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Cosimo und die Kunst der Zurückhaltung

Cosimo der Ältere, Porträt von Pontormo, um 1518–1520.

Florenz. Macht, Stadt und Gesellschaft zwischen Republik und Dynastie · Folge 3

Cosimo de’ Medici folgte im September 1433 einer Vorladung in den Palazzo della Signoria. Die Regierung wollte ihn angeblich über Staatsgeschäfte befragen. Im Palast ließ sie ihn festsetzen. Der Bankier, dessen Familie vielen Florentinern Geld geliehen und Wege in öffentliche Ämter eröffnet hatte, befand sich nun in der Gewalt seiner Gegner.

An der Spitze der Stadtregierung, der Signoria, stand Bernardo Guadagni, ein Verbündeter Rinaldo degli Albizzis. Ihre Gruppe betrachtete Cosimos wachsenden Anhang als Bedrohung. Seine Entfernung sollte einen Einfluss brechen, der schwer an einem bestimmten Amt festzumachen war. Cosimo hatte öffentliche Aufgaben übernommen; seine besondere Stellung ging jedoch weit über die Befugnisse dieser zeitweiligen Ämter hinaus.

Palazzo della Signoria, heute Palazzo Vecchio.
Palazzo della Signoria, heute Palazzo Vecchio.

Der Angriff auf die Bank

Der erfolglose Krieg gegen Lucca hatte die Rivalität verschärft. Florenz benötigte große Summen, und die Medici beteiligten sich als Kreditgeber an der Finanzierung. Militärische Enttäuschungen und steigende Belastungen vergrößerten zugleich den Streit darüber, wer für die Politik der Republik verantwortlich war.

Die für September und Oktober gezogene Signoria besaß eine Mehrheit gegen die Medici. Neben Guadagni gehörte ihr Bartolomeo Spini an; seine Familie hatte durch den Verlust des päpstlichen Bankgeschäfts an die Medici schwere Einbußen erlitten. Der Vorschlag, die führenden Männer der Medici-Gruppe zu verbannen, erhielt sechs gegen drei Stimmen. Cosimo notierte das Ergebnis später, obwohl Mitteilungen über die Beratungen bei Todesstrafe verboten waren. Seine Informanten erreichten ihn auch in der Haft.

Eine mit Sondervollmachten ausgestattete Kommission, eine balìa, verhängte Verbannungen und schloss Mitglieder der Familie von Ämtern aus. Cosimo sollte zunächst in Padua leben. Seine erzwungene Abwesenheit wurde schließlich auf zehn Jahre festgesetzt.

Hohe Kautionen ergänzten die Strafe. Cosimo musste 20.000 Florentiner Gulden als Sicherheit stellen. Diese Forderung traf die Bank an einem empfindlichen Punkt: Ein großes Vermögen bestand nicht vollständig aus jederzeit verfügbarem Bargeld. Wer gleichzeitig Auszahlungen leisten und politische Eingriffe in seine Geschäfte fürchten musste, konnte zahlungsunfähig werden, obwohl ihm erhebliche Forderungen zustanden.

Cosimo hatte vorgesorgt. Schon vor der Verhaftung ließ er Kapital nach Venedig und Rom verlagern. Seine Firma konnte deshalb auf Mittel außerhalb des unmittelbaren Zugriffs der Florentiner Regierung zurückgreifen. Dazu kamen Hilfsangebote auswärtiger Kaufleute und Herrscher. Die Verbannung schnitt ihn von seiner Heimat ab, zerschlug jedoch seine geschäftlichen Grundlagen nicht.

In Venedig warten

Nach einem Aufenthalt in Padua durfte Cosimo nach Venedig übersiedeln. Dort empfingen ihn einflussreiche Männer mit großer Aufmerksamkeit. Die Lagunenrepublik setzte sich auch diplomatisch für ihn ein. Seine Gegner konnten ihn aus Florenz entfernen; außerhalb der Stadt galt er weiterhin als bedeutender Geschäftspartner.

