Rückzug wurde entdeckt. An den Engstellen geriet die Kolonne unter Druck; zahlreiche Menschen starben im Kampf oder ertranken.

Die späteren spanischen Erzählungen konzentrieren sich häufig auf verlorenes Gold und die Leiden der eigenen Männer. Auch die indigenen Verbündeten erlitten schwere Verluste. Ihre Beteiligung ist für das Verständnis des Ausbruchs wesentlich: Aus der Stadt floh eine gemischte Koalition, deren Angehörige sehr unterschiedliche Gründe hatten, an Cortés’ Seite zu stehen.

Den Überlebenden gelang schließlich der Weg nach Tlaxcala. Damit war die spanische Besetzung Tenochtitlans zunächst gescheitert. Für einen erneuten Angriff mussten Cortés und seine Partner das Problem anders lösen: Die Insel durfte nicht nochmals betreten werden, solange ihre Gegner die Versorgung und die Wege über den See weitgehend kontrollierten. Der militärische Erfolg der Verteidiger von 1520 bestimmte dadurch die Vorbereitung der folgenden Belagerung.


Zum Weiterlesen

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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Bildnachweis

Titel: Massaker am Templo Mayor in einer kolonialzeitlichen Darstellung. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

Moctezumas Tod in der Historia de Tlaxcala. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler; Historia de Tlaxcala des Diego Muñoz Camargo. Gemeinfrei.

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