Im Jahr 743 positionierte Herzog Odilo seine Truppen am Ufer des Lechs. Der Fluss galt in dieser Zeit als wichtige politische Trennlinie zwischen dem fränkischen Einflussgebiet und dem weitgehend eigenständig agierenden Baiern, wenngleich die Grenzen in der Praxis oft fließend blieben. Odilo suchte die militärische Auseinandersetzung mit den karolingischen Hausmeiern Karlmann und Pippin, um die Spielräume seines Herzogtums gegenüber der bereits bestehenden, losen fränkischen Oberhoheit zu erweitern. Die Schlacht bei Epfach endete jedoch mit einer Niederlage. Odilo musste fliehen und ordnete sich in den Verhandlungen des Folgejahres der fränkischen Vorherrschaft unter. Damit begann eine Phase verstärkter Integration Baierns in das fränkische Herrschaftssystem, auch wenn die Agilolfinger noch bis 788 als Herzöge amtierten.
Herrschaft und Normierung unter den Agilolfingern

Die agilolfingische Herrschaft wurzelte in einem Prozess, der in der Mitte des 6. Jahrhunderts mit der Formierung der Bajuwaren aus romanischen Restbeständen und einwandernden Gruppen begann. In den Quellen tritt Garibald I. um die Mitte des Jahrhunderts – die Forschung schwankt in der Datierung zwischen 548 und 555 – namentlich als erster Herzog hervor.
In dieses Spannungsfeld zwischen regionaler Machtbehauptung und fränkischem Einfluss fiel die Aufzeichnung der Lex Baiuvariorum. Entstanden in der Mitte des 8. Jahrhunderts, spiegelt das Gesetzeswerk weniger eine souveräne Gesetzgebung Odilos wider als vielmehr die zunehmende rechtliche Durchdringung des Raums durch fränkische Normen. Die Lex ordnete das Gefüge der freien Bauern und des Adels und versuchte, die Befugnisse des Herzogs in einem bereits deutlich fränkisch geprägten Rahmen festzuschreiben.
Parallel zur rechtlichen Einordnung verlief die kirchliche Organisation. Missionare wie Rupert von Salzburg hatten bereits Strukturen geschaffen, bevor Bonifatius 739 die Diözesen neu ordnete. Dabei wurden bestehende Sitze wie Salzburg in die neue Organisation integriert und mit Passau, Regensburg sowie Freising ein Netz aus Bischofssitzen geschaffen, das über dynastische Krisen hinweg Bestand hatte.
Vom karolingischen Einfluss zum Ende des Stammesherzogtums

Nach dem Sturz Tassilos III. im Jahr 788 übernahmen die Karolinger die direkte Kontrolle. Unter Ludwig dem Deutschen fungierte Regensburg als eine der bedeutendsten Residenzen, auch wenn das ostfränkische Reich als Reisekönigtum kein fixes Zentrum besaß. Erst der Zerfall der karolingischen Zentralgewalt im 10. Jahrhundert ermöglichte die Rückkehr regionaler Machtträger wie Arnulf I., der die Region in der Krisenzeit der ungarischen Einfälle stabilisierte, wenngleich eine dauerhafte Sicherung der Grenzen erst nach 955 gelang.
Diese Epoche endete im 12. Jahrhundert durch den Machtkampf zwischen Staufern und Welfen. Heinrich der Löwe, der als Herzog von Sachsen und Baiern über eine immense Machtbasis verfügte, gründete 1158 München, verweigerte Kaiser Friedrich I. Barbarossa jedoch die militärische Gefolgschaft in Italien. Die Ächtung Heinrichs im Jahr 1180 markierte das Ende des alten Stammesherzogtums. Bereits 1156 war durch das Privilegium Minus ein entscheidender Schritt zur Verselbstständigung Österreichs erfolgt, was die allmähliche Trennung von Baiern rechtlich verankerte. Mit der Amtsübernahme des Wittelsbachers Otto I. im Jahr 1180 wandelte sich Baiern endgültig zum Territorialstaat. Ob diese Verdichtung der Herrschaft die Voraussetzung für den Fortbestand Baierns in der Mitte Europas war, bleibt eine zentrale Frage der Forschung.
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Kraus, A. (2013): Geschichte Bayerns: Von den Anfängen bis zur Gegenwart.*
Bildnachweis
Titel: Odilo auf einer Darstellung aus dem 17. Jhdt.
Alle Bilder gemeinfrei.