In Florenz blieben Verbündete zurück. Sie unterrichteten ihn über die politische Entwicklung. Die Regierung hatte zwar gegen die Familie gehandelt, den weiteren Kreis ihrer Unterstützer aber nicht umfassend aus den politischen Verfahren ausgeschlossen. Viele Namen lagen weiterhin in den Beuteln, aus denen die künftigen Amtsträger gezogen wurden.

Das eröffnete eine konkrete Möglichkeit zur Rückkehr. Die Gegner konnten ihren Erfolg nur behaupten, wenn ihnen auch spätere Regierungen günstig gesinnt blieben. Cosimo musste dagegen hoffen, dass seine verbliebenen Unterstützer eine veränderte Besetzung der Signoria nutzen würden. Sein Abwarten hatte damit eine institutionelle Voraussetzung: Die Regierungsämter wurden weiterhin in kurzen Abständen neu vergeben.

Im Spätsommer 1434 wurden für die folgenden zwei Monate Männer gezogen, unter denen seine Anhänger stark vertreten waren. Rinaldo degli Albizzi versuchte nun selbst, mit bewaffneten Gefolgsleuten Druck auszuüben. Doch sein Lager blieb uneinig. Papst Eugen IV., der sich damals in Florenz aufhielt, vermittelte. Der Aufmarsch zerfiel, bevor Rinaldo die Regierung zu Fall bringen konnte.

Die Rückkehr wurde abgesichert

Cosimos Verbündete überließen die Entscheidung nicht allein wechselnden Stimmungen. Ende September trat eine Bürgerversammlung zusammen, während bewaffnete Kräfte die Lage beherrschten. Sie erteilte einer neuen balìa weitreichende Vollmachten. Die Aufhebung der Verbannung erhielt dadurch den formalen Rahmen republikanischer Beschlüsse; militärischer Druck sicherte den Umschwung ab.

Im Oktober kam Cosimo nach Florenz zurück. Sein späterer Bericht betonte den begeisterten Empfang. Die Familie pflegte die Erinnerung an die Heimkehr eines ungerecht behandelten Bürgers. Dieses Bild ließ in den Hintergrund treten, wie gründlich seine Anhänger den Machtwechsel vorbereitet hatten.

Rinaldo degli Albizzi und andere führende Gegner mussten nun ihrerseits ins Exil. Weitere Verbannungen folgten. Der Eingriff reichte erheblich weiter als die Maßnahmen des Vorjahres. Auch Bürger, die sich erst spät gegen die Medici gestellt hatten, verloren ihren Platz in der Stadtpolitik.

Die Sieger verhinderten damit, dass eine neue günstige Ämterziehung den Umschwung sofort wieder rückgängig machte. Sie mussten allerdings zugleich einen hinreichend großen Teil der Führungsschicht einbinden. Dauerhaft ließ sich Florenz kaum gegen sämtliche Familien regieren, die über Erfahrung und eigene Gefolgsleute verfügten.

Wer die Namen auswählte

Der wichtigste Eingriff setzte deshalb bei der Vorbereitung der Ämtervergabe an. Die sogenannten accoppiatori bestimmten, welche zugelassenen Namen tatsächlich für die Besetzung der Signoria bereitlagen. Ihre Auswahl konnte das Feld so verengen, dass bei der anschließenden Ziehung nur politisch genehme Männer zum Zuge kamen.

Die Regierung wechselte weiterhin nach zwei Monaten. Für die Bürger blieben vertraute Titel und Abläufe sichtbar. Doch ein Verfahren, das ursprünglich die Bindung eines Amtes an eine einzelne Person erschweren sollte, wurde durch die Kontrolle des Kandidatenkreises beherrschbar. Cosimo brauchte keine lebenslange Ernennung zum Stadtoberhaupt, wenn die wichtigsten Entscheidungsträger regelmäßig aus einem verlässlichen Kreis hervorgingen.

