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Eleusis 506 v. Chr. – Spartas Verbündete verweigern den Angriff

Die Korinther verlassen das Heer, das gegen Athen gezogen ist. Bei Eleusis im Westen Attikas verweigern sie dem spartanischen König Kleomenes I. die weitere Gefolgschaft. Auch Demaratos, der zweite König Spartas, widersetzt sich dem Unternehmen. Weitere Verbündete ziehen ab. Kleomenes muss den Feldzug beenden, bevor es zum entscheidenden Kampf mit den Athenern kommt.

Die Ereignisse fallen in das Jahr 506 v. Chr. Athen steht damals erst seit kurzer Zeit auf den politischen Grundlagen, die Kleisthenes geschaffen hat. Nun soll ein auswärtiges Heer erneut darüber entscheiden, wer in der Stadt den führenden Einfluss ausübt. Der Angriff scheitert an den unterschiedlichen Zielen seiner Teilnehmer.

Für die Athener endet damit zunächst die größte Gefahr. Doch im Norden haben Böoter attisches Gebiet angegriffen. Auch Chalkis auf der Insel Euböa beteiligt sich an den Kämpfen. Nach dem Abzug der Peloponnesier kann Athen seine Kräfte gegen diese Gegner richten.

Kleomenes will zurück nach Athen

Zwei Jahre zuvor hatten Athener den Rat ihrer Stadt gegen einen Eingriff des Kleomenes verteidigt. Der König war gekommen, um den Adligen Isagoras zu unterstützen. Als beide den bestehenden Rat beseitigen wollten, erhoben sich Bürger gegen sie und belagerten sie auf der Akropolis. Der König musste mit seinen Soldaten abziehen. Isagoras konnte offenbar in ihrem Schutz entkommen.

Danach kehrte Kleisthenes zurück. Unter seiner Führung erhielten die örtlichen Gemeinden, die Demen, feste Aufgaben bei der Erfassung der Bürger und der Entsendung von Mitgliedern in den Rat der Fünfhundert. Zehn neue Bürgerverbände, die Phylen, führten Männer aus verschiedenen Teilen Attikas zusammen. Sie stellten auch die Abteilungen des athenischen Heeres.

Kleomenes nahm das Scheitern seines Eingriffs nicht hin. Er wollte Isagoras wieder zur Macht verhelfen und damit einen Mann in Athen einsetzen, der auf spartanische Unterstützung angewiesen war. Für den neuen Angriff brauchte er jedoch mehr Soldaten als bei seinem letzten Versuch.

Sparta konnte dafür Truppen verbündeter Städte anfordern. Diese hatten sich durch Verträge zur militärischen Zusammenarbeit verpflichtet. Ihre Aufgebote blieben allerdings unter eigenen Befehlshabern. Die beteiligten Städte verfolgten zudem eigene Interessen. Ob sie ein Unternehmen weiter unterstützten, hing deshalb auch davon ab, welchen Nutzen oder welche Gefahr sie darin sahen.

Neben Kleomenes zog Demaratos mit dem Heer. Sparta besaß zwei Könige aus unterschiedlichen Familien. Beide konnten militärische Aufgaben übernehmen. Nun standen sie gemeinsam an der Spitze der spartanischen Truppen. Damit konnte ein Streit zwischen ihnen unmittelbar auf die Führung des Heeres durchschlagen.

Hilfe aus Sardeis?

Die Athener hatten nach dem ersten Eingreifen des Königs mit einem weiteren Angriff gerechnet. In dieser Lage suchten sie einen Verbündeten, der Sparta entgegentreten konnte. Gesandte reisten nach Sardeis in Kleinasien, dem Sitz des persischen Statthalters Artaphernes.

Er vertrat dort den Großkönig Dareios. Das Perserreich beherrschte weite Teile Kleinasiens und hatte seinen Einfluss auch über die Ägäis hinaus ausgedehnt. Für Athen bot eine Verbindung zu dieser Großmacht die Aussicht auf Schutz. Die Gesandten baten um ein Bündnis.

Artaphernes verlangte dafür eine Unterwerfung unter den König. Sie sollte durch die Übergabe von Erde und Wasser ausgedrückt werden. Die Forderung machte deutlich, zu welchen Bedingungen er helfen wollte: Die Athener sollten die Oberhoheit des Dareios anerkennen.

