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Die Pocken von 1520 – Eine Epidemie trifft die Kriegsparteien

1964 eingeweihtes Cuitlahuac-Denkmal in Mexiko-Stadt

In der zweiten Hälfte des Jahres 1520 erkrankten zahlreiche Bewohner des zentralmexikanischen Hochlands an Pocken. Nahua-Berichte beschreiben Menschen, die sich wegen ihrer Beschwerden kaum bewegen konnten, und Haushalte, in denen niemand mehr zur Versorgung der anderen in der Lage war. Die Krankheit breitete sich während eines Krieges aus, der bereits Wege und Arbeitsabläufe gestört hatte.

Eine neue Krankheit in bestehenden Verbindungen

Die Pocken gelangten über die atlantischen Kontakte nach Mesoamerika. Erzählungen schreiben ihre Einführung häufig einer einzelnen Person aus der Expedition des Narváez zu. Eine lückenlose Kette aller frühen Ansteckungen lässt sich daraus nicht herstellen. Entscheidend war, dass Reisen und Kontakte die Ausbreitung zwischen Küste und Hochland ermöglichten.

Für die örtliche Bevölkerung war die Krankheit neu. Frühere Ansteckungen, die bei Überlebenden Schutz bieten konnten, hatten hier nicht wie in lange betroffenen Weltregionen stattgefunden. Daraus folgte jedoch keine unterschiedslose Immunität sämtlicher Europäer und ebenso wenig eine feststehende Sterblichkeit jedes indigenen Erkrankten.

Die Gesamtzahl der Toten bleibt unsicher. Spätere Bevölkerungsrückgänge lassen sich nicht vollständig einer einzigen Epidemie zurechnen; weitere Krankheiten und die Folgen von Krieg und Ausbeutung wirkten hinzu. Die zeitnahen Beschreibungen reichen dennoch aus, um eine schwere Krise zu erkennen, ohne eine scheinbar genaue Opferquote vorauszusetzen.

Pflege und Nahrung fallen gleichzeitig aus

Die Erkrankung mehrerer Angehöriger konnte einen ganzen Haushalt lahmlegen. Den Verteidigern fehlten Kämpfer; in den Haushalten blieben das Wasserholen und die Zubereitung von Nahrung liegen. Ein vorhandener Vorrat konnte den Hunger deshalb nicht verhindern, wenn niemand ihn verarbeiten oder zu einem Kranken bringen konnte.

Auch Feldarbeit und Transporte wurden beeinträchtigt. Manche Familien mussten den Verlust eines Angehörigen bewältigen, während andere noch krank waren. Das konnte die nächste Versorgung verzögern: Wer einen Erkrankten betreute, fehlte zugleich bei der Arbeit, mit der Nahrung beschafft oder zubereitet wurde.

In Tenochtitlan starb auch Cuitlahuac, der nach Moctezuma die Herrschaft übernommen hatte. Sein Tod erzwang eine weitere Nachfolge in kurzer Zeit. Cuauhtemoc trat an die Spitze einer Stadt, die ihre Gegner zuvor vertrieben hatte, nun aber unter schweren Verlusten litt.

Der Krieg bleibt eine Frage von Entscheidungen

Pockenkranke im Florentiner Codex
Pockenkranke im Florentiner Codex (16. Jahrhundert). Die Darstellung veranschaulicht die körperliche Not während der Epidemie.

Die Krankheit hielt sich nicht an Bündnisgrenzen. Auch die Bevölkerung Tlaxcalas erlitt hohe Verluste. Der spanische Anführer Hernán Cortés blieb jedoch außerhalb Tenochtitlans handlungsfähig und griff in örtliche Herrscherwechsel ein. Als Ende 1520 sein tlaxcaltekischer Unterstützer Maxixcatzin starb, förderte er die Einsetzung von dessen minderjährigem Sohn und ließ ihn taufen. In Tenochtitlan musste die Nachfolge Cuitlahuacs dagegen während der Vorbereitungen auf einen erneuten Angriff bewältigt werden. Todesfälle in den Führungsschichten trafen somit auf unterschiedliche politische Möglichkeiten.

Die Epidemie veränderte die Voraussetzungen des Feldzugs von 1521 erheblich. Für den Bau der Schiffe und den Kampf um die Zugänge zur Insel benötigte Cortés dennoch die fortgesetzte Unterstützung seiner Verbündeten. Die Überlebenden Tenochtitlans leisteten weiterhin Widerstand; ihre Erkrankungen hatten den Handlungsspielraum eingeschränkt, ohne ihnen sämtliche Entscheidungen abzunehmen.


Zum Weiterlesen

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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*

Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*

Bildnachweis

Titel: 1964 eingeweihtes Cuitlahuac-Denkmal in Mexiko-Stadt. Wikimedia Commons, JEDIKNIGHT1970. CC BY 2.5.

Handschrift: Pockenkranke im Florentiner Codex. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

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