Diese Kontrolle blieb umstritten. Phasen freierer Auslosung wechselten mit erneuter Vorauswahl. Auch die größeren Räte besaßen eigene Handlungsmöglichkeiten. 1458 musste die Medici-Gruppe eine schwere Krise mit Verhaftungen und einer unter bewaffnetem Druck einberufenen Versammlung überwinden. Wieder wurden Sondervollmachten erteilt und die Auswahl der Amtsträger enger gefasst.

Cosimos Stellung beruhte somit auf mehr als persönlichem Ansehen. Hinter seinem Auftreten als zurückhaltender Bürger standen Verfahren, mit denen Gegner ausgeschlossen und verlässliche Unterstützer in entscheidende Ämter gebracht werden konnten. In Krisen gehörte auch offene Gewaltandrohung zu diesen Mitteln.

Bauten für die Stadt und die Familie

Die Förderung religiöser Einrichtungen und der neue Familienpalast machten Cosimos Vorrang im Stadtbild sichtbar. Ab den 1440er-Jahren ließ Cosimo in der Via larga den Palazzo Medici errichten. Der Neubau entstand erst nach dem Exil. Wer dort vorstellig wurde, suchte den Haushalt eines Bürgers auf und zugleich einen Ort, an dem politische Wünsche erhebliche Wirkung entfalten konnten.

Nach einer von einem Zeitgenossen überlieferten Geschichte belasteten Cosimo Gelder aus fragwürdigen Geschäften. Er fragte Papst Eugen IV., der damals in Florenz weilte, um Rat; dieser empfahl ihm den Bau eines Klosters. Der Bericht stellt die Stiftung von San Marco in einen Zusammenhang mit Cosimos Gewissen. Zugleich gab er Reichtum für eine Einrichtung aus, die andere Florentiner nutzen konnten. Das erneuerte Dominikanerkloster erhielt auch eine Bibliothek. Solche Stiftungen ermöglichten geistliches Leben und schufen dauerhafte Erinnerungsorte. Sie stärkten dabei das Ansehen eines Hauses, dessen politischer Vorrang in der Verfassung keinen entsprechenden erblichen Titel besaß.

San Marco in Florenz.
San Marco in Florenz.

Auch das Baptisterium erinnerte an eine ältere Verbindung der Familie. Dort stand das Grabmal des 1419 verstorbenen Baldassare Cossa, des abgesetzten Johannes XXIII. Das von Donatello und Michelozzo geschaffene Monument hielt die Erinnerung an den einstigen päpstlichen Geschäftspartner im religiösen Zentrum von Florenz präsent.

Cosimo starb 1464. Die Stadt ehrte ihn anschließend als Pater patriae, als Vater des Vaterlandes. Die Bezeichnung verwandelte einen Vorrang, der mit Eingriffen in die Ämtervergabe und mit Verbannungen gesichert worden war, in die Erinnerung an väterliche Fürsorge. In San Lorenzo erhielt dieser Anspruch einen dauerhaften Ort. Der republikanische Schriftsteller Niccolò Machiavelli beschrieb den Unterschied später an Cosimos Verhältnis zum Patrizier Neri Capponi: Capponi habe viele Bewunderer, aber wenige Gefolgsleute besessen; Cosimo habe beides gewonnen. Sein Urteil lenkt den Blick von der Ehrung nach dem Tod zurück auf die Menschen, die Cosimo zu Lebzeiten verpflichtet hatte.


Zum Weiterlesen

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Reinhardt, V. (2009): Geld und Freunde. Wie die Medici die Macht in Florenz eroberten.* Darstellung der politischen Verfahren und persönlichen Verbindungen im Florenz des frühen 15. Jahrhunderts.

Reinhardt, V. (2022): Die Medici. Florenz im Zeitalter der Renaissance.* Überblick über die Familie und die politische Gesellschaft der Stadt.

Bildnachweise

Titelbild: Cosimo der Ältere, Porträt von Pontormo, um 1518–1520. Pontormo. gemeinfrei. Bildquelle. Ausschnitt.

Palazzo della Signoria, heute Palazzo Vecchio. Yair Haklai. CC BY-SA 4.0. Bildquelle.

San Marco in Florenz. Barnos. CC BY-SA 4.0. Bildquelle.

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