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Die Revolte von 1030 – Ein schwäbischer Aufstand im salischen Reich

Auf dem Hoftag des Jahres 1030 verlangte Konrad II. von seinem Stiefsohn den ultimativen Beweis der Unterordnung. Herzog Ernst von Schwaben sollte sein Amt nur unter einer strikten Bedingung behalten: Er musste militärisch gegen den Grafen Werner von Kyburg zu Feld ziehen. Ernst wies dieses Angebot zurück. Er weigerte sich, die Treue zu seinem ehemaligen Kampfgenossen aufzugeben. Diese offene Gehorsamsverweigerung besiegelte das Schicksal des jungen Herzogs. Sie markierte zugleich den dramatischen Endpunkt eines jahrelangen Ringens um Autonomie im salischen Reich.

Der Griff nach dem burgundischen Erbe

Der Konflikt zwischen dem ersten Salierkönig und seinem Stiefsohn entzündete sich an den strategischen Ambitionen des Hochadels. Konrad II. versuchte von Beginn seiner Regierungszeit an, die geballte Macht regionaler Adelsverbände zu zerschlagen und die Befugnisse der Herzöge zugunsten der Krone einzuschränken. Dieser Kurs provozierte rasch massiven Widerstand. Bereits im Jahr 1025 formierte sich eine weitreichende Aufstandsbewegung, an der sich neben dem Lothringer Friedrich auch Herzog Ernst beteiligte. Die genauen Motive lassen sich aus den lückenhaften Quellen nicht sicher rekonstruieren, doch richteten sich die Blicke der Verschwörer möglicherweise auf das Königreich Burgund. Der dortige König Rudolf besaß keine direkten Nachkommen. Ernst von Schwaben hoffte, das burgundische Erbe aufgrund familiärer Bindungen für sich beanspruchen zu können. Konrad II. antizipierte diese Gefahr, besetzte die Grenzstadt Basel präventiv und brachte sich selbst als rechtmäßigen Nachfolger in Stellung.

Die militärische Konfrontation schien zunächst rasch entschärft zu sein, da sich Ernst im Februar 1026 in Augsburg seinem Stiefvater unterwarf. Der Herzog begleitete den Herrscher daraufhin auf dessen Zug nach Italien. Doch während der König in der Lombardei seine Macht festigte, eskalierte die Situation nördlich der Alpen erneut. Der schwäbische Graf Welf II. führte eine gewaltsame Fehde gegen den Augsburger Bischof Bruno und schnitt dem König durch diese Aktion den strategisch wichtigen Rückzug über den Brenner sowie den Reschenpass ab. Konrad II. reagierte auf diese Bedrohung, indem er Ernst vorzeitig aus Italien entließ. Der Herrscher übergab ihm die Abtei Kempten zu Lehen, um seinen Stiefsohn durch diese Landvergabe zum Kampf gegen den rebellischen Welfen zu motivieren.

Verrat und brennende Klöster

Burg Falkenstein im Schwarzwald. Sie diente Ernst von Schwaben und Werner von Kyburg als Zufluchtsort

Ernst nutzte den gewonnenen Handlungsspielraum jedoch völlig anders als befohlen. Anstatt den königlichen Auftrag zu erfüllen, verbündete er sich mit eben jenem Welf II. Werner von Kyburg und Friedrich von Oberlothringen schlossen sich dieser gegen den Monarchen gerichteten Allianz an. Die Koalition griff im Elsass die Ländereien des königlichen Vetters Hugo von Egisheim an und zog im Anschluss nach Solothurn. Dort wollten die Verschwörer König Rudolf wohl zu einer Erbabtretung bewegen. Das hochfliegende Ziel der Rebellen bestand in der Errichtung eines ausgedehnten Alpenreiches, das vom Rhone-Tal im Westen bis zur Etsch im Osten reichen sollte.

Dieser ambitionierte Plan scheiterte jedoch kläglich an der politischen Realität. Friedrich von Oberlothringen verstarb noch vor den eigentlichen Kampfhandlungen, und Rudolf von Burgund weigerte sich schlichtweg, seinen Großneffen Ernst überhaupt zu empfangen. Der junge Herzog reagierte auf diesen politischen Rückschlag mit hemmungsloser Gewalt. Er gab die reichen Bodenseeklöster St. Gallen und Reichenau zur Plünderung frei und richtete in Schwaben schweren Schaden an.

