Azteken – Folge 12 von 32
Jugendliche aus Tenochtitlan arbeiteten unter der Aufsicht älterer Jungen für ihren Stadtbezirk. Im Telpochcalli, dem „Haus der Jugend“, gehörte dieser Dienst zur Vorbereitung auf das Erwachsenenleben. Die Einrichtung führte viele Söhne gewöhnlicher Familien an den Krieg heran und beanspruchte zugleich ihre Arbeitskraft für die Gemeinde.
Lernen im eigenen Stadtbezirk

Die Jugendlichen waren in örtliche Gemeinschaften eingebunden. Ältere Männer vermittelten Fähigkeiten und überwachten ihr Verhalten. Öffentliche Arbeit und militärische Vorbereitung lagen dabei nah beieinander: Wer bei gemeinsamen Aufgaben Disziplin einübte, lernte auch, sich unter einer Führung zu bewegen.
Daneben bestanden Calmecac genannte Einrichtungen, die besonders mit priesterlicher Bildung und der Ausbildung für höhere Aufgaben verbunden waren. Herkunft beeinflusste den Zugang zu solchen Laufbahnen. Die Unterscheidung beschreibt allerdings keine überall lückenlos eingehaltene Trennung sämtlicher adliger und nichtadliger Kinder.
Für junge Krieger zählte wesentlich, einen Gegner lebend gefangen zu nehmen. Beim ersten solchen Erfolg konnten nach den überlieferten Ausbildungsbeschreibungen bis zu sechs Anfänger zusammenarbeiten. Danach wurde die Haarlocke abgeschnitten, die ihren bisherigen Jugendstatus angezeigt hatte. Auch bei diesem gemeinsamen Erfolg wurden die Anteile der einzelnen Beteiligten genau unterschieden.
Bei weiteren Auszeichnungen zählten Gefangennahmen im Einzelkampf. Ein erster solcher Erfolg berechtigte zu einem gemusterten Umhang. Nach drei Gefangennahmen konnte ein Mann als Jugendmeister selbst jüngere Krieger unterweisen; mit vier gehörte er zu den erfahrenen Kriegern mit besonders begehrten Abzeichen. Auch die Herkunft und militärische Stellung der Gefangenen beeinflussten den Wert eines Erfolgs. Solche Auszeichnungen verbanden den Ehrgeiz der Jugendlichen unmittelbar mit dem Bedarf an Gefangenen für rituelle Tötungen. Jeder Kämpfer setzte sich dabei selbst der Gefangenschaft aus.
Die Aussicht auf Aufstieg hob Unterschiede der Geburt nicht auf. Angehörige angesehener Familien besaßen Verbindungen, die ein erfolgreicher Kämpfer aus einem gewöhnlichen Haushalt erst erwerben musste. Gleichwohl bot der Krieg eine anerkannte Möglichkeit, über die bisherige Stellung hinauszukommen.
Mit einem neuen Rang konnte ein junger Mann im selben Haus Autorität über diejenigen erhalten, mit denen er zuvor gelernt hatte. Der erfahrene Kämpfer wurde zum Ausbilder. So erneuerte sich die militärische Führung vor Ort durch anerkannte Leistungen. Für viele blieb daneben die Arbeit als Bauer oder Handwerker nötig, von der der eigene Haushalt lebte. Ein Feldzug machte sie nicht dauerhaft zu Berufssoldaten: Wer sich nicht besonders auszeichnete, kehrte danach zu seinem bisherigen Erwerb zurück.
Zum Weiterlesen
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Riese, B. (2011): Das Reich der Azteken: Geschichte und Kultur.*
Prem, Hanns, J. (2011): Die Azteken: Geschichte, Kultur, Religion.*
Bildnachweis
Titel: Kriegerlaufbahnen im Codex Mendoza, Blatt 65r. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.
Handschrift: Geburtsrituale und Ausbildungswege im Codex Mendoza, Blatt 57r. Wikimedia Commons, Unbekannter Künstler. Gemeinfrei.