Die Gesandten stimmten zu. Nach ihrer Rückkehr wurden sie jedoch zur Rechenschaft gezogen. Die Athener wiesen ihre Zusage zurück. Athen musste die drohende Gefahr nun ohne persischen Beistand abwehren.

Wie diese Verhandlungen zeitlich mit den Vorbereitungen des spartanischen Feldzugs zusammenhingen, lässt sich nicht genau bestimmen. Die Reise zeigt jedoch, wie ernst die Athener die drohende Gefahr nahmen. Um einen Angriff abzuwehren, waren sie bereit, weit außerhalb des griechischen Festlands nach Unterstützung zu suchen. Über die Bedingungen dieser Hilfe entstand ein neuer Streit.

Ein Heer vor Eleusis

Kleomenes führte die Truppen aus der Peloponnes durch das Gebiet von Megara nach Attika. Bei Eleusis standen sie westlich von Athen. Von dort führte der Weg weiter in Richtung der Stadt. Das athenische Aufgebot rückte ihnen entgegen.

Gleichzeitig bedrohten andere Gegner Attika. Böotische Kräfte, insbesondere aus Theben, griffen von Norden an. Chalkis lag auf Euböa jenseits der schmalen Meerenge, die die Insel vom Festland trennt. Auch von dort kamen Angriffe auf attisches Gebiet.

Die Beteiligung dieser Gegner zwang die Athener, mehrere Richtungen im Blick zu behalten. Sie konnten ihre Streitmacht nur schwer gegen einen Gegner einsetzen, solange ein anderer von einer weiteren Seite vorrückte. Für den König bot der gemeinsame Druck die Aussicht, den Widerstand Athens zu brechen.

Wie eng die einzelnen Vorstöße abgestimmt waren, wissen wir nicht. Die Verbindung zwischen Sparta, den Böotern und Chalkis ist jedoch überliefert. Aus athenischer Sicht drohte ein Krieg, der über den Machtkampf um Isagoras hinausging: Auch benachbarte Städte griffen in die Auseinandersetzung ein.

Korinth und Demaratos ziehen sich zurück

Der Geschichtsschreiber Herodot erklärt den eingangs geschilderten Bruch im Heer mit einer plötzlichen Einsicht der Korinther: Sie hätten erkannt, dass sie den Athenern mit dem Angriff Unrecht tun würden.

Herodots Darstellung vermittelt den Eindruck, die Korinther hätten das eigentliche Ziel des Königs erst kurz vor dem Kampf durchschaut. Wie überraschend seine Absichten tatsächlich waren, bleibt fraglich. Bereits während des Marsches dürfte unter den Befehlshabern über den Zweck des Unternehmens gesprochen worden sein.

Korinthischer Helm aus einem Grab bei Denda

Für Korinth war ein von Sparta abhängiger Machthaber in Athen jedenfalls nicht automatisch von Vorteil. Ein erfolgreicher Feldzug hätte den Einfluss des Kleomenes vergrößert. Verbündete konnten sich fragen, ob eine solche Machtstellung ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten einschränken würde. Die Verpflichtung zur Zusammenarbeit bedeutete deshalb noch keine Zustimmung zu jedem politischen Ziel des Königs.

Welche Überlegung für Demaratos den Ausschlag gab, lässt sich nicht feststellen. Mit seinem Widerspruch verlor Kleomenes aber auch innerhalb der spartanischen Führung den Rückhalt. Der König konnte weder die abziehenden Verbündeten ersetzen noch den Konflikt an der Spitze seines eigenen Aufgebots übergehen.

Das Heer löste sich als gemeinsame Streitmacht auf. Die Athener hatten den Angreifern gegenübergestanden, doch die Entscheidung fiel im gegnerischen Lager. Kleomenes musste sich zurückziehen.

In Sparta führte der Fehlschlag zu einer konkreten Änderung. Die Könige sollten künftig nicht mehr gemeinsam einen Feldzug führen. Damit wollte man verhindern, dass ein Streit zwischen beiden erneut die Leitung eines Heeres lähmte. Die Ereignisse von Eleusis wirkten so über den gescheiterten Angriff auf Athen hinaus.