Ernst überzog mit diesen verheerenden Raubzügen sein politisches Konto massiv. Im Juli 1027 musste er sich auf dem Hoftag zu Ulm schließlich der nunmehr kaiserlichen Übermacht stellen. Er hoffte auf die unbedingte Unterstützung seiner alemannischen Gefolgsleute, doch ließen ihn seine eigenen Verbündeten im entscheidenden Moment fallen. Zwei Grafen traten als Wortführer auf und erklärten stellvertretend für den regionalen Adel, dass ihr Treueid gegenüber dem Herzog seine Gültigkeit verliere, sobald sich dieser gegen den gemeinsamen Herrscher stelle. Die anwesenden Fürsten entzogen Ernst damit die rechtliche Basis für seinen Widerstand. Der Herzog musste sich ergeben und wurde als Gefangener in die Burg Giebichenstein bei Halle abgeführt. Diese Festsetzung des Konkurrenten ebnete Konrad II. den Weg, um kurz darauf bei Basel mit dem burgundischen König Rudolf Frieden zu schließen und sich endgültig als Erben des Königreichs einsetzen zu lassen.

Blut im Schwarzwald

Der Tod von Ernst von Schwaben, Druck aus dem 19. Jhdt.

Trotz einer zwischenzeitlichen Begnadigung im Jahr 1028 verkannte Herzog Ernst seine veränderte machtpolitische Lage fundamental. Das eingangs erwähnte Ultimatum vom Ostertag 1030 demonstrierte den unüberbrückbaren Riss zwischen dem zentralen kaiserlichen Herrschaftsanspruch und der autonomen herzoglichen Ehre. Als Ernst die Waffengefolgschaft gegen Werner von Kyburg verweigerte, entzog ihm Konrad II. die Herzogswürde auf Dauer. Der Kaiser übertrug das vakante Amt an Ernsts jüngeren Bruder. Gleichzeitig verhängte er über die beiden unnachgiebigen Rebellen Acht und Bann, wodurch Ernst und Werner fortan vogelfrei waren. Sie verloren sämtliche Güter und mussten aus der herrschaftlichen Ordnung fliehen. Ein Hilfegesuch bei Graf Odo von der Champagne blieb wirkungslos. Am 17. August 1030 wurden Ernst und Werner im Schwarzwald in einem Gefecht getötet.

Der Salierkaiser quittierte den gewaltsamen Tod seines Stiefsohns mit erbarmungsloser Härte. Als ihm die Nachricht überbracht wurde, soll Konrad lediglich bemerkt haben, dass tollwütige Hunde selten eigenen Nachwuchs bekämen. Diese verbale Kälte verdeutlicht, wie unerbittlich Konrad seine Herrschaftsansprüche selbst gegen die eigene Familie durchsetzte. Das harte Vorgehen des Kaisers offenbarte, dass es dem Reich an verlässlichen Verhandlungswegen fehlte, um zwischen dem Herrscherwillen und den Autonomieansprüchen des Hochadels friedliche Kompromisse zu erzielen. Erzähler und Sänger griffen dieses blutige Drama später auf und wandelten den rebellischen Herzog in eine literarische Figur um. Die mittelhochdeutsche Dichtung vom Herzog Ernst vermischte die historischen Vorfälle mit Motiven des Aufstandes gegen Otto den Großen. Der Ausgang der schwäbischen Revolte lieferte den Stoff für Heldendichtungen, die eindringlich vor autokratischer Herrschaft warnten und die ungelösten Machtkämpfe der Epoche widerspiegelten.


Zum Weiterlesen

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Laudage, J. (2024): Die Salier. Das erste deutsche Königshaus.*

Weinfurter, S. (2008): Das Jahrhundert der Salier 1024–1125: Kaiser oder Papst?*

Bildnachweis

Titel: Ernst von Schwaben vor Konrad II. in Ingelheim. Druck aus dem 19. Jhdt.

Alle Bilder gemeinfrei.

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