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Byzanz gegen Persien – Herakleios greift ein

Solidus des Herakleios, zwischen 610 und 613

Im Jahr 610 steckt Byzanz in einer Krise, die an mehreren Grenzen zugleich spürbar wird. In Konstantinopel verliert Kaiser Phokas Rückhalt, während im Osten persische Heere vorrücken. Ihr Herrscher Chosrau II. beruft sich auf die Ermordung des Kaisers Maurikios, den er als politischen Beschützer anerkannt hatte, und bricht den Frieden.

In dieser Lage richtet sich der Blick in Konstantinopel nach Südwesten. Aus Nordafrika greift Herakleios in den Machtkampf ein. Bis dahin steht er fern vom Kaiserhof. Er ist der Sohn des kaiserlichen Statthalters in Karthago, einem wichtigen Zentrum Nordafrikas. In der Hauptstadt verliert Phokas den Thron. Herakleios übernimmt die Herrschaft und steht sofort vor Aufgaben, die keinen Aufschub dulden. Im Norden bedrohen Awaren, ein Reitervolk im Donauraum, die Balkanprovinzen. Im Osten rücken persische Heere weiter vor.

Die Perser rücken vor

Die Heere Chosraus nutzen die Schwäche des Reiches. Sie dringen nach Kleinasien und Syrien vor. 614 fällt Jerusalem. Die Perser nehmen das Heilige Kreuz mit, eine Reliquie, die viele Christen mit der Kreuzigung Jesu verbinden. Der Verlust trifft den Kaiser politisch und religiös.

Chosrau II. als Panzerreiter, Taq-e-Bostan

Ab 618 greifen die Perser Ägypten an. Bis 619 erobern sie die Provinz und nehmen Alexandria. Damit verliert Byzanz einen der reichsten Räume des Reiches. Für Konstantinopel bedeutet das eine schwere Belastung. Ägypten liefert Einnahmen und versorgt die Hauptstadt seit langer Zeit mit wichtigen Gütern.

Herakleios gewinnt nur langsam Handlungsfreiheit. Er bereitet den Gegenschlag über Jahre vor. 622 steht er bereits im Feld, doch die Gefahr durch die Awaren zwingt ihn noch einmal zum Umlenken. 623 schließt er mit ihnen einen teuren Frieden. Danach kann er seine Kräfte stärker auf den Osten richten. Wie Herakleios Soldaten sammelt und ihre Versorgung bezahlt, zeigen die Quellen nur lückenhaft. Sicher ist, dass die Kirche Mittel bereitstellt. Prediger und Männer am Kaiserhof stellen den Krieg zunehmend als Kampf für den christlichen Glauben dar.

Der Kaiser führt selbst

Nun führt Herakleios den Krieg selbst. Damit verändert er seine Rolle. Der Kaiser tritt sichtbar an die Spitze der Armee und bindet den Kampf gegen Persien an seine eigene Person.

Die Feldzüge dauern mehrere Jahre. Herakleios setzt auf Bewegung und wiederholte Angriffe. Er zwingt den Gegner, auf seine Märsche zu reagieren. Schritt für Schritt verlagert er den Krieg in Räume, in denen die Perser selbst unter Druck geraten.

Konstantinopel hält stand

Herakleios greift eine persische Festung während der Belagerung Konstantinopels an, 14. Jhdt.

Während Herakleios im Osten kämpft, gerät die Hauptstadt in Gefahr. 626 greifen Awaren und Perser Konstantinopel an. In der Stadt sitzen Kaiserhof und Patriarchat. Von hier aus laufen Befehle in die Provinzen. Wer Konstantinopel hält, hält den politischen Mittelpunkt von Byzanz.

Die Angreifer kommen über die Mauern nicht hinaus. Die Awaren ziehen sich zurück, und die Perser erreichen ihr Ziel ebenfalls nicht. Für Herakleios ist dieser Ausgang entscheidend. Solange Konstantinopel standhält, kann er im Osten weiterkämpfen.

Der Sieg von 627

627 gelingt Herakleios der entscheidende Schlag gegen Persien. Der persische Großkönig verliert Rückhalt im eigenen Reich. Kurz darauf sucht die neue Führung Frieden. Byzanz erhält verlorene Gebiete zurück, und das Heilige Kreuz wird wiedergewonnen.

Für Herakleios ist das ein gewaltiger Erfolg. Er kann als Kaiser auftreten, der das Reich aus einer fast ausweglosen Lage geführt hat. Der Krieg hat die zurückgewonnenen Ostprovinzen jahrelang verwüstet. Nun endet er mit einem byzantinischen Sieg.

Ein Erfolg mit schweren Folgen

Der Sieg gibt dem Reich Luft, aber keine neuen Kräfte. Die langen Kriegsjahre erschöpfen Provinzen und binden Soldaten, die bald fehlen. In den zurückgewonnenen Gebieten müssen kaiserliche Beamte wieder Steuern einziehen und Befehle durchsetzen.

Wenige Jahre später erscheinen arabische Heere an den Grenzen. Seit 634 dringen sie in Räume vor, die Herakleios gerade erst zurückgewonnen hat. Jerusalem fällt erneut, und 642 geht Ägypten an die Araber verloren. Damit beginnt für Byzanz ein neuer Kampf um die östlichen Provinzen.

Herakleios bleibt deshalb eine schwer zu fassende Gestalt. Er handelt entschlossen und führt selbst Krieg. Der Kaiser, der Chosrau II. besiegt hat, erlebt noch, wie ein neuer Gegner Syrien und Ägypten aus der Hand Konstantinopels löst.


Zum Weiterlesen

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Peter Schreiner (2011): Byzanz. 565–1453 – Standardwerk zur politischen Geschichte des Byzantinischen Reiches von Justinian bis zum Fall Konstantinopels, mit klarer Chronologie und nüchterner Einordnung*.

Bildnachweis

Titel: Belagerung Konstantinopels durch Perser und Awaren. Wikimedia Commons, Simbotin. CC BY-SA 3.0 Ro.

Solidus Herakleios: Wikimedia Commons, Classical Numismatic Group, Inc. http://www.cngcoins.com. CC BY-SA 3.0.

Alle weiteren Bilder gemeinfrei.

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