Die Athener gehen zum Gegenangriff über

Mit dem Abzug der Truppen aus der Peloponnes konnte Athen seine Kräfte gegen die verbliebenen Gegner einsetzen. Die Athener besiegten die Böoter und gingen anschließend gegen Chalkis vor. Auch dort waren sie erfolgreich.

Die neuen Bürgerverbände hatten damit ihre erste große militärische Bewährungsprobe bestanden. Die Angehörigen der Phylen kamen aus unterschiedlichen Gemeinden Attikas. Nun traten sie gemeinsam gegen Gegner an, die die Stadt und das umliegende Land bedrohten. Die politischen Veränderungen der letzten Jahre hatten auch eine Grundlage für dieses Aufgebot geschaffen.

Der Erfolg gegen Chalkis blieb nicht auf den Abzug feindlicher Truppen beschränkt. Athen entsandte eigene Bürger nach Euböa und wies ihnen dort Land zu. Solche Siedler hießen Kleruchen, also Inhaber zugeteilter Landlose. Sie blieben athenische Bürger und dienten zugleich als bewaffneter Stützpunkt auf fremdem Boden.

Die Äcker wurden offenbar zumindest teilweise von Einheimischen gegen eine Pacht bewirtschaftet. Für die athenischen Siedler bedeutete die Zuweisung eine Einkommensquelle. Für die bisherigen Besitzer und Nutzer konnte der Sieg Athens dagegen den Verlust der Verfügung über ihr Land bedeuten.

Athen hatte seine Selbstbestimmung gegen einen Eingriff von außen verteidigt. Auf Euböa sicherte es den eigenen Erfolg nun durch die Anwesenheit bewaffneter Bürger und durch den Zugriff auf Land. Der Unterschied zwischen den Erfahrungen der Sieger und der Besiegten war damit sehr konkret.

Noch einmal soll ein Tyrann zurückkehren

Auch nach dem Rückzug aus Eleusis gab Sparta den Versuch nicht auf, Athen politisch zu beeinflussen. Diesmal kam ein anderer Bewerber ins Spiel: Hippias. Die Spartaner hatten ihn 510 v. Chr. aus Athen vertrieben. Nun sollte der frühere Tyrann zurückkehren. Mit einem von ihrer Hilfe abhängigen Machthaber hoffte Spartas Führung, wieder Einfluss auf Athen zu gewinnen.

Für dieses Vorhaben suchte Sparta vorab die Zustimmung seiner Verbündeten. Vertreter der beteiligten Städte wurden zu einer Beratung eingeladen. Der Fehlschlag von Eleusis hatte gezeigt, wie wenig ein gemeinsamer Feldzug gewinnen konnte, wenn die Teilnehmer über sein Ziel uneinig waren.

Wieder ging der entscheidende Widerspruch von Korinth aus. Herodot legt dem korinthischen Vertreter Sosikles eine lange Rede gegen die Wiedereinsetzung einer Tyrannis in den Mund. Diese Rede lässt sich nicht als wörtliches Protokoll der Beratung lesen. Sie trägt die Spuren späterer Debatten über politische Macht. Der Widerstand Korinths und die Ablehnung durch weitere Verbündete bilden jedoch den historischen Kern seines Berichts.

Der Plan scheiterte. Hippias erhielt kein gemeinsames Heer, das ihn nach Athen zurückführen konnte. Die Verbündeten Spartas hatten erneut verhindert, dass sie ihre Soldaten für die Einsetzung eines von Sparta unterstützten Machthabers bereitstellen mussten.

Auf Euböa blieben unterdessen die athenischen Kleruchen. Sechzehn Jahre nach dem Sieg über Chalkis sollten sie vor einem anderen Gegner weichen müssen: 490 v. Chr. landeten persische Truppen auf der Insel. Die Großmacht, bei deren Statthalter Athen zuvor Schutz gesucht hatte, kam nun selbst mit einer Flotte.


Zum Weiterlesen

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Karl-Wilhelm Welwei (2013): Sparta: Aufstieg und Niedergang einer antiken Großmacht.*

Bildnachweis

Titel: Archäologische Stätte Eleusis, 2005.

Alle Bilder gemeinfrei.